Aarau

Neuer Taubenschlag geplant: Im Rathaus bekommen sie Vögel

Der Taubenschlag kommt ins Dachgeschoss des mintgrünen Hauses (Zollrain 7).

Obwohl sich die Population verkleinert hat, sind die Tauben in der Aarauer Altstadt noch immer eine Plage.

Seit rund 12 Jahren gibt es im Dachgeschoss der Ludothek am Aarauer Graben einen Taubenschlag. Rund 70 bis 80 Tiere haben dort Platz. Nach dem gleichen Vorbild soll nun ein weiterer Taubenschlag gebaut werden – im Rathaus. Und zwar in zwei Lagerräumen mit Lukarne in Richtung Zollrain.

Dass die Stadtverwaltung gefiederten Zuwachs bekommt, hat mit ihrer Kampfansage gegen die Taubenplage zu tun: Die Tiere vermehren sich rasant und verkoten besonders in der Altstadt zahlreiche Wohnliegenschaften, Mobiliar und öffentliche Plätze.

Als sich 2015 verzweifelte Altstadtbewohner in einem Schreiben an die Stadt wandten, beschloss diese ein verschärftes «Taubenmanagement». Man zog den Oltner Taubenexperten Giuseppe Graziano zu Rat.

Es folgen Sensibilisierungskampagnen, die darauf abzielen, dass die Tauben nicht gefüttert werden – das lässt die Population nämlich unkontrolliert grösser werden. Und: Im Taubenschlag werden nicht nur alte und kranke Tiere aussortiert; der Taubenexperte ersetzt dort auch die echten Eier durch solche aus Gips.

Das zeigt offenbar Wirkung: «Seit der professionellen Betreuung des bestehenden Taubenschlags durch Giuseppe Graziano konnte die Taubenpopulation bereits massiv reduziert werden», schreibt die städtische Kommunikationsstelle auf Anfrage.

Konkrete Zahlen gebe es nicht, aber Schätzungen: Der Bestand soll sich von rund 5000 Tauben auf etwa 2500 halbiert haben.

Das klingt nach viel. Aber eigentlich peilt Aarau einen Bestand von etwa 300 Tauben an. «Es braucht Zeit und Geduld, aber der Anfang ist gemacht», heisst es weiter von der Stadt» Und: «Für die Erreichung des Ziels – eine kleine und gesunde Stadttaubenpopulation – ist ein weiterer Taubenschlag notwendig.»

Diesen hatte die Stadt bereits 2015 angekündigt, es sei aber schwierig, einen Platz dafür zu finden, hiess es damals.

Die Ehgräben sind ein Taubenparadies

Lästige Tauben gibt es in jeder Stadt – in Aarau finden sie aber ganz besondere Plätzchen: die Ehgräben. In solche Gräben zwischen den Häusern wurden früher – im Mittelalter – Abfälle und Unrat gekippt.

Heute finden die Tauben hier ein ruhiges und geschütztes Plätzchen. Die Tauben, die dort brüten, werden nicht von Feinden gestört. Füchse, Hunde und Katzen können nicht hinein. Und so geht die Vermehrung weiter.

Der Taubenschlag am Graben wurde 2016 erweitert. Man hofft nun, mit dem zweiten Taubenhotel die Population noch weiter eindämmen zu können. Gemäss Baugesuch, das bis zum 21. Oktober im Stadtbüro aufliegt, kostet das die Steuerzahler 15 000 Franken. Projektverfasser ist das Aarauer Architekturbüro Kim Strebel Architekten.

Zunächst werden die beiden Räume durch Entfernen einer Trennwand zu einem grossen Raum zusammengelegt. Auf den bestehenden Böden wird neu eine Balkenlage aus Holz in einer Höhe von 1,8 Metern verlegt.

Darüber kommt ein Holzlattenrost; an die Wände werden Holzwerkstoffplatten montiert. Für die taubentaugliche Innenausstattung sei der Taubenwart-Experte zuständig, so das Baugesuch. Eine Lukarne wird mit einem Taubeneinflug aus Metal und Holz ausgestattet.

Die Aarauer Altstadt in Bildern:

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