Aarau
Neuer «Oxer»-Leiter: «Das Haus muss funktionieren»

Marco Läuchli soll das Aarauer Theaterhaus Oxer in der Alten Reithalle zum Erfolg führen. Er spricht von einer grossen Herausforderung.

Sabine Kuster
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Marco Läuchli: «Es scheint nicht so zu sein, dass das Publikum wegstirbt.»

Marco Läuchli: «Es scheint nicht so zu sein, dass das Publikum wegstirbt.»

zvg

Marco Läuchli

Läuchli hat eine fundierte Erfahrung im Bereich Theater und Tanz. So war er während zehn Jahren Dramaturg am Schauspielhaus Zürich. Er baute die Kulturstiftung des Kantons Thurgau auf und war im Stiftungsrat von Pro Helvetia. An der Expo.02 organisierte er die deutschsprachigen Kantonsstage. Heute ist er Präsident des Tanzhauses Zürich.

An Läuchli ist es nun, die verschiedenen Bedürfnisse abzuklären und in Einklang miteinander zu bringen. Die Hülle dafür, die alte Reithalle, muss flexibel genug bleiben – das ist die Herausforderung. Dennoch soll der Umbau statt wie geplant 20 nur noch 16 Millionen Franken kosten.

Herr Läuchli, wie optimistisch sind Sie, dass der «Oxer» gelingt?

Marco Läuchli: Ich kann nicht sagen, wie es rauskommt. Die Herausforderung ist gross. Die Situation im Theater allgemein hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Die vergleichbaren grossen Theater- und Kulturhäuser in der Schweiz sind in einer Zeit entstanden, wo es noch kein Überangebot wie heute gab. Es war damals wesentlich einfacher, diese zu füllen.

Die Leute gehen heute also nicht weniger ins Theater?

Nein, es gibt sogar Indizien, wie eine kürzlich durchgeführte Untersuchung ergeben hat, dass heute mehr Leute ins Theater gehen als früher. Es scheint nicht so zu sein, dass das Publikum wegstirbt. Bloss wird viel mehr produziert, was unter anderem mit einer viel breiteren Förderung zu tun hat.

Was meinen Sie damit?

Die Kultur-Förderstellen tun sich schwer mit der Selektion. Es braucht heute mehr Mut, aufgrund qualitativer Kriterien zu entscheiden, da sich die Meinung immer mehr durchgesetzt hat, dass Qualität bloss Geschmacksache sei.

Was bedeutet das für den «Oxer»?

Ich bin gespannt auf die einzelnen Nutzer, auf ihre Prognosen bezüglich der Anzahl Vorstellungen und Zuschauer. Man muss prüfen, ob die Erwartungen ans Publikum realistisch sind. Das wird mein Job sein.

Also lautet das Motto: Weniger ist mehr?

Jein. Zumindest muss vermieden werden, dass auf einer Tribüne, die für 300 bis 400 Leute Platz hat, wie sie in der Reithalle stehen soll, Vorführungen für nur vierzig Leuten stattfinden. Leere Theater sind deprimierend. Für solch kleine Produktionen muss eine einfache, kostengünstige Lösung gefunden werden, den Raum anzupassen.

Die Stadt will für die Betriebskosten die bisherigen Ausgaben im Bereich Theater von jährlich 650 000 Franken nicht erhöhen. Das Kuratorium hatte einst 850 000 vorgesehen, muss jedoch sparen. Ein Problem?

Ja. Denn momentan ist kein zusätzliches Geld für die Produktionskosten vorgesehen. Der technische Standard für die Produktionen ist aber gestiegen. Mit gleich viel Geld, wie die Stadt bisher bezahlt, in einem grossen Haus zu produzieren, in dem man ständig für die verschiedenen Produktionen umbauen muss – das wird schwierig. Wenn ich das Gefühl bekomme, das geht nicht auf, muss man das Projekt überdenken. Denn das Haus muss funktionieren, es gibt genug andere in der Schweiz, die sich mit dem Budget und der Auslastung schwer tun.

Wenn das Argovia Philharmonic Orchester ebenfalls in die Reithalle kommt, bedeutet das laut Stadtrat Hans-Peter Hilfiker immerhin ein zusätzlicher Mit-Finanzierer. Das Orchester hat momentan ein Budget von über einer Million.

Ich finde es grossartig, dass die Stadt und der Kanton den Versuch wagen, einen neuen Weg einzuschlagen. Ich freue mich deswegen sehr darauf, dieses neue Konzept aufgleisen zu dürfen.

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