Die Wogen rund um die Kunsteisbahn Aarau (Keba) haben sich gelegt. Zwar ist noch ein Baugesuch (das für die Lüftung über dem Eingang) offen und die Betriebsbewilligung ist nur befristet erteilt. Aber es scheint, als hätte das Eis zwischen den Anwohnern (sprich: Einsprechern) und den Behörden sowie Sportanlagenbetreibern zu tauen begonnen.

Auch dank Zugeständnissen und Massnahmen auf beiden Seiten. Eine davon: neue Schranken und der Einsatz von Security-Personal.

Fahrverbot wird oft missachtet

Um zu verstehen, was das bringt, muss man die Verkehrssituation im Suhrer Brügglifeld-Quartier kennen. Diese ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Anwohnern und Gemeinde. Konkreter: die jahrelang tolerierte Missachtung des seit über 50 Jahren bestehenden Fahrverbots auf dem Weiherweg und dem Gönhardweg. Wer nicht Anstösser oder Lieferant ist, hat dort mit seinem Auto nichts zu suchen.

Und doch fahren sie durch – Besucher und Eltern von trainierenden Kindern auf der Eisbahn und den Fussballfeldern, aber vor allem Zuschauer der FC-Aarau-Spiele. Und genau das hat – unter anderem – den Zorn der Anwohner erregt, der in Einsprachen gegen die Keba-Öffnungszeiten ein Ventil fand.

Nicht ernst genommen?

Anwohner berichten, dass sie seit Jahren immer wieder bei der Gemeinde und bei der Regionalpolizei wegen der missachteten Fahrverbote vorstellig geworden seien. Wirklich ernst genommen habe man sie dort aber nicht.

Diese Erfahrung hat auch Peter Zuberbühler gemacht. Der Suhrer wohnt zwar in einem anderen Quartier, ist aber mit der Eisbahn eng verbunden. Unter anderem hat er eine Keba-Chronik erstellt. Weil ihn auch ärgerte, dass wegen des Keba-Debakels gut 500 Kinder und Jugendliche von einem Tag auf den anderen nicht mehr trainieren durften, hat er schon seit Bekanntwerden der Probleme den Dialog mit den Einsprechern gesucht.

Sein Ziel: Die wahren Gründe für die Einsprachen zu erfahren und die Anwohner zum Einlenken zu bewegen. «Ich habe zahlreiche Gespräche geführt. Schnell wurde mir klar, dass das Hauptproblem nicht die Keba ist, sondern die Fussballplätze – und dort vor allem der Lautsprecherlärm und der Verkehr», sagt Zuberbühler zur AZ.

Anzeige nicht entgegengenommen?

Im Februar, als Le Mont beim FC Aarau im Brügglifeld zu Gast war, beobachtete Zuberbühler deshalb den Verkehr rund ums Brügglifeld genau. Er notierte sich die Nummern von 16 am Weiherweg – mitten im Fahrverbot – parkierten Autos: ein Deutscher, ein Solothurner, ein Zuger, der Rest Aargauer aus der näheren und weiteren Umgebung. Unwahrscheinlich, dass diese alle Zubringer zu den Wohnliegenschaften waren, sehr viel naheliegender, dass es sich um Matchbesucher handelte.

Und diese haben dort eigentlich nichts zu suchen. «Als ich die Halter der Autos beim Polizeiposten in Suhr zur Anzeige bringen wollte, wurde diese nicht angenommen», berichtet Zuberbühler. «Das sei ein Befehl von oben, hiess es.» Auf Anfrage der AZ wird das von der Gemeinde Suhr weder bestätigt noch dementiert.

Gemeinderat Suhr reagierte

Als er beim Polizeiposten abgeblitzt war, wandte sich Zuberbühler per Brief an die zuständigen Behörden. Der AZ liegt die darauffolgende Korrespondenz zwischen Zuberbühler und dem Gemeinderat – damals war noch Gemeindepräsident Beat Rüetschi zuständig – vor. Ersichtlich ist daraus, dass der Suhrer Gemeinderat FC Aarau-Präsident Alfred Schmid Ende März zum Gespräch aufbot, um «entsprechende Massnahmen zu beraten». An Zuberbühler schrieb der Gemeinderat im Mai: «Die Regionalpolizei hat damit begonnen, regelmässige Verkehrskontrollen im Brügglifeldquartier zu machen und Fehlbare zu büssen. Auch das Thema Verkehrsdienst bei Fussballspielen auf Suhrer Seite wird wieder aufgenommen.» Aber: «Nicht gebüsst werden kann bei Fussballspielen (Grossereignis).

In solchen Fällen stellt der Richter Strafverfahren normalerweise ein.» Mit dieser Antwort war Zuberbühler nicht zufrieden. Er wollte wissen, auf welcher Rechtsgrundlage das geschehen soll – auch einige von der AZ befragte Juristen wissen auf diese Frage keine Antwort. Im Juni antwortete der Gemeinderat wiederum mit einem Brief: «Bei Grossanlässen werden bestehende Signalisationen ausser Kraft gesetzt, um die Parkierung zu gewährleisten.» Frühere Anzeigen seien durch das damals zuständige Bezirksamt (heute Staatsanwaltschaft) eingestellt worden.

Neu wird das Fahrverbot im Quartier mit dem Fussballstadion (links) und den Trainingsplätzen östlich der Keba mithilfe von zwei Schranken durchgesetzt.

Neu wird das Fahrverbot im Quartier mit dem Fussballstadion (links) und den Trainingsplätzen östlich der Keba mithilfe von zwei Schranken durchgesetzt.

Einsatz der Jugendfeuerwehr?

Offenbar hat der Gemeinderat nun eine Lösung gefunden: An zwei Orten im Brügglifeld-Quartier wurden in den letzten Wochen Schranken montiert, die die Strasse bei Bedarf sperren. Sie stehen beim Weiherweg (Nähe Brügglifeldweg) und bei der Brücke zwischen Rosenweg und Bachstrasse).

Während Matches des FC Aarau werde es künftig ein geleitetes Verkehrsregime geben, bestätigt der zuständige Suhrer Gemeinderat Thomas Baumann auf Anfrage der AZ. Umgesetzt werde das neue Regime mit den Schranken und mit professionellem Security-Personal, das kontrolliert, wer zufahren darf und wer nicht. Dies sei ein wichtiges Anliegen der Begleitgruppe gewesen, die die Situation rund um Brügglifeld und Keba verbessern soll, so Baumann.

Ziel der Begleitgruppe (Anwohner, Vertreter Sportanlagen und Vereine, Behörden Suhr und Aarau) sei es, «von allen Interessengruppen getragene Lösungen für die Zukunft im Gebiet Brügglifeld zu erarbeiten». Die Rückmeldungen nach den ersten Einsätzen der Verkehrs-Massnahmen seien sehr positiv. «Der Gemeinderat Suhr ist erfreut über die konstruktive Zusammenarbeit der Begleitgruppe und möchte sich dafür bedanken», so Baumann.