Aarau

Neues Wasserkraftwerk: Alles von vorn beim 100-Millionen-Projekt

Die neue Wasserkraftanlage in Aarau soll 2024 in Betrieb gehen – doch das 100-Millionen-Projekt wird ganz anders realisiert als bisher projektiert und bewilligt.

Das Renditeproblem beim Strom aus Wasserkraft und die Bedenken der Naturschützer («geschnetzelte Fische») haben die Eniwa (ex IBAarau) bewogen, bei der Gesamtsanierung des Wasserkraftwerkes Aarau nach weit über zehnjähriger Planung den Reset-Knopf zu drücken.

Obwohl die Baubewilligung vorlag, wird jetzt nahezu alles anders: Das Projekt wird nicht mehr etappiert. Es gibt nur noch ganz einfache, wenig über das Wasser hinausragende Bauten, ähnlich wie beim Kraftwerk Rüchlig.

Und die Kosten für die Gesamtanlage sollen unter 100 Millionen Franken sinken. Eine weitere Änderung wird viele Spaziergänger treffen: Der Mittelstreifen zwischen den beiden Kanälen wird ganz verschwinden. All das wurde an einem Informationsabend für die Anwohner der Erlinsbacherstrasse (Hungerberg) bekannt.

Das altehrwürdige IBA-Kraftwerk in Bildern:

Bisher in zwei Etappen

Die Ausgangslage: Im Mai letzten Jahres schien alles klar. Das Verwaltungsgericht hatte die Beschwerde der Umweltverbände abgelehnt. Die Kantone Solothurn und Aargau hatten der damaligen IBAarau die Konzession für den Betrieb des Wasserkraftwerkes in den kommenden 68 Jahren (ab Januar 2018) erteilt.

Unter dem Titel «Aarau leistet sich ein Kraftwerk, das lange nicht rentieren wird» berichtete die AZ, dass Investitionen in der Höhe von 110 Millionen Franken geplant waren. In einem ersten Schritt sollte der alte, nördliche Teil des Kraftwerkes erneuert werden. Zwanzig Jahre später, also nach 2035, war die Modernisierung des südlichen Kraftwerksteils geplant – zu noch nicht bekannten Kosten.

In der ersten Etappe sollte über die Aare ein durchsichtiges Turbinengebäude entstehen. Das markante Türmchen sollte mindestens bis 2035 stehen bleiben.

Fische mitentscheidend

Jetzt ist alles anders: Vom neuen Gebäude gibt es noch keine Visualisierung; sie soll in etwa vier Monaten vorliegen. Klar ist, dass das Vorhaben nochmals aufgelegt werden muss, voraussichtlich Ende 2019 / Anfang 2020. Nach einer dreijährigen Bauphase soll die neue Anlage 2024 in Betrieb gehen. Das heisst, das bestehenden Kraftwerk wird, so Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer, «sicher noch drei Jahre weiterbetrieben».

Das neue Kraftwerksgebäude wird ähnlich aussehen wie das kürzlich sanierte Kraftwerk Rüchlig. Es wird also nur noch wenig (gut einen Meter) aus dem Wasser herausragen. Es wird keine Aufbauten haben – damit ist das Ende des Türmchens besiegelt.

Neben den Kosten ist der Fischabstieg das entscheidende Kriterium für den Neuanfang der Planung. Die Eniwa erwartet hier einen technischen Fortschritt. Sie will die Voraussetzungen schaffen, dass die Fische durch ein Abstiegsgerinne in der Flussmitte geleitet werden können.

Das wäre laut Scherrer mit Turbinen auf beiden Seiten der Aare praktisch nicht lösbar. Deshalb die Aufgabe der Etappierung, deshalb die Kompletterneuerung in einem Aufwisch. Geplant sind drei Turbinen im nördlichen Aare-Bereich (Seite Erlinsbacherstrasse).

Daneben die Hochwassersituation (Schwallentlastung) zwei Klappen analog Rüchlig. Die Stromproduktion kann dank der Modernisierung um Grössenordnung 20 Prozent gesteigert werden.

Als Erstes ein neues Unterwerk

Bevor aber mit dem Kraftwerksbau begonnen werden kann, müssen die Schaltanlagen zentralisiert werden. Sie befinden sich teils in den Remisen auf der Ostseite des Kraftwerks, teils im Kraftwerk selber.

Auf dem Areal, an der Erlinsbacherstrasse, auf dem bis vor fünf Jahren Wohnhäuser standen, soll ein neues Unterwerk entstehen. Im Parterre, das etwa bis auf die Höhe des Kanalwegs reichen wird, sind die Schaltanlagen geplant. Darüber gibts 30 bis 34 Parkplätze (öffentlich). Daneben ein Trafogebäude mit einer Notleitzentrale (insgesamt 12,4 Meter hoch). Der Kamin ist nötig für die Notstromgruppe.

Der Bau des Unterwerks soll 2019/2020 erfolgen. Mit dem eigentlichen Kraftwerkbau kann erst begonnen werden, wenn das Schaltanlagen-Gebäude steht.

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