Am Freitag beginnt die Mitwirkung zum Gestaltungsplan Torfeld Süd. Das Quartier mit bis zu 1200 Bewohnern soll zwei Abteilungen Kindergärten, drei Abteilungen schulergänzende Betreuung und ein Gemeinschaftszentrum erhalten. Zudem strebt der Stadtrat in den vier Hochhäusern 20 Prozent gemeinnützigen Wohnungsbau an.

So soll das Stadion aussehen.

So soll das Stadion aussehen.

Herr Thür, was hat sich verändert, seit das Projekt letztmals vorgestellt wurde?
Hanspeter Thür: Einiges. Weil wir jetzt im neuen Gestaltungsplan nicht mehr eine Mantelnutzung mit einem Einkaufszentrum, sondern mit einer Wohnnutzung haben, gab es neue Themen bei der Erarbeitung des Gestaltungsplans. Beispielsweise: Wie ist es punkto Verkehr, punkto soziale Durchmischung, punkto Infrastruktur usw.?

Konkret?
Wir haben etwa geprüft, was für Auswirkungen der Bau der Wohntürme in Bezug auf Kitas, Kindergärten und Schulen hat.

Und?
Es wird Raum für zwei Abteilungen Kindergarten und drei Abteilungen schulergänzende Tagesstrukturen brauchen. Im Gestaltungsplan wird der entsprechende Raumbedarf definiert.

Und die Schule?
Wir haben die Situation mit der Kreisschule Aarau-Buchs analysiert. Wir gehen davon aus, dass es in diesem Raum unabhängig vom Torfeld Süd einen Bedarf gibt, der aber hier nicht realisiert werden kann. Wir haben mögliche Standorte angeschaut – koordiniert mit der generellen Schulraumplanung. Mögliche Standorte wären der Schlachthof im Torfeld Nord, die Schulanlage Suhrenmatte in Buchs oder die ehemalige Postgarage in der Telli.

Gibt es im neuen Quartier auch ein Gemeinschaftszentrum?
Wir haben der Bauherrin HRS nahegelegt, das positive Beispiel Telli zu studieren. Wir verlangen im Gestaltungsplan, dass Räume für ein Gemeinschaftszentrum freigehalten werden. Wir gehen von einem Raumbedarf von 450 Quadratmetern aus.

Mit wie vielen Bewohnern rechnen Sie?
Mit 1000 bis 1200 Personen. Es gilt zu beachten, dass der Wohnungsmix noch nicht im Detail festgelegt ist und die Realisierung der vier Türme wohl in Etappen erfolgen wird.

Wie ist es mit der Forderung nach genossenschaftlichem Wohnungsbau?
Wir erwarten 20 Prozent gemeinnützigen Wohnungsbau. Aber nur, wenn ein Investor gefunden wird. Sollte die HRS nachweisen können, dass drei im Kanton ansässige Wohnbaugenossenschaften nicht bereit sind, einzusteigen, dann entfällt diese Auflage.

Abbrucharbeiten im Aarauer Torfeld Süd - hier sollen dereinst das Stadion und die vier Hochhäuser stehen

Abbrucharbeiten im Aarauer Torfeld Süd – hier sollen dereinst das Stadion und die vier Hochhäuser stehen

(Juli 2018)

Bisher gab es kaum Aussagen über die Freiräume.
Auch bezüglich der Aussenräume streben wir eine grosse städtebauliche Qualität an. Wir schreiben gegenüber früher mehr vor. Es gibt neu den Floragarten, den Oehlerplatz, den Stadionplatz und den Torfeldhof.

Und die Zufahrten?
Das Parkhaus wird sich aller Voraussicht nach unter dem Stadion befinden. Wie bisher vorgesehen gibt es eine Einfahrt in der Südwestecke des Areals, dort wo die Florastrasse und die Industriestrasse/Untere Torfeldstrasse aufeinandertreffen. Mittels Durchfahrtssperren wird verhindert, dass das Parkhaus über die Florastrasse oder die Untere Torfeldstrasse angefahren werden kann. Neu gibt es eine zusätzliche, gemeinsame Einfahrt mit dem Mobimo-Gelände in der Nordwestecke. Dank der zusätzlichen Einfahrt können von den rund 2300 Fahrten im Ostteil etwa 600 in den Nordwesten verlagert werden.

War nochmals eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig?
Ja, weil die Gesamtzahl der Parkplätze über 500 liegt. Die UVP liegt vor.

Wie viele Parkplätze wird es geben?
Wir gehen von einer autoreduzierten Wohnnutzung aus. Im Gestaltungsplan steht: Für die Wohnnutzung auf den vier Baufeldern ist das Parkplatzangebot auf 70 Prozent der nach kantonalen und kommunalen Vorschriften und Richtlinien zulässigen Anzahl Parkplätze zu reduzieren.

Das heisst?
Geplant sind Grössenordnung 800 Parkplätze. Davon sind etwa 100 dem Stadion zugewiesen. Aber die genaue Zahl der Parkplätze wird erst mit dem Baugesuch festgelegt. Sie hängt auch vom Wohnungsmix ab.

Zusammengefasst gesagt: Bisher war das, was im Torfeld Süd geplant ist, ein Stadion mit vier Hochhäusern. Neu ist es ein Quartier.
Ja. Das Ziel ist es, ein funktionierendes Quartier zu schaffen. Auch die Versorgung der Bewohner muss sichergestellt sein: kein Einkaufszentrum, sondern die Grundversorgung für das Quartier.

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions:

Reden wir über das Verfahren. Bei der Teilrevision Nutzungsplanung Stadion befinden wir uns in der Phase der Verhandlungen mit den Einwendern ...
Genau.

Morgen beginnt das Mitwirkungsverfahren zum Gestaltungsplan.
Daran kann sich jeder beteiligen – unabhängig von der Betroffenheit.

Am ursprünglichen Terminplan hat sich also nichts verändert?
Aber es ist nicht auszuschliessen, dass es noch Änderungen geben wird. Das hat mit der Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Stadt Aarau zu tun, die der Einwohnerrat am übernächsten Montag behandeln wird.

Wie bitte?
Wenn die BNO vom Einwohnerrat nicht verabschiedet, sondern mit einer Reihe von Änderungswünschen an den Stadtrat zurückgewiesen wird, braucht es voraussichtlich eine neue Auflage der BNO.

Was heisst das für die Teilrevision Stadion?
Wir werden, wie bereits angekündigt, unmittelbar nach der Rückweisung der BNO durch den Einwohnerrat eine Entkoppelung vornehmen: Die Teilrevision Stadion wird neu auf das Fundament der alten BNO gestellt.

Das bedeutet?
Es braucht nochmals eine Auflage – analog derjenigen, die bis zum 28. Mai stattfand. Dabei befürchten wir allerdings keine grossen zeitlichen Verzögerungen.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

(Herbst 2016)

Aber die Volksabstimmung über die Teilrevision Nutzungsplanung Stadion findet später statt ...
... möglicherweise wird sie dann nicht im Februar, sondern im Mai durchgeführt.

Wie weit sind die Verhandlungen über den Kaufvertrag für das Stadion mit der HRS fortgeschritten?
Da sind wir trotz der hohen Komplexität sehr gut unterwegs. Wir hoffen auf eine Unterzeichnung im September. Das rechtliche Konstrukt steht. Es geht unter anderem um die Beschreibung des Stadions – bis hin zu den Steckdosen in den einzelnen Räumen. Allerdings gibt es in einer ersten Phase erst einen Konzeptplan. Die Details werden dann im Herbst im Raumbuch definiert.

Grundsätzlich hat sich am Stadion nichts geändert?
Nein, wir bekommen immer noch ein superleague-taugliches Stadion mit 10 000 Zuschauerplätzen. Änderungen gab es einzig bei der Grösse und Anordnung einzelner Räume, beispielsweise der Garderoben.