Aarau
Neugestaltung der historischen Altstadt geht in die Halbzeitpause

Die Verantwortlichen für die Neugestaltung der Altstadtgassen strahlten wie die Maikäfer, und zwar mitten im Winter. Die Freude bei Halbzeit der Bauarbeiten ist gross, Stadtammann Marcel Guignard schwärmte von der «neuen Dimension der Gassenweite».

Hermann Rauber
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Metzgergasse

Metzgergasse

AZ

Während Projektleiter Stefano Bradanini herausstrich, dass man die ersten zwei Etappen «ohne grosse Probleme» unter Dach bringen konnte und nun getrost die Schlussrunde planen dürfe.

Bei «Halbzeit» seien rund 60 Prozent der gesamten Fläche bearbeitet worden. Erstmals sichtbar ist jetzt an der Metzgergasse die umstrittene Wasserrinne, die den Stadtbach markieren soll. Sie wird künftig «in der Regel» zu einem Drittel mit einem Gitterrost abgedeckt, zu zwei Dritteln aber offen sein. Die Anlieferung wird auf jeden Fall gewährleistet.

Mit dem heutigen 10. Dezember ziehen sich die Bauleute mit ihren Maschinen zurück und überlassen dasAreal für gut einen Monat wieder den Anwohnern, Geschäftsinhabern und Passanten. Diese hätten die Unannehmlichkeiten während der Bauzeit «erstaunlich gelassen» und mit «viel Goodwill», zum Teil sogar innovativen «Gegenmassnahmen» ertragen, lobte Marcel Guignard, der auch allen an der Realisierung Beteiligten ein Kränzchen wand.

Winterpause bis zum 24. Januar

Laut Ingenieur Hans Wahlen wird man nach der sechswöchigen Winterpause beim Neustart am 24. Januar 2011 auf die bisher gemachten Erfahrungen zurückgreifen. An der Reihe sind im kommenden Jahr die obere und die untere Rathausgasse sowie die Anschlüsse am Zollrain und zwischen den Toren.

«Wir werden entgegen der ursprünglichen Absicht wieder an verschiedenen Orten gleichzeitig arbeiten», sagt Wahlen. Mit dem «optimierten Bauprogramm» könne man Zeit einsparen. So ist es durchaus möglich, dass die Bauarbeiten bereits im Oktober oder November 2011 und nicht erst um den Jahreswechsel oder gar Anfang 2012 beendet werden könnten.

(Geräumte) Baustelle am Maienzug

Bis zu den Ostertagen wird im Bereich Rathaus-/Kronengasse sowie zwischen den Toren gearbeitet. Dank diesem parallelen Vorgehen können genügend Flächen für das Gewerbe und die Baustellenlogistik freigehalten werden. Kehrseite der Medaille ist die Aussicht, dass sich die Rathausgasse am nächsten Maienzug als «geräumte» Baustelle präsentieren wird. Das heisst, dass die Maienzugkommission und die Verantwortlichen für den Vorabend mit zusätzlichen Hausaufgaben gefordert sind.

Ungewohnte Buslinienführung

Natürlich hat die Verlagerung der Bauarbeiten Einfluss auf die Linienführung des BBA. Gemäss Samuel Häfliger von der Stadtpolizei fahren die Busse ab 24. Januar bis zum Sommer im Gegenverkehr durch die Metzgergasse und werden sich am Zollrain und am Graben kreuzen. Der Bus Richtung Bahnhof wird entlang dem inneren Graben in die Vordere Vorstadt gelangen. Auf dem Holzmarkt entsteht eine neue Haltestelle für die Erschliessung der südlichen Altstadt.

Ab August zirkulieren die BBA-Fahrzeuge dann Richtung Kunsthaus über die Kronen- und obere Rathausgasse. «Um dieses ungewohnte System zu prüfen, haben wir verschiedene Testfahrten gemacht», beruhigt Samuel Häfliger, der allerdings zugibt, dass «die Verantwortlichen in Sachen Buslinien in den nächsten Monaten vor einer besonderen Herausforderung stehen».

Einstige Stadttore markiert

Im vergangenen Sommer hatte für ein paar Tage auch die Archäologie ihren Platz. Laut Architekt George Pfiffner konnten bei dieser Gelegenheit Fundamente des inneren und äusseren Laurenzentors lokalisiert und vermessen werden. Klar ist, dass der östliche Stadtausgang gegen den Graben hin aus einem Turm und einem Vorbau bestand. Diese einstigen Mauern sind jetzt mit Betonelementen innerhalb der Pflästerung «lesbar» gemacht worden.

Gleiches gilt auch für das bereits in den 90er-Jahren sondierte Aaretor vor dem Restaurant Speck. Die Ausmasse der Tore geben den Baustand im 17. Jahrhundert wieder. Die Anlage an der Laurenzentorgasse soll später mit einer Tafel erklärt werden.