Aarau
Neue Kinderärzte: «Wir wollen Familien mit ihren Kindern langfristig begleiten»

Zwei Ärzte eröffnen im März eine Kinderarztpraxis. Dafür bauen sie zwei Wohnungen an der Jurastrasse aus.

Barbara Vogt
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Bilder von kleinen Patienten schmücken das Zimmer der Kinderärzte Piero Bianchi und Madleina Taha. Chris Iseli

Bilder von kleinen Patienten schmücken das Zimmer der Kinderärzte Piero Bianchi und Madleina Taha. Chris Iseli

Die Wand des Zimmers von Madleina Taha (34) und Piero Bianchi (36) in der Kinderarztpraxis am Bahnhof ist mit Bildern bunt tapeziert: Tiere, Häuser, lachende Menschen, Blumen, rote Herzen. Die zwei Kinderärzte haben sie allesamt von ihren Patienten geschenkt bekommen.

Bald werden sie die Kunstwerke abhängen und in ihrer neuen Kinderarztpraxis an der Jurastrasse in Aarau aufhängen. Im Frühling machen sich die zwei Berufskollegen selbstständig und verlassen das Kantonsspital am Bahnhof.

Es sei schon immer ihr Traum gewesen, eine eigene Praxis zu führen, sagen sie. «Wir wünschen uns, Familien mit ihren Kindern langfristig zu begleiten. Wenn wir die Geschichte eines Kindes kennen, können wir uns ein besseres Gesamtbild der Krankheit machen und schneller eine Diagnose stellen.» Der persönliche Kontakt über Jahr hinweg sei eine wertvolle Bereicherung ihres Berufs. Bereits im Kantonsspital haben die beiden Beziehungen zu ihren Patienten und anderen Ärzten aufgebaut, die sie in ihrer eigenen Praxis intensivieren wollen.

Zwei Wohnungen gekauft

Vor Jahren lernten sich Madleina Taha und Piero Bianchi als Assistenzärzte im Kantonsspital Aarau kennen. Sie ist in Aarau aufgewachsen, er stammt ursprünglich aus dem Tessin. Dann verloren sie sich aus den Augen – und trafen sich als Mitarbeiter der Kinderarztpraxis am Aarauer Bahnhof wieder. Für beide war schnell klar, dass sie sich selbstständig machen, eine Praxis jedoch nicht im Alleingang führen wollen. «Der gegenseitige Austausch ist uns wichtig», sagen Madleina Taha und Piero Bianchi.

Ihre Pläne haben die Kinderärzte gegenüber den Vorgesetzten im Spital von Anfang an kommuniziert. Die Suche nach einem geeigneten Lokal ging dann nicht so schnell vonstatten: Im Sommer 2013 besichtigten Madleina Taha und Piero Bianchi im ersten Stock einer Liegenschaft an der Jurastrasse Aarau zwei miteinander verbundene Wohnungen. Obwohl diese ihnen gefielen, nahmen sie sie nicht. Das Haus ging ihnen jedoch nicht aus dem Kopf, und ein Jahr später klopften sie erneut an die Tür.

Die Wohnungen waren noch zu haben. Madleina Taha und Piero Bianchi erwarben sie im Stockwerkeigentum. «Ein Glücksfall für uns», sagen sie im Nachhinein. «Für unsere Patienten liegt das Haus zentral und nahe am Bahnhof.» So ist die Praxis auch für die Kinderärzte schnell erreichbar: Madleina Taha lebt mit ihrer Familie in Suhr, Piero Bianchi in Zürich.

Büros der Stiftung Speranza

Da sich bis anhin die Büros der Stiftung Speranza in den Wohnungen befanden, brauchte es für dessen Umnutzung in Praxisräume ein Baugesuch. Dagegen gab es keine Einwendungen und dem Umbau stand nichts mehr im Wege. Laut Madleina Taha und Piero Bianchi sollen in die Wohnungen mehrere Behandlungszimmer, ein Labor ein Wartezimmer sowie der Empfang eingebaut werden. Auf die Einrichtung freuen sich die zwei Kinderärzte schon: «Es gibt eine lebendige Innenausstattung.»

Auch ihr Team haben die beiden bereits zusammen. Drei medizinische Praxisangestellte – eine davon arbeitet jetzt ebenfalls in der Kinderarztpraxis am Bahnhof – werden die Ärzte unterstützen. Viele Arbeiten erscheinen den zwei Kinderärzten noch fremd, etwa die Buchhaltung oder die Administration. «Learning by Doing» heisse ihr Motto, sagen sie lachend. «Zudem haben wir einen guten Treuhänder, der uns unterstützt.»

Madleina Taha und Piero Bianchi sind bis Ende Februar im Kantonsspital tätig. Anfang März feiern sie Eröffnung ihrer eigenen Kinderarztpraxis. Sie eröffnen nicht nur eine Praxis, sondern übernehmen gleichzeitig jene von Christian Hindermann aus Aarau. Bloss zwei Querstrassen von der Jurastrasse entfernt arbeitet er als Kinderarzt. 2015 hört er altershalber auf und übergibt seinen alteingesessenen Betrieb an die zwei jungen Ärzte weiter.

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