Aarau
Neuer WSB-Bahnhof: Knapper Platz als Herausforderung

Der neue WSB-Bahnhof an der Hinteren Bahnhofstrasse in Aarau wird inmitten unverminderter Verkehrsströme gebaut. Jetzt liegt das Konzept für den Neubau auf dem Tisch. Gegen 70 Millionen Franken soll das Projekt kosten.

Ueli Wild
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Ein Riesenkomplex soll in den nächsten rund vier Jahren auf der schmalen Insel zwischen den SBB- und den WSB-Gleisen realisiert werden. (Visualisierung)

Ein Riesenkomplex soll in den nächsten rund vier Jahren auf der schmalen Insel zwischen den SBB- und den WSB-Gleisen realisiert werden. (Visualisierung)

© 2014 nightnurse images, Zürich

Seit letztem Freitag liegt im städtischen Rathaus das Baugesuch für den Neubau des WSB-Bahnhofs an der Hinteren Bahnhofstrasse öffentlich auf. Seit rund zwei Wochen schon machen die Bauprofile die Dimension des gegen 70 Millionen Franken kostenden Projekts der Baugesellschaft Bahnhof Süd (WSB AG und Metro Immobilien AG, Aarau) deutlich.

70

Millionen Franken wird das Grossprojekt von WSB und Metro Immobilien AG an der Hinteren Bahnhofstrasse ungefähr kosten.

Vorgesehen sind zwei 26 respektive 30 Meter hohe Büro- und Wohngebäude, welche unter anderem als Hauptsitz der fusionierten Bahnunternehmung (BDWM und WSB) dienen und auch die Betriebsleitstelle, die Verkaufsstelle sowie die Wartebereiche beherbergen soll. Im Erdgeschoss und im ersten Untergeschoss werden Läden und Restaurants integriert.

Mit der Fertigstellung des von der Armon Semadeni Architekten GmbH, Zürich, geplanten Komplexes «Malcolm», der quasi das Gegenstück zum SBB-Bahnhof auf der Nordseite der Gleise bilden soll, wird laut einer Medienmitteilung der Wynental-Suhrental-Bahn Mitte 2022 gerechnet.

Kanalisationsleitungen umlegen

Die Bauherrschaft hofft, nach Vorliegen der Baubewilligung Mitte dieses Jahres ans Werk gehen zu können. Die Gebäude mit den Adressen Hintere Bahnhofstrasse 38, 40, 42 und 48 werden abgerissen. Für die Hintere Bahnhofstrasse sollte dieser Rückbau keine Folgen haben. Noch vor dem Bauaushub müssen Kanalisationsleitungen umgelegt werden. Aufgrund der Personenströme können diese Arbeiten nur nachts ausgeführt werden und die Gräben sind nach Arbeitsende täglich niveaugleich abzudecken.

Meyersche Stollen: Beschädigung nicht ausgeschlossen

Schon im Zusammenhang mit dem Gestaltungsplan Bahnhof Süd (Teilperimeter Ost) waren die industriegeschichtlich bedeutenden Meyerschen Stollen, die unter dem Areal verlaufen, ein Thema. «Mit der Beschränkung auf maximal zwei Untergeschosse im Baufeld West», heisst es dazu etwa im Vorprüfungsbericht des Kantons, «können die Stollen erhalten werden.»

In den Sondernutzungsvorschriften steht, die Stollen seien nach Möglichkeit zu erhalten, der Wasserdurchfluss sei in jedem Fall zu gewährleisten. Dem Baugesuch liegt nun ein separates «Konzept Meyerstollen» bei, aus dem hervorgeht, dass die Oberkante des Deckengewölbes (Kalotte) beim Weststollen rund 80 Zentimeter unter der Unterkante der Bodenplatte der öffentlichen Tiefgarage im zweiten Untergeschoss zu liegen kommt.

Beim Oststollen liegt die Oberkante der Kalotte an der Unterkante der Bodenplatte. Die Kalotte soll hier bis zur Aushärtung der Bodenplatte mit einer Brett-Schalung gesichert werden. Trotz aller Sicherheitsmassnahmen und trotz sorgfältiger Planung, heisst es im Konzept, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Stollen etwa durch Erschütterungen oder menschliches Versagen beschädigt würden.

Sprich: dass die Sandsteindecke einbricht. Bereits am Freitag haben Vertreter der IG Meyersche Stollen und des Aargauer Heimatschutzes die Unterlagen studiert, die bis zum 26. Februar im Stadtbüro öffentlich aufliegen. (uw)

Der Bahnbetrieb soll während der ganzen drei bis vier Jahre dauernden Bauzeit gewährleistet sein. Die Anforderungen des Bahnbetriebs lassen es bei dieser Vorgabe nicht zu, die Gleise 11 und 12 gleichzeitig ausser Betrieb zu setzen. Auch die Hintere Bahnhofstrasse muss – als einzige Zufahrtsachse für den Baustellenverkehr – auf einer Breite von 6,6 Metern offen bleiben.

Auf Umwegen bis zum «Frohsinn»

Ein wenig komplizierter wird es für den Fussgängerverkehr: Während der Bauzeit wird es zwar im Normalfall möglich sein, durch die Bahnhofunterführung Ost die Bleichematt- und die Frey-Herosé-Strasse zu erreichen, hingegen wird die Hintere Bahnhofstrasse im Baustellenbereich für Fussgänger gesperrt sein. Der bisherige Treppenaufgang zum alten WSB-Bahnhof, der abgerissen wird, entfällt. Via SBB-Personenunterführung West wird es weiterhin möglich sein, zum westlichen Abschnitt der Hinteren Bahnhofstrasse zu gelangen.

Den östlichen Abschnitt erreicht man von der Bahnhofunterführung Ost und von der Bachstrasse her über die Bleichematt- strasse und den Luxweg, den privaten Fussweg entlang dem Swissgrid-Komplex. Östlich des Restaurants Frohsinn mündet die Route wieder in die Hintere Bahnhofstrasse. An der Bleichemattstrasse, zwischen dem Abgang zur Unterführung und dem kantonalen Pass- und Patentamt, wird sich für rund drei Jahre das Provisorium der WSB-Verkaufsstelle befinden.

Gestaffelter Bau der zwei Gebäude

Aufgrund der engen Platzverhältnisse im Baustellenbereich erfolgt der Bau der beiden Gebäude gestaffelt: Zuerst erfolgen der Aushub und der Rohbau West. Während dieser Zeit steht der östliche Teil des Baufeldes als Umschlagplatz zur Verfügung.

Ist der Rohbau West erstellt, erfolgt der Aushub Ost mit anschliessender Realisierung des Rohbaus Ost. Der Umschlagplatz muss nun nach Westen verlegt werden. Allerdings ist hier, zumal der Rohbau West schon steht, der Platz dafür ausserordentlich limitiert.

Die fünf Bauphasen im Detail

Der Bauablauf gliedert sich gemäss den Baugesuchunterlagen in fünf Phasen.

  • Phase 1 (Dauer rund 6 Monate): West: Bauabschrankung, Umleitung des Personenflusses, Leitungsumlegungen, Abbrucharbeiten. Ost: Umzug der WSB-Leitstelle und Verkaufsstelle ins Provisorium, Bauabschrankung, Umleitung des Personenflusses, Leitungsumlegungen, Abbrucharbeiten.
  • Phase 2 (Dauer rund 7 Monate): West: Rühlwand (Baugrubenverbau), etappenweiser Aushub, Leitungsumlegungen, Unterfangung Unterführung. Ost: Installations- und Umschlagplatz, Vorbereitungsarbeiten, Leitungsumlegungen, Vorarbeiten, Relaisraum.
  • Phase 3 (Dauer rund 5 Monate): West: Rohbau bis Decke über Erdgeschoss, Leitungsumlegungen. Ost: Installations- und Umschlagplatz, Vorbereitungsarbeiten, Leitungsumlegungen, Vorarbeiten Relaisraum.
  • Phase 4 (Dauer rund 6 Monate): West: Rohbau Obergeschosse. Ost: Rühlwand und etappenweiser Aushub, Leitungsumlegungen, Unterfangung Unterführung.
  • Phase 5 (Dauer rund 5 Monate): West: Ende Rohbau, Start Rohbau, Baumeisterarbeiten.