Aarau

Neue Geschäfte, neue Pächter: Die Rathausgasse bekommt einen Kick

Wo Baugerüste ab- und Gitter aufgebaut werden und was es in Aarau sonst noch für (süsse) Neuigkeiten gibt.

Noch ist der Laden an der Rathausgasse 27 in Aarau (ehemals Callamola) ziemlich leer. Ein Plakat lässt erahnen, was hier in wenigen Tagen schon über die Theke gehen soll: «Honey» steht da, abgebildet sind ein Cupcake und ein Becher. Das sei «Bubble Tea», erklärt die 23-jährige Thanh Ngan Luong.

Am Samstag will sie das Geschäft mit Mann Binh Luong (35) eröffnen. Die amerikanischen Küchlein macht Thanh Ngan Luong selbst. «Ich backe, seit ich denken kann», sagt die gelernte Kleinkindererzieherin.

Fürs Foto posierten sie ohne Maske: Binh und Thanh Ngan Luong (rechts) in ihrem Laden an der Rathausgasse 27.

Fürs Foto posierten sie ohne Maske: Binh und Thanh Ngan Luong (rechts) in ihrem Laden an der Rathausgasse 27.

Früher tat sie dies in der Wohnung in der Telli, wo sie aufgewachsen ist. Mit der Zeit hätten immer mehr Menschen aus ihrem Umfeld nach ihren Kuchen und Torten gefragt und Bestellungen aufgegeben.

Eine weitere «Honey»-Spezialität ist der erwähnte «Bubble Tea» – ein Shake mit Grün- oder Schwarztee und essbaren Perlen. Über Mittag sind ausserdem Snacks wie vietnamesische Sandwiches («Banh Mi») im Angebot – mit Fleisch oder vegetarisch. Das freut vor allem Ehemann Binh. Er ist in Saigon aufgewachsen, hat in Karlsruhe studiert, arbeitet nun als IT-Ingenieur bei Alpiq in Olten. «Mir fehlen diese Brote sehr», sagt er.

Es ist nicht die einzige Veränderung, die in der Rathausgasse ansteht. Gleich gegenüber ist das Haus Nummer 24 (Restaurant Gossip) eingerüstet. Die Fassadenreinigung steht an. Und im Restaurant Laterne (Nummer 15) kommt es Ende Jahr zu einem Pächterwechsel.

Ein Jahr nach Feuermisere: Co-Working zieht ein

Auch weiter nördlich ist es im Tun: Die Baustellengitter vor den Hausnummern 6 und 8 verschwinden dieses Wochenende. Der Co-Working-Space Popup Work Aarau (zurzeit im ehemaligen Eniwa-Hauptsitz) zieht unter dem neuen Namen Byro ein. «Die Bauarbeiten drinnen sind abgeschlossen», sagt Thomas Aerni, der den Co-Working-Space vor fünf Jahren mitinitiierte.

Am 13. November ist die offizielle Eröffnung des etwas anderen Büros. Die ersten Co-Worker ziehen bereits nächste Woche ein. Ursprünglich geplant war dies Ende vergangenen Jahres. Verhindert hatte es der grosse Brand in der Liegenschaft im September 2019 (AZ berichtete). Damals sass der Schock tief. Umso grösser ist jetzt die Freude. «Wir können es kaum erwarten», so Thomas Aerni.

Rund 35 verschiedene Arbeitsplätze auf zwei Etagen gibt es im Byro (Aussprache gleich wie Büro). Im unteren Stock kann man diese für 40 Franken tageweise buchen, die dauerhaften Plätze oben kosten 520 Franken im Monat. Für einen Drittel davon hätten sich bereits neue Interessierte gemeldet, einige haben schon einen Platz gebucht. «In Zeiten von Homeoffice steigt die Nachfrage», sagt Thomas Aerni.

«Der frühste Kafi der Altstadt»

Der als Genossenschaft organisierte Co-Working-Space bietet mehr als bloss Tisch und Stuhl. «Der Gemeinschaftsgedanke ist uns sehr wichtig», so Emilie Etesi, zuständig für die Communityentwicklung. Deshalb gibt es im Nichtbüro auch gemütliche informelle Arbeitsplätze, Gemeinschaftsräume sowie eine öffentliche Kaffeebar (es gilt überall ein Covid-19-­Schutzkonzept). In Letzterer gibt es ab 7 Uhr Kaffee – «den frühsten Kafi der Altstadt» –, erklärt Thomas Aerni. Am Mittag gibt es Menus, am Samstagmorgen kann man im Byro brunchen. An Freitag- und Samstagabenden ist der Co-Working-­Space eine Bar.

Brunch bietet auch das im Juni eröffnete Café Little Sem gleich nebenan (Nummer 2). «Es lief von Anfang an sehr gut», sagt Semih Mut. Bis vor einer Woche, als der Kanton Aargau neue Coronamassnahmen beschloss. Semih Mut: «Seitdem geht es bergab. Wir machen nicht mal mehr die Hälfte des Umsatzes.»

Aargauer Gastro-News 2020

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