Küttigen

Neuer Postauto-Chef: Darum liebt er Rombach

Daniel Wehrli, Christian Plüss und Tobias Leuthard (v. l.)

Daniel Wehrli, Christian Plüss und Tobias Leuthard (v. l.)

Am Küttiger Neujahrsapéro berichtete Christian Plüss über seine Tätigkeit als Krisenmanager.

Ausserhalb der engeren Nachbarschaft hat kaum jemand bemerkt, dass im letzten Frühling ein Topmanager eines bundeseigenen Betriebs mit fast 60000 Angestellten in den Raum Aarau gezügelt ist. Der Geophysiker Christian Plüss, 57, war bis im Herbst 2018 in der Konzernleitung von Alpiq etwa für Flusskraftwerke und Stauseen zuständig. Er war Leiter Hydro Power Generation. Davor amtete er als Chef von Meteo Schweiz.

Seit dem November 2018 hat Plüss den wohl anspruchsvollsten Job seiner beruflichen Karriere: Er muss die durch einen Subventionsskandal durchgeschüttelte Postauto AG (4500 Angestellte) wieder in die Spur bringen. In dieser Funktion ist er Mitglied der Konzernleitung der Post.

«Alle haben versucht, das Bestmögliche zu machen»

Christian Plüss war gestern Abend Referent am Neujahrsapéro von Küttigen, der unter der Leitung von Grossrat Daniel Wehrli von der SVP organisiert worden ist. Die Familie Plüss ist im April, von Uster ZH kommend, in einen Neubau gezogen. Primär aus rationalen Gründen.

An Rombach schätzt Plüss die Nähe zum Bahnhof Aarau («in Velodistanz») und an Aarau die zentrale Lage innerhalb der Schweiz. Er arbeitet in Bern, seine Frau im Kanton Zürich, die beiden Kinder studieren in Genf und Zürich. Plüss fühlt sich in Küttigen sehr gut aufgenommen: «Wir haben tolle Nachbarn.»

Die Postauto AG hatte ihre Buchhaltung so manipuliert, dass die Kosten zu hoch waren und entsprechend zu viele Subventionen geflossen sind. Nach dem Auffliegen des Skandals war das Vertrauen am Boden, die meisten Führungsverantwortlichen mussten gehen. «Wir starteten neu», so Plüss. «Meine wichtigste Aufgabe war es, das Vertrauen wieder herzustellen.»

Dabei habe er unter anderem alle 24 Kantone besucht. Diese hatten Ende 2018 insgesamt gut 200 Millionen Franken an Subventionen zurückerhalten. Plüss wand den Mitarbeitern ein Kränzchen: «Alle haben immer versucht, das Bestmögliche zu machen, und waren sehr loyal.» Das sei eine Stärke des Unternehmens und mit ein Grund, dass die Kundenzufriedenheit gemäss neuesten Umfragen nicht gelitten habe.

Nach dem Jahr der Krisenbewältigung hofft Plüss jetzt, 2020, in den Courant normal zurückzufinden. Die Herausforderungen bleiben gross: Etwa wegen des Kostendrucks. «Ich persönlich finde den Öffentlichen Verkehr relativ teuer. Wir müssen die Kosten angehen», so Plüss. Im Jura droht die Postauto AG einen ganzen Kanton als Kunden zu verlieren. 150 Stellen wären betroffen.

«In Küttigen geht das Wachstum weiter»

Gemeindeammann Tobias Leuthard wies in seiner Begrüssung auf das starke Wachstum von Küttigen in den letzten zehn Jahren hin: von 5600 auf 6300 Einwohner. «Und es wird so weitergehen», so Leuthard. Es seien Wohnprojekte für 600 bis 700 Personen in der Pipeline.

Küttigen sei eine finanziell prosperierende Gemeinde. Aber es gebe Herausforderungen. Etwa: «Wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen, was der ‹Zukunftsraum› macht.» Das Dorf müsse sich überlegen, wie es sich positionieren wolle.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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