Befragung

Neue Kanti Aarau: 17 Prozent der Schüler fühlen sich überfordert

Schüler an der Neuen Kanti Aarau.

Schüler an der Neuen Kanti Aarau.

Eine Befragung an der Neuen Kantonsschule Aarau hat ergeben, dass viele Schüler die zeitliche Belastung zu hoch finden. Für den Rektor ist dies nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen.

Unterfordert fühlen sich an der Neuen Kantonsschule Aarau (NKSA) nur wenige, überfordert aber rund 17 Prozent – fast doppelt so viele wie an anderen Gymnasien der Deutschschweiz. Dies hat eine vom Institut für Verwaltungsmanagement der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführte Untersuchung ergeben. An diesem Benchmarking hat die Neue Kanti Aarau nach 2006 als einziges Aargauer Gymnasium zum zweiten Mal teilgenommen.

Im Vergleich zur erstmals im Jahr 2006 durchgeführten Befragung hätten sich nur geringfügige Unterschiede ergeben, erklärt Rektor Daniel Franz. «Ganz allgemein kann eine breite Zufriedenheit festgestellt werden.» Und dass nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer einen hohen Zeitdruck beklagen, wertet der Rektor nicht unbedingt als schlechtes Zeichen: «Der Lehrerberuf ist streng, macht aber immer noch Spass, was in der Umfrage 90 Prozent der Lehrpersonen bekräftigen. Und dass die Schüler gerne mehr Zeit für Freizeit und Hobbys hätten, ist verständlich.»

Immerhin widerlege die Befragung das Vorurteil, wonach die Faulen ans Gymi gingen und die Fleissigen eine Lehre machten. Rektor Franz gibt auch zu bedenken, dass die Befragung der Abschlussklassen im Februar und März erfolgte, also in einer Phase, da die Schüler wenige Monate vor der Matur besonders unter Druck standen.

Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler findet die zeitliche Belastung an der Neuen Kantonsschule angemessen, die andere Hälfte beurteilt sie als zu hoch. Im Vergleich dazu die Werte der übrigen Gymnasien und Fachmittelschulen: Je rund 57 Prozent erachten die zeitliche Beanspruchung als angemessen, für je rund 38 Prozent ist sie zu hoch. Für Rektor Franz ist dies ein Hinweis, dass die Schüler ihre Ausbildung als streng empfinden und dass sie zur Erreichung ihrer Ziele viel investieren müssen. «Die Mittelschule kann man nicht einfach absitzen.»

Bei den Lehrpersonen zeigt sich ein ähnliches Bild – mit dem Unterschied, dass sich die Belastung weniger in einer allgemeinen Arbeitsüberforderung als in psychischen Belastungen zeigen. Die Lehrer haben selten das Gefühl, richtig abschalten zu können. Rund ein Fünftel der Lehrpersonen hätte sich schon ernsthaft überlegt, auszusteigen.

Generell loben die Schülerinnen und Schüler das Schulklima und die Infrastruktur. Diese Meinung teilen auch die Lehrkräfte. Die grosse Mehrheit der Studierenden ist auch mit dem Unterricht und der Arbeit der Lehrer zufrieden. «Hervorgehoben wird», so der Rektor, «dass die Lehrpersonen sich Zeit nehmen und die Schüler unterstützen.» Deutlich mehr Schüler als noch 2006 und deutlich mehr als an anderen Schulen meldeten zurück, dass sie aufgefordert würden, aktuelle Ereignisse und alltägliche Situationen eigenständig zu analysieren und zu beurteilen.

Wie Daniel Franz bestätigt, gab es auch Kritikpunkte und wertvolle Hinweise zu Verbesserungen. Die stärksten Mängel orten sowohl Schüler als auch Lehrpersonen in den organisatorischen und administrativen Abläufen. Schüler kritisieren den Informationsfluss, Lehrer Fehler in der Administration. Zu viele IT-Plattformen würden redundant genutzt, Schülerdaten seien oft nicht aktuell. Solche Mängel sollen möglichst rasch behoben werden, sagt Rektor Franz.

«Das Benchmarking ist eine Standortbestimmung und eine gute Basis für die weitere Entwicklung der Schule», sagt Franz. Nun gelte es weitere Entwicklungsschritte einzuleiten. Wichtiges Thema bleibe die IKT im Fachunterricht. IKT steht für Informations- und Kommunikationstechnologie.
Ziel sei es, der sach- und lernzielorientierten Nutzung der interaktiven Kommunikationstechnologie in den nächsten Jahren schrittweise mehr Gewicht zu geben, ohne die Stärken des bewährten Unterrichts zu gefährden. Im Unterricht sollen mobile Computer so selbstverständlich eingesetzt werden können wie Wandtafel und Hellraumprojektor beziehungsweise Papier und Schreibzeug.

Die Studierenden sollen die für ein Hochschulstudium wichtigen IKT-Kompetenzen vermittelt bekommen, die Lehrpersonen beim Einsatz der Mittel der Informatik bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und im Unterricht selber unterstützt werden.

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