Im Oktober sind neue Bewohner im Wildpark Roggenhausen eingezogen: Aus Deutschland wurden zwecks Blutauffrischung vier Hirsche, alles Stiere, importiert. Zwei Axishirsche hat der Dortmunder Zoo dem Roggi geschenkt. Vom Wildpark Ebersberg bei München konnten zwei Damhirsche zu vernünftigen Konditionen erworben werden.

Zwei Jahre hat der für die Hirsche zuständige Tierpfleger Ruedi Lindenmann gesucht, bis er die passenden Tiere zur Hand hatte. Unter den Schweizer Wildparks werden in der Regel Tiere getauscht, nicht verkauft. Und bisher, sagt Lindenmann, habe das Roggi «immer profitiert». Es gehe nun auch darum, «einmal den andern Parks etwas zurückgeben zu können». Dafür braucht es frisches Blut, denn praktisch alle Hirsche in Schweizer Parks sind mit jenen im Roggi verwandt. Und es funktioniert: Auf die Brunft hin zugezogen, hat sich nun der ältere der beiden bayrischen Damhirsche, ein kapitales fünfjähriger Exemplar, offenbar gegen den «alten» Stier durchgesetzt: «Der ‹Neue›», sagt Lindenmann, «hat wohl die ganze Herde gedeckt.»

Aros Ablösung zeichnet sich ab

Lindenmann hat Tausende von Kilometern in Deutschland abgespult und war nahe daran, den Bettel hinzuwerfen. Doch am Ende verfügte er über hervorragende Verbindungen. Dabei ist es ihm auch gelungen, die sich anbahnende Ablösung des Rothirsch-Stiers Aro aufzugleisen. Ein Dreijähriger aus Bayern soll, vielleicht nächstes Jahr schon, den bisherigen Platzhirsch, der seit 2009 im Roggenhausen deckt und den Zenit überschritten hat, ersetzen. Aro hat mög- licherweise diesen Herbst gar nicht mehr alle Kühe gedeckt. Von der Erfolgsquote dürfte sein Schicksal abhängen.

Shetlandpony lebt nicht mehr

In einem Tierpark gibt es nicht nur «Gfreuts» wie die Geburt von Jungtieren oder Zuzügen wie im Fall der neuen Axis- und Damhirsche, sondern auch Abgänge. Einen Verlust, den regelmässige Besucher garantiert wahrnehmen, hat das Roggi vor rund drei Wochen erlitten: Das 28-jährige Shetlandpony musste eingeschläfert werden. Es kursieren Gerüchte, wonach ein Apfel, den ein gutmeinender aber unbedarfter Parkbesucher dem Vierbeiner verfüttert habe, eine Schlundverstopfung verursacht und in letzter Konsequenz zum Tod geführt habe.

Nur Vermutungen

Unsachgemässes und unerlaubtes Füttern durch Parkbesucher ist ein leidiges Thema. Die Möglichkeit fataler Folgen können nicht genug betont werden, doch Stadtoberförster und Wildparkleiter Christoph Fischer rät im Fall des Shetlandponys zu Vorsicht mit Schuldzuweisungen: «Es gibt nur Vermutungen, bestätigt ist aber nichts.» Tatsache sei: «Das Pony war mehrmals in Behandlung wegen Problemen mit dem Schlund.» Mit der Zeit hätten sich die Anfälle verstärkt. «Wir haben ihm dann einen Maulkorb umgehängt, damit es nur noch gezielt gefüttert werden konnte.» Trotzdem sei es wieder zu Anfällen gekommen.

Wiederholt wurde das Pony in eine Klinik eingeliefert. Zuletzt wurde es dort während fünf Tagen mit Antibiotika versorgt. Trotzdem erlitt es wieder einen Anfall. Hierauf beschloss man, das Tier nicht mehr heimzuholen, sondern einschläfern zu lassen. Das medizinische Problem, vermutet Christoph Fischer, sei wohl auch auf das Alter zurückzuführen gewesen (Shetlandponys werden ca. 30 bis 40 Jahre alt). Die frühere Verletzung im Schlund sei vernarbt. Welche Rolle sie gespielt habe, müsse offen bleiben.

Dass Pferde und Ponies, die einmal an einer Schlundverstopfung gelitten haben, anfälliger sind für weitere solche, ist allgemein bekannt. Die zurückbleibenden Narben führen zu einer zusätzlichen Verengung des Schlundes.

Zwei – etwas grössere – Welsh-Mountain-Ponies leben noch im Roggi. Ein Ersatz des Shetty-Füchsleins, das viele Kinder wie auch Erwachsene ins Herz geschlossen hatten, ist vorderhand nicht vorgesehen. Zwar sei im Stall genug Platz für drei Ponies vorhanden, sagt Christoph Fischer, aber ein bisschen eng sei es mitunter doch. «Im Moment, haben wir den Eindruck, sind zwei Ponies ideal.»