Sie liebt die Fremde. Die grosse, weite Welt wie sie ist, in ihrer ganzen Schönheit. Es zieht sie fort, auch dahin, wo die Welt schroff und unwirtlich ist. Aber sie kommt immer wieder zurück. Dahin, wo sie geboren und aufgewachsen ist. Dahin, wo sie von ihrem Balkon aus vom Oberturm bis in den Jura blicken kann. Denn Aarau liebt Danièle Turkier (37) einfach noch ein bisschen mehr als den Rest der Welt. «Aarau ist meine Basis», sagt sie – und sie ist nun quasi Aarau: Per Anfang November hat Turkier die Stelle als Geschäftsführerin bei Aarau Standortmarketing an der Metzgergasse angetreten. In dieser Funktion ist sie nicht nur Aaraus offizielle Gastgeberin, sie ist auch verantwortlich für die Vermarktung und Stärkung der Marke Aarau.

Danièle Turkier ist in Aarau keine Unbekannte, stammt sie doch aus einer legendären Gastronomen-Familie. Ihre Grosseltern Ernst und Erika Pauli führten das Bahnhofsbuffet Aarau, ihre Eltern Katharina und Christian Turkier-Pauli führten während 14 Jahren den «Bären» in Suhr, zeitgleich besass die Familie von 1972 bis 2009 das Autobahnrestaurant Dreistern an der A1 in Kölliken. Gastgeber-Qualitäten sind deshalb Erbsache, noch verstärkt durch den libanesischen Einfluss väterlicherseits. «Ich kann gar nicht genug Gäste an meinem Tisch sitzen haben», sagt Danièle Turkier, die fünf Sprachen spricht. Wobei es ihr für grosse Tafelrunden im Moment schlichtweg an Zeit fehlt: Bis Herbst 2019 absolviert sie berufsbegleitend die Ausbildung als Marketingleiterin. Es ist nicht nur die Gastfreundschaft, die sie geerbt hat. Es ist auch Umtriebigkeit. Und Zielstrebigkeit. Was nicht passt, lässt sie sein.

Ohne Umwege

So, wie die Kanti. Die schmiss sie vorzeitig, weil sowieso klar war, dass sie etwas im gestalterischen Bereich tun wollte. Nach dem Gestalterischen Vorkurs in Zürich machte Turkier das Diplom als Gestalterin mit Schwerpunkt Neue Medien in Basel, holte die Berufsmatur nach und schloss die Weiterbildung als Marketingplanerin ab. Dann machte sie sich als Grafikerin und Webdesignerin selbstständig, absolvierte in New York bei einer der weltweit besten Agenturen ein dreimonatiges Praktikum. Danach arbeitete sie als Webdesignerin und schliesslich drei Jahre lang als stellvertretende Geschäftsführerin auf der Raststätte Kölliken-Süd, war für Marketing und Kommunikation zuständig. Bis sie dann nach einer Weltreise vor neun Jahren als Marketing-Managerin zum Werkzeughersteller Urma nach Rupperswil wechselte. Und blieb.

Ein Werdegang, der schnörkeliger wirkt, als er ist. Der Weg ins Marketing über den visuellen Zweig sei zwar die Ausnahme, aber eigentlich logisch: «Ich wollte nicht nur bloss Ideen ausführen und gestalten, sondern mich auch strategisch sowie konzeptionell mit einbringen», sagt sie.

Mehr Selbstbewusstsein

Und jetzt also der Wechsel in den Tourismus, ins Marketing einer Stadt. Eine Herausforderung, die sie locker nimmt, die sie reizt. Und doch eine grosse Umstellung. Plötzlich steht sie im Rampenlicht, ist eine Person des öffentlichen Interesses. Auch wenn sie dank Pfadi und dem Leben hier bereits bestens vernetzt ist, kennen sie jetzt noch mehr Leute. «Ich werde extrem oft angesprochen», sagt sie. Die Rückmeldungen seien sehr gut und wohlwollend. Was sie aber überrascht: «Viele haben ganz konkrete Erwartungen an mich, was ich wie verändern soll.»

Stören sie die Vorschusslorbeeren, der Erwartungsdruck? Turkier schüttelt den Kopf. «Ich habe hohe Anforderungen an mich selber, da bringt mich so rasch nichts in Bedrängnis.» Natürlich habe sie Ideen, sehe Potenzial. «Ich möchte verschiedene strategische Sachen aufgleisen, beispielsweise was die Positionierung anbelangt oder Online-Themen.» Herzensangelegenheiten sind die Themen Nachhaltigkeit und Kultur. Und Danièle Turkier will das Selbstbewusstsein der Stadt weiter stärken: «Ich will, dass Aarau zwischen den grossen Städten besser wahrgenommen wird. Damit auch der Zürcher ‹Aarau› und ‹Aargau› nicht mehr verwechselt.»

Erst einmal will sie sich aber einarbeiten, sich zurechtfinden und spüren, was machbar ist. Denn eines sei schon recht ungewohnt: «Nach neun Jahren bei der Uram habe ich auf die meisten anstehenden Fragen eine Antwort gewusst. Und jetzt», sagt sie und lacht, «jetzt muss ich sogar fragen, wo die Kaffeetassen stehen.» Aber zum Glück sei da ein tolles Team, das ihr helfe: «Die Frauen haben mich sehr herzlich empfangen, ich bin hier gut aufgehoben.»

Eines gibt Danièle Turkier auch für «aarau info» nicht auf: Ihr Amt als Präsidentin von «Con Corazón», einem Hilfsprojekt in den peruanischen Anden, das sie 2010 während einer ihrer Reisen gegründet hat, um die grösste Not der Leute zu lindern. Damals, als schwerste Regenfälle das Land ins Elend stürzten. Denn wenn Danièle Turkier etwas nicht kann, dann ist es die Hände in den Schoss zu legen und untätig zuzuschauen.