Aarau

Neuer Einlauf: Aarewasser fliesst wieder frei in den Frey-Kanal in der Telli

Das Einlaufbauwerk, durch das der Frey-Kanal mit Aarewasser gespeist wird, ist fertig. Kel

Das Einlaufbauwerk, durch das der Frey-Kanal mit Aarewasser gespeist wird, ist fertig. Kel

Seit einigen Tagen fliesst das Aarewasser rechtsufrig unterhalb des Rüchlig-Wehrs durch das neue Einlaufbauwerk in den Frey-Kanal in der Telli. Naturschützer Jean-Richard ist skeptisch, da Fische den Schutz vor Raubvögeln verlieren.

Seit einigen Tagen fliesst das Aarewasser rechtsufrig unterhalb des Rüchlig-Wehrs durch das neue Einlaufbauwerk in den Frey-Kanal. Die Röhre, die bisher den Bach im Telli-Wald mit Wasser aus der alten Aare gespeist hat, wird verschlossen.

Dass der Bach, der in eine Röhre gebannt worden war, wieder geöffnet wird, gehört zu den vom Kanton geforderten ökologischen Ausgleichsmassnahmen, erklärt Christoph Tandler, bei der Axpo Gesamtprojektleiter der Kraftwerkerneuerung. Aus der alten Aare wird künftig kein Wasser mehr durch diese Leitung in den Frey-Kanal fliessen.

Aufrechterhalten bleibt allerdings der Zufluss aus dem Regenbecken als Überlauf bei sehr starken Regenfällen. Eine zweite provisorische Röhre war für die Zeit der Bauarbeiten am neuen Einlaufbauwerk gelegt worden. Diese ist gemäss Tandler vor anderthalb Monaten wieder entfernt worden. Das Wasser fliesst jetzt oberirdisch über den hundert Meter langen naturnah gestalteten Wasserlauf in den Kanal. Die Spaziergänger auf dem Uferweg überqueren ihn über eine Brücke.

Gemäss Tandler werden die Uferbereiche in den nächsten Wochen im Auftrag der Axpo von den Gartenbauarbeitern der Stadt bepflanzt, die auch später für den Unterhalt verantwortlich sein werden.

Wie Peter Jean-Richard vom Bachverein beobachtet hat, sind die Fische in den Röhren vor den gefrässigen Kormoranen in Deckung gegangen, mitunter auch die gefährdete Fischart der Nasen. Beim Rohraustritt habe es jeweils von Fischen nur so gewimmelt, sagt er. «Das Wasser war jeweils schwarz von Fischen». Jetzt ist er gespannt, ob die Fische den Raubvögeln stärker ausgesetzt sind.

Steinblöcke und Baumstämme

Christoph Tandler weist darauf hin, dass natürliche Hindernisse in das neue Gewässer gelegt worden sind, massive Steinblöcke und Baumstämme, die den Fischen Schutz bieten. Vorläufig fehlen noch überhängende Äste und Sträucher, unter denen sich die Fische in Sicherheit bringen könnten.

Immerhin haben sich die Kormorane vor einem Monat in ihre Brutgebiete an den grossen Seen im schweizerischen Mittelland, in Deutschland, Dänemark und den skandinavischen Ländern verzogen. Nur, im Herbst kehren sie wieder zurück. Peter Jean-Richard nimmt es vorläufig gelassen: «Mal sehen, was die Natur aus dem neuen Wasserlauf macht.»

Bereits seit Ende Jahr ist das neue Kraftwerk wieder ans Netz gegangen. «Die Generatoren laufen, wir produzieren Strom», sagt Tandler. In den nächsten zwei Monaten würden die Bauinstallationen und Baustellenzufahrten rückgebaut, die Umgebung des Kraftwerks wiederhergestellt und bepflanzt. Das Bauwerk soll der Bevölkerung am Samstag, 13. Juni, an einem Tag der offenen Türen gezeigt werden.

Mit dem Kraftwerk-Bau entstand nebst zwei neuen Fischaufstiegen erstmals auch ein Fischabstieg. So können Fische und andere Wassertiere die Anlage in beiden Richtungen überwinden. Diese Massnahme, zusätzliche biologische Ausgleichsprojekte und die deutlich erhöhte Restwassermenge werten das Konzessionsgebiet ökologisch auf.

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