Angesichts der Präsenzliste hätte man nicht denken können, dass der Buchser Einwohnerrat gestern Abend über eines der wichtigsten Geschäfte der Legislatur zu entscheiden hatte. Von 40 Ratsmitgliedern waren 9 abwesend, auch ein Gemeinderat fehlte.

Immerhin fiel der Entscheid zur Bildung einer gemeinsamen Kreisschule «Aarau-Buchs» mit 23 Ja zu 9 Nein deutlich, wenn auch nicht ganz so deutlich wie im Aarauer Einwohnerrat am Montag. Nun gelangt die Vorlage im Mai in beiden Gemeinden an die Urne.

Föderalismus oder Zentralismus?

Opposition kam gestern von der Buchser SVP-Fraktion, die jedoch nicht geschlossen Nein sagte. «Muss man ein so kompliziertes Konstrukt aufbauen? Wollen wir Föderalismus oder Zentralismus?», fragte Hans Hartmann. Er bemängelte auch, dass die Lehrer «als wichtigste Stakeholder» nicht genug ernst genommen würden.»

– «Es ist eine harte Zeit für Visionäre», stellte Tobias Studinger (FDP) fest. Ihn störte, dass «es nach wie vor Leute gibt, die das Haar in der Suppe suchen», welches man sicher finde bei einem Projekt, das unterschiedliche Ansprüche auf einen Nenner bringen müsse. «Es darf nicht sein, dass die ganze Sache an Kleinigkeiten scheitert.» Auch CVP, EVP und SP sprachen sich klar für die Kreisschule aus.

Volk wählt Kreisschulrat

Die SP stellte – wie bereits ihre Aarauer Schwesterfraktion – den Antrag, die Kreisschulräte (Exekutive) seien durchs Volk zu wählen. Die Satzungen sahen eigentlich vor, sie durch die Einwohnerräte wählen zu lassen. «Der Kreisschulrat hat die Verantwortung für das Budget», sagte Dimitri Spiess (SP). «Seine breite demokratische Legitimität und Akzeptanz soll durch eine Volkswahl sichergestellt werden.»

In Aarau kam der SP-Antrag dank Stichentscheid der Ratspräsidentin knapp durch, in Buchs gab es nur eine Gegenstimme. Auf den Punkt brachte es Beat Spiess (FDP): «Die grösste Angriffsfläche des Projekts Kreisschule Aarau-Buchs ist die fehlende Volkswahl», konstatierte er im Hinblick auf die Urnenabstimmung vom Mai. «Wenn wir diese Angriffsfläche wegnehmen, können wir dem Projekt sicher viel mehr Chancen geben.»


Nun dürfen die Aarauer und Buchser Stimmbürger voraussichtlich am 24. September den neuen Kreisschulrat wählen. Immer vorausgesetzt natürlich, sie lehnen die Kreisschule als Ganzes nicht ab.


Der frisch in Pflicht genommene SVP-Einwohnerrat Frank Scharnagl, Wirtschaftsprüfungs-Experte, stellte einen Antrag auf ein prozessbegleitendes internes Kontrollsystem mit Qualitätsverantwortlichem. Es solle so in die Satzungen aufgenommen werden. Als früheres Mitglied der Finanzkommission Unterentfelden habe er schlechte Erfahrungen gemacht mit der dortigen Kreisschule Entfelden, die «ständigen Quereleien» hätten «viel Zeit und Geld gekostet».

Im Plenum fand die Idee zwar Anklang, mehrere Votanten fanden aber , dass «die Flughöhe zu hoch ist». «Es spricht nichts gegen ein Controlling», sagte Gemeinderat Anton Kleiber, «aber das gehört nicht in die Satzungen, der Kreisschulrat muss es definieren.» Scharnagl insistierte zwar mit einiger Vehemenz, vermochte den Rat aber nicht zu überzeugen. Der Antrag wurde mit 22 Nein zu 8 Ja abgelehnt.


Ebenfalls chancenlos war ein Änderungsantrag von Urs Zbinden (SVP). Er wollte, dass die Mitgliedsgemeinden bereits nach fünf Jahren wieder aus dem Kreisschulverband austreten können und nicht, wie in den Satzungen vorgesehen, erst nach zehn Jahren.