Oberentfelden
Neues Bürsten-Museum zeigt künstliche Skipiste mit Borsten und Skilift

Das Industriemuseum auf dem ehemaligen Walther-Areal in Oberentfelden öffnete erstmals seine Türen. Zu sehen sind Bürsten aller Art – von Militär- bis Pferdebürsten.

Peter Weingartner
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Ausschnitt aus der Ausstellung: Christian Heilmann im Element.

Ausschnitt aus der Ausstellung: Christian Heilmann im Element.

Peter Weingartner

Handwerk, Kunst und mittendrin ein Industriemuseum: Am «Open Bürsti» herrschte Gewerbeausstellungs-Stimmung. Einer hatte besonders Grund zur Freude. Christian Heilmann eröffnete, vorwiegend mit Objekten und Dokumenten der Bürstenfabrik Walther, das Industriemuseum. Er und sein Team (Ruth Huwiler-Leu, Rosina Berger und Jörg Oberle) haben ein Jahr lang aufgeräumt, ausgeräumt, entstaubt, dokumentiert, recherchiert, geordnet.

Im Museum sind Bürsten aller Art zu sehen: Militär-, Zentralheizungs-, Schreibmaschinen-, Badewannen-, Frottier-, Vieh- und Pferdebürsten. Powerpoint-Präsentationen und laminierte Informationskarten bieten Hintergrundinformationen. Welches ist des pensionierten Bibliothekars und Familienforschers Lieblingsobjekt? Heilmann mag das Skurrile: Walthers künstliche Skipiste mit Borsten und Skilift, die 1961 in Bern gezeigt und benützt wurde.

Die Breite der Palette erstaunt: Walther machte auch Knöpfe, Spiegel, Blocher, Flaumer. Im Gang steht der Prototyp einer Schuhputzmaschine. «Einen solchen hatten wir auch», sagt eine Frau zu einem schweren Blocher. Und daneben steht eine Grossflasche «Super-Shampoo».

Christian Heilmann möchte noch mehr über die Belegschaft erfahren: Wer hat da gearbeitet? Da kommt Frank Hunziker (79), ehemaliger Werkstattchef, mit alten Fotos aus dem Betrieb samt Stereoskop, das die Bilder dreidimensional erscheinen lässt. Hunziker, 1950 Lehrling bei Walther, vermacht beides gleich dem Museum. So läuft das zu Heilmanns Freude. Ein Kleinod sind die Handskizzen für ein Logo, das gleich daneben zu sehen ist. Noch ist nicht alles aufgearbeitet: Filme harren der Bearbeitung. Neben der Dauerausstellung möchte Heilmann Sonderausstellungen machen zu Themen wie Ammann-Schuhfabrik, Wattefabrik, Energie, Familienforschung.

«Unsere Genossenschaft ist ein Erfolgsmodell», sagt Angelo De Moliner, Präsident der Genossenschaft Alte Bürsti. Die Zahlen geben ihm recht: Bei der Gründung vor einem Jahr waren es 25, nun sind es 62 Genossenschafter. Zehn neue Arbeitsplätze sind geschaffen worden. Ein grösserer Raum sei noch frei; für kleinere gebe es Wartelisten, sagt De Moliner. Dabei mussten die ehemaligen Mieter der Industriebauten für die Übernahme der Liegenschaft im Baurecht kämpfen. Eine Überbauung konnte abgewendet werden.

So verwinkelt wie die Gänge der Gebäude und so unterschiedlich wie die Räume, so unterschiedlich setzt sich die Genossenschaft zusammen. Da hat der Schlosser ebenso seinen Platz wie der verspielte Künstler. Metallbauer Peter Kurt ist seit 18 Jahren eingemietet. «Wir ergänzen einander», sagt er. Wenn er den Steinmetz oder den Schreiner brauche, finde er ihn hier. Und benötigt jemand Schrauben, könne er dienen. «Mit der Genossenschaft ist der Zusammenhalt grösser geworden», sagt Hermine Schweizer, die seit 2006 da ihr Nähatelier betreibt. Und nicht zuletzt tragen Kulturvereine verschiedenster Nationen, ein Konzertlokal und der Jugendtreff der Gemeinde zu einem bunten Mix bei.

Öffnungszeiten des Museums: mittwochs und samstags 14 bis 17 Uhr vom 1. April bis 30. Oktober oder nach Vereinbarung (admin@oberentfeldenmuseum.ch).