Aarau

Neue Fassade für das Freimaurer «Wielandhaus» – sie ist schweizweit einzigartig

Der «schwebende Stein»: Das Gebäude südlich des WSB-Bahnhofs hatte bis im Frühling eine hellbraune Fassade.

Der «schwebende Stein»: Das Gebäude südlich des WSB-Bahnhofs hatte bis im Frühling eine hellbraune Fassade.

In Aarau erhielt das «Wielandhaus» der Freimaurer eine schweizweit einzigartige Fassade. Manchmal ist es blau, manchmal grün.

Die neue, blaue Fassade ist an sich schon ungewöhnlich. Weil sie aber, je nach Tageszeit, Lichteinfall und Standort des Betrachters, manchmal hellblau, ja sogar grün erscheint, ist das Aarauer Gebäude schweizweit einzigartig. Während das «Wielandhaus» bisher mit seinem hellbraunen, leicht verblasst wirkenden Äusseren in der grauen, unscheinbaren Umgebung hinter dem WSB-Bahnhof (heute AVA) eher unterging, sticht es jetzt heraus. Seine Besitzerin, die Loge «Zur Brudertreue», eine der bedeutendsten Freimaurerlogen der Schweiz, hat die Fassade für einen tiefen einstelligen Millionen-Betrag komplett erneuern lassen. Die Behörden haben, nach anfänglichen intensiven Diskussionen mit der Stadtbildkommission, die aussergewöhnliche Farbwahl ermöglicht.

Eine Schoggi für Mitarbeiter von Urs Hofmann

Das «Wielandhaus» ist 1971 erreichtet worden. Architekt Willi Lüscher versuchte mit der Formgebung den Eindruck eines schwebenden Steines zu vermitteln. Der Stein spielt bei den Freimaurern, deren erste Mitglieder Steinmetze waren, eine zentrale Rolle.

Die Loge «Zur Brudertreue» hat ihre Versammlungsräume im zweiten Untergeschoss. Das «Wielandhaus» ist nach Joseph Fidel Wieland (gestorben 1852) benannt, einem deutsch-schweizerischen Arzt und Politiker (Aargauer Grossrat). Wieland war einer der ersten Meister vom Stuhl (Vorsitzender der Aarauer Freimaurerloge (gegründet 1811).

Seit 1975 ist die kantonale Verwaltung im «Wielandhaus» eingemietet. Zuerst war es das Finanzdepartement (heute Telli), schon seit Jahrzehnten ist es das heutige Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) von Regierungsrat Urs Hoffmann. 95 Mitarbeiter des DVI erhielten letzte Woche ein kleines Stück blaue Fassade und eine spezielle Schoggi – als Dank für die Unannehmlichkeiten, die sie während der Bauzeit von Anfang Mai bis Ende September zu ertragen hatten. Dies als kleine Aufmerksamkeit anstelle des vorerst aus Covid-19-Gründen abgesagten Einweihungsapéros.

«Bei der Farbwahl sehr viele Gedanken gemacht»

Das Innere des «Wielandhauses» ist 2012 renoviert worden. Jetzt muste noch die Fassade saniert werden, wie Gebäudeverwalter und Projektverantwortlicher Christian Rettenbacher erklärt. Die Fenster und die Fassade waren undicht, die Unterkonstruktion konnte aber wiederverwendet werden. Die Firma Salm Fassadenbau (Schinznach-Dorf) hat insgesamt 1800 Verbundplatten-Einzelteile (19,8 Tonnen Aluminium) montiert.

Die Farbe wurde speziell von Monopol Colors (Fislisbach) gemischt. Die Aarauer Freimaurer haben sie zwischenzeitlich schützen lassen. «Wir haben uns bei der Farbwahl sehr viele Gedanken gemacht», erklärt Rettenbacher. Die blaue Farbe stelle die Grundideale der Freimaurerei dar. «Blau ist Teil unserer Identität. Wir wollten, dass die Farbe unsere Fassade ziert.» Rettenbacher war bei der stundenlangen Farbmischung selber dabei. «Die Spektralfarbe zeigt, dass die Wirklichkeit je nach Blickwinkel eine andere ist. Die Farbe widerspiegelt die Umgebung, nimmt sie auf und fügt das Gebäude in die Umgebung ein.»

Die markante Farbsprache sei auch eine Hommage an den Kanton Aargau, meint Rettenbacher. Blau vereine die Seen und Flüsse und der Grünton die Natur, den Wald sowie die üppigen Wiesen der Regio. «Der Ausdruck beider Farben wurde nun dank der einzigartigen Effektfarbe erreicht», so Rettenbacher.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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