Aarau
Neuer Stadtpräsident gesucht – nach einem Vierteljahrhundert Guignard

Die Parteien müssen sich langsam Gedanken machen, wen sie in den Wahlkampf um den Posten des Aarauer Stadtammans schicken: Ab 2014 findet die Ära Marcel Guignard ein Ende.

Thomas Röthlin
Drucken
Teilen

Mitten in der kommunalen Legislatur 2010–13 ist in den Aargauer Gemeinden jetzt Halbzeit zwischen zwei Wahlkämpfen für die Gesamterneuerungswahlen. Im September 2013 werden die Gemeinderäte für die vierjährige Amtsperiode ab 2014 neu bestimmt. In Aarau geht zu diesem Zeitpunkt die Ära Guignard zu Ende: Der freisinnige Stadtammann tritt nach einem Vierteljahrhundert ab. Versprach er jedenfalls im Wahlkampf vor zwei Jahren.

Marcel Guignard, Jahrgang 1949 und seit 1988 im Amt, hat viele Stadträtinnen und Stadträte kommen und gehen sehen. Einige haben ihn herausgefordert – vergeblich. Beim letzten Versuch, imSeptember 2009, scheiterten sowohl der damalige Vizeammann Beat Blattner als auch Stadtrat Michael Ganz klar und deutlich: Guignard holte 1125 Stimmen mehr als beide zusammen.

Wählerstarke SP wird antreten

Doch wen wählen jene 22 Prozent der Aarauer Stimmberechtigten zum neuen Stadtammann oder dannzumal vielleicht «Stadtpräsidenten», wenn Guignard nicht mehr zur Verfügung steht? Eine Umfrage der az Aargauer Zeitung bei den Stadtparteien fördert noch keine Namen zutage. «Wir werden uns erst in einem Jahr konkret äussern können», schreibt Ueli Hertig von Pro Aarau. Auch für Marc Dübendorfer kam die Anfrage verfrüht. «Nur so viel: Wir beschäftigen uns mit dem Thema...»

Für Christoph Schmid von der SP steht fest: «Als diejenige Partei, welche bei den letzten Wahlen im Wahlkreis Aarau die wählerstärkste Partei geworden ist, erheben wir wie bei den letzten Gesamterneuerungswahlen den Anspruch auf das Stadtammannamt und werden antreten.» Die Unterstützung der Grünen haben die Sozialdemokraten auf sicher, wie Micha Siegrist ausführt: «Bei den Stadtammannwahlen werden die Grünen eine linke Kandidatur mittragen.»

Die Grünliberalen des Bezirks Aarau wohl kaum, auch wenn sie gemäss Marc Aurel Hunziker «nicht davor zurückschrecken, eine ausführliche Empfehlung auszusprechen». Zurückhaltend ist die EVP. Therese Dietiker: «Hätten wir ein Parteimitglied, das sich für dieses Amt interessieren würde, wäre sein Name wahrscheinlich bereits gefallen.»

Stadträte mit und ohne Chancen

Ein Name, der im Zusammenhang mit dem neuen Aarauer Exekutivchef herumgereicht werden wird, ist jener von Lukas Pfisterer. Wünschen die Aarauerinnen und Aarauer mehrheitlich Kontinutität im Rathaus, hat Pfisterer mehr als intakte Wahlchancen. Er ist wie Guignard Dr. iur. und in der FDP, kennt den Laden als Stadtrat seit 2006 und die Politik aus dem Elternhaus: Vater Thomas Pfisterer war Oberrichter, Bundesrichter, Regierungsrat und Ständerat.

Die gleiche Generation, aber ein anderes Aarau repräsentiert Michael Ganz. Auch er, Clubbetreiber und Mitglied des urbanen Sammelbeckens Pro Aarau, trat nach acht Jahren im Stadtrat erstmals als Ammannkandidat an. Ein zweiter Versuch ist nicht ausgeschlossen. Es sei denn, die progressive Gruppierung portiert lieber eine Frau, zum Beispiel die amtierende Einwohnerratspräsidentin Angelica Cavegn Leitner.

Beim zweiten Herausforderer von 2009 ist eine erneute Kandidatur fraglicher. Wäre Beat Blattner, der bereits seit 1996 im Stadtrat sitzt und das Vizeammannamt seinem Wunsch nach noch höheren Weihen opferte, das richtige Zugpferd für die SP? Seine Rats- und Parteikollegin Jolanda Urech hat bisher zwar nie Ambitionen geäussert. «Nur» Präsidentin der Maienzugkommission zu bleiben, braucht Urech deshalb noch lange nicht.

Bei den restlichen beiden Stadtratsmitgliedern ist nicht von einer erfolgversprechenden Kandidatur auszugehen. Carlo Mettauer (CVP) benötigte bereits fürs Vizeammannamt zwei Anläufe, seine Projekte (Mantelnutzung Fussballstadion Torfeld Süd, Umnutzung alte Reithalle zum Theaterhaus Oxer) werfen keine Vorschusslorbeeren ab.

Und Regina Jäggi vertritt zwar neu den Ortsteil Rohr, wo sie lange Jahre Gemeindeammann war, und die SVP wieder in der siebenköpfigen Stadtregierung. Aber während die Rohrer zufrieden sein dürften, könnten sich die SVPler, grosse Gewinner der letzten Einwohnerratswahlen, wohl gut ein zweites Parteimitglied im Stadtrat vorstellen – und für dessen Vorsitz brauchte es erst recht eine
Powerfrau oder einen Powermann. Einen vom Schlag Marc Dübendorfers etwa, Einwohnerrats-Vizepräsident.

Vielleicht bald zwei Aarau-CEOs

Manche mögen sich einen Quereinsteiger wünschen. Oder zumindest keinen Juristen, keine Lehrerin. Aber auch keinen chancenlosen Lebenskünstler, sondern etwa einen Unternehmer. Der Stadtpräsident ist schliesslich oberster Manager der kommunalen Verwaltung.

Aarau-CEOs gibts in Zukunft vielleicht aber auch mehrere: Dann nämlich, wenn die hängige Motion «Stadtratsstruktur und -zuständigkeit» so umgesetzt wird, dass das heutige System mit einem vollamtlichen Stadtpräsidenten und sechs Teilzeit-Stadträten abgelöst wird. Sämtliche Einwohnerratsfraktionen haben den Stadtrat beauftragt, zur «Optimierung der Führungs- und Verwaltungsarbeit (...) verschiedene Varianten» prüfen zu lassen. Und zwar so, dass ein allfälliges neues Modell per 1. Januar 2014 in Kraft gesetzt werden könnte.

Marcel Guignard versprach letzthin im Parlament, ein entsprechender Antrag liege bald vor. Ein untrügliches Zeichen, dass ein möglicher Systemwechsel in Aaraus Regierung den amtierenden Stadtammann nicht mehr betreffen wird.

Aktuelle Nachrichten