Aarau
Neun Frauen wollen das Kasernenareal gestalten

Ein neu gegründeter Verein will seine Vorstellungen in die Planung des Kasernenareals einbringen. Den Vorstand bilden neun Frauen unter Führung von Sabine Trüb und Silvia Dell’Aquila.

Ueli Wild
Merken
Drucken
Teilen
Von einem Rückzug aus der praktischen Politik keine Spur: noch-Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila. Mario Heller/Archiv

Von einem Rückzug aus der praktischen Politik keine Spur: noch-Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila. Mario Heller/Archiv

Mario Heller

Bis 2030 dürfte die Armee das Aarauer Kasernenareal definitiv verlassen. Der Vertrag mit der Armasuisse läuft dann aus und der Kanton als Eigentümer eines Grossteils des Areals hat klar zum Ausdruck gebracht, dass für ihn eine Verlängerung des Vertrags mit dem Militär nicht im Vordergrund stehe. Vor diesem Hintergrund haben Kanton und Stadt schon rund 15 Jahre vor dem Auszug des Militärs begonnen, die Zukunft des Areals nach 2030 zu planen.

Nun meldet sich ein neugegründeter Verein «Neues Kasernenareal» zu Wort, der im Sinne seiner Visionen auf die Arealgestaltung Einfluss nehmen möchte. Den neunköpfigen Vorstand des Vereins bilden neun Frauen, die Kunst, Gastronomie sowie die linke politische Szene verkörpern. Das lässt sich einer Medienmitteilung entnehmen, welche Silvia Dell’Aquila, Co-Präsidentin des Vereins, Einwohnerrätin und bis zu ihrer wilden Stadtratskandidatur Mitglied der SP, in Umlauf gesetzt hat. Mit Dell’Aquila teilt sich die Künstlerin Sabine Trüb das Präsidium, die weiteren Vorstandsmitglieder sind Sadhyo Niederberger, Laura und Mirjam Peter, Christine Buser, Barbara Hossli, Verena Frey und Susanna Perin.

Kein Profitmaximierungsprojekt

Der Verein hat sich laut Medienmitteilung zum Ziel gesetzt, «bei der Entwicklung des Kasernenareals eine konkrete Stimme einzubringen, mitzugestalten und konkrete Projekte zu realisieren». Auf dem Kasernenareal solle «ein lebendiges, sozial durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebensqualität» entstehen. Konkret angestrebt wird «ein Quartier, das zeitgemässes Wohnen ermöglicht, neuen Formen der Arbeit Rechnung trägt, das Kultur, Treffpunkte und moderne Dienstleistungen bietet und in dem nachhaltig, gemeinschaftlich und doch individuell gelebt wird».

Wichtig ist dem Verein vor allem, dass ein grosser Teil des Areals für alle Bevölkerungsschichten öffentlich zugänglich ist. Es gelte, eine Entwicklung zu verhindern, welche aus dem Kasernenareal ein wirtschaftliches Profitmaximierungsprojekt mache.

Ein entscheidender Faktor für die Qualität des Quartiers, heisst es in der Mitteilung, sei die Nutzung der Erdgeschosse. Die Erdgeschossflächen sollten daher weitgehend öffentlich und ihre Nutzung vielfältig und kleinteilig sein. «Verschiedene Geschäfte und Läden, Cafés und Restaurants, Büros und Ateliers fördern diese Durchmischung und bringen ein vielfältiges Angebot.» Der Verein recherchiere deshalb solche Lösungen und mache dazu konkrete Vorschläge.

Was macht der Verein?

  • Der Verein engagiert sich gemäss Zweckartikel seiner Statuten für vier konkrete Grundsätze beim Bebauen sowie beim Betrieb des künftig zivilen Kasernenareals:
  • Das Erstellen und Vermieten von preiswertem Wohn- und Gewerberaum
  • Das fortschrittliche Verbinden von Wohnen, Arbeiten und Kultur
  • Das Umsetzen eines nachhaltigen Energiekonzepts auf der Basis eines 2000-Watt-Areals
  • Das Fördern von sozialer Durchmischung und gemeinschaftlichen Einrichtungen.

Nicht warten bis 2030

Die Frauen wollen nicht warten, bis 2030 der letzte Vertrag mit dem Bund ausläuft. «Wir engagieren uns bereits heute», schreiben sie, «für eine schrittweise Öffnung des Areals.» Ihr Ziel ist es, leere Räume und Gebäude zu günstigen Konditionen zu nutzen. Nun suchen sie weitere Vereinsmitglieder, die ihnen zusätzliches Gewicht verschaffen und sich mit 150 Franken pro Jahr beteiligen. Mit einer Veranstaltungsreihe will der Verein das Interesse der Bevölkerung wecken. Den Anfang macht am 22. Oktober der Journalist und Historiker Hermann Rauber, der das Kasernenareal und seine Geschichte vor Ort vorstellt.

Stadt und Kanton haben ihrerseits bereits die Partizipation der Bevölkerung ermöglicht: Zunächst wurde ein gemeinsames Leitbild zur Arealentwicklung erarbeitet – dies im Rahmen zweier öffentlicher Forumsveranstaltungen, sprich unter Mitwirkung der Bevölkerung. Im Januar dieses Jahres hat der Einwohnerrat 300 000 Franken für die nächsten, auf dem Leitbild basierenden Schritte bewilligt. Zuvor hatte der Regierungsrat bereits einen Betrag in der gleichen Höhe gesprochen. Die Ergebnisse der Testplanung sollen Anfang 2018 an einer weiteren öffentlichen Forumsveranstaltung präsentiert und diskutiert werden.