Region Aarau
Neue Wohnungen immer beliebter, ältere Bauten bleiben leer

Eine gute Nachricht für alle, die eine Wohnung suchen: Der Wohnungsmarkt entwickelt sich immer mehr in Richtung zum Mieter- und Käufermarkt. In der Agglomeration Aarau-Lenzburg zogen besonders viele Mieter nach Hunzenschwil.

Urs Helbling
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In Buchs stehen 293 Wohnungen leer. Das ist kantonsweit Rekord.

In Buchs stehen 293 Wohnungen leer. Das ist kantonsweit Rekord.

Urs Helbling

Anfang Juni standen kantonsweit so viele Wohnungen leer wie noch nie: 7323 Wohnungen (az von gestern). Der Wermutstropfen: Viele leere Wohnungen heisst noch nicht viele verfügbare preisgünstige Wohnungen. Leere Wohnungen befinden sich tendenziell vor allem in Neubauten und sind entsprechend teuer.

Sechs Prozent weniger

Die az hat aufgrund der amtlichen Statistik zusammengerechnet, wie viele Wohnungen in der Agglomeration Aarau-Lenzburg am 1. Juni leer standen. Zur Agglomeration wurden in erster Nähe die beiden Städte sowie die Gemeinden Buchs, Suhr, Küttigen, Biberstein, Rupperswil, Niederlenz, Hunzenschwil, Schafisheim und Staufen gezählt.

In diesen elf Ortschaften standen insgesamt 958 Wohnungen und Einfamilienhäuser leer – 64 (6 Prozent) weniger als 2016, aber noch immer 107 mehr als vor zwei Jahren.

Weitet man den Agglomerationsbegriff aus und zählt die Gemeinden Gränichen sowie Unter- und Oberentfelden dazu, so steigt die Leerwohnungszahl auf 1369 (Vorjahr 1327).
Würden auf einen Chlapf alle 1369 leerstehenden Wohnungen der erweiterten Agglomeration gefüllt, so hätte das ein Bevölkerungswachstum von ungefähr 2500 Personen zur Folge.

Gewaltssprung in Hunzenschwil

Wie ist der Leerwohnungs-Rückgang in der Agglomeration Aarau-Lenzburg zu erklären? Vor allem mit der Entwicklung in Hunzenschwil. Während dort vor Jahresfrist 162 Wohnungen auf Mieter oder Käufer warteten, sind es jetzt nur noch 44. Entsprechend ist die Einwohnerzahl in der Gemeinde gestiegen: Ende 2016 lag sie bei 3961. Zwischenzeitlich ist die 4000er-Grenze überschritten. In Hunzenschwil waren gestern 4035 Personen gemeldet.

Das Beispiel Hunzenschwil zeigt, dass die Leerwohnungserhebung eine Momentaufnahme ist. So waren in Suhr Anfang Juni nur gerade 36 leere Wohnungen gemeldet. In einem Jahr, wenn dann die Neubauten beim Bahnhof bewohnbar sind, dürften es deutlich mehr sein.
Spannend ist die Entwicklung von Aarau:

Dort stieg die Zahl der unbenutzten Wohnungen und Häuser innert Jahresfrist von 144 auf 223 – plus 61 Prozent. Und eine Trendwende ist unwahrscheinlich. Etwa, weil nächstes Jahr im Aeschbachquartier und beim Bahnhof Aarau («Gleis 0») über 250 Wohnungen auf den Markt kommen. Was Grossüberbauungen für Auswirkungen haben können, zeigt sich am Beispiel Oberentfelden. Dort gibt es einen «Römerpark»-Effekt: neu 176 leere Wohnungen (letztes Jahr waren es erst 77). Einen vergleichsweise hohen Leerwohnungsbestand hat auch Kölliken: Mit 105 Einheiten ist er praktisch konstant (Vorjahr 1056).

Leere in Buchs und Gränichen

Zu ewigen Leeerwohnungs-Gemeinden scheinen sich Buchs und Gränichen zu entwickeln. Sie haben eine Art Sockel-Leerwohnungsbestand. Buchs ist aktuell diejenige Gemeinde mit den meisten Wohnungen, die auf Mieter warten: 293 leere Wohnungen. Vor einem Jahr waren es 285, im Jahr davor sogar 328.

Buchs hat Chancen, sich bis im Sommer 2018 zu verbessern. Der Bauboom ist am Abflachen. Zurzeit stehen in der Gemeinde nur noch vergleichsweise wenige Krane – und das für eher kleinere Häuser. In Gränichen stehen 206 Wohnungen leer. Nochmals mehr als im Vorjahr (197). Damit war in Gränichen etwa jede 20. Wohnung unbenutzt.

Mietermarkt in Lenzburg

In der Boomregion Lenzburg gab es – abgesehen von Hunzenschwil – vergleichsweise wenige Verschiebungen: In der Stadt Lenzburg stehen mit 164 Wohnungen minim weniger leer als im Vorjahr (169). Allerdings kommen auch dort in den kommenden Monaten noch weitere Neubauten auf den Markt.

Noch etwas länger wird es dauern, bis die Gebäude, die in diesen Monaten in Staufen hochgezogen werden, bezugsbereit sind. Anfang Juni standen dort 56 Wohnungen leer (Vorjahr 52) – davon 11 in Einfamilienhäusern. Leicht gestiegen ist der Leerwohnungsbestand auch in Rupperswil: plus 12 auf 76.

Massiver Anstieg im Wynental

Im Bezirk Kulm ist der Leerwohnungsbestand massiv nach oben gegangen. Alleine in den beiden Gemeinden Reinach und Menziken warteten anfang Juni 337 Wohnungen auf Mieter oder Käufer. Vor Jahresfrist waren es erst 191 – also plus 75 Prozent. In Menziken haben die Immobilienunternehmen 169 leere Wohnungen im Angebot (Vorjahr 107), in Reinach 168 (Vorjahr 84).

Ebenfalls keine Probleme haben Mieter, die mindestens durchschnittlich kaufkräftig sind und in Schöftland eine Wohnung suchen: Im Angebot sind in diesem Sommer 147 (Vorjahr 114)
Etwas schwieriger ist es für all diejenigen, die in eine steuergünstige Gemeinde ziehen möchten: In Meisterschwanden standen nur 26 Wohnungen leer – immerhin 12 mehr als letztes Jahr. Und in Seengen 36 (gleich viele wir 2016).