Suhr
Neue Dorfschreiberin: Kolumnen sind passé – ab in die Küche!

An der Schluss-Ausstellung von Dorfschreiberin Pet Zimmermann wurde deren Nachfolgerin bekannt. Es ist die Illustratorin und Kochbuchautorin Gabi Kopp.

Ueli Wild (Text und Foto)
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Nach dem Dorfschreiberin-Jahr offenere Augen für Suhr: Pet Zimmermann (ganz links, stehend) an ihrer Derniere am Freitag.

Nach dem Dorfschreiberin-Jahr offenere Augen für Suhr: Pet Zimmermann (ganz links, stehend) an ihrer Derniere am Freitag.

Ueli Wild

Die Vernissage war zugleich eine Finissage: Am Freitagabend konnten im Rüetschihaus die Fotos besichtigt werden, die Dorfschreiberin Pet Zimmermann zu den sehr persönlich gehaltenen Kolumnen, die sie während eines Jahres im «Suhr Plus» veröffentlichte, zugestellt erhalten hat.

Als Architekturvermittlerin, sagte die Architektin Zimmermann, pflege sie den Leuten die Augen zu öffnen, ihre Sinne zu schärfen. Ihre Auseinandersetzung mit dem Dorf habe ihr nun selber offenere Augen für Suhr beschert.

Was die Fotos angeht, kam das Ganze aber ein wenig anders heraus, als sie sich das vorgestellt hatte. Pet Zimmermann erwartete nach ihren eigenen Worten «wenige Bilder von vielen Einsendern». Erhalten hat sie viele Bilder von wenigen Fotografen, von deren zehn, um genau zu sein, die Klasse Sek 1a von Urs Wittenberg nicht eingerechnet. Erstaunlich sei, so die abtretende siebte Suhrer Dorfschreiberin, «wie viel auf den Fotos zu sehen ist, das es schon gar nicht mehr gibt. Aber das ist unsere Welt.»

Zur Stab- beziehungsweise Federübergabe an Zimmermanns Nachfolgerin kam es nicht, weil diese am Freitag nicht zugegen war. Doch Eli Wilhelm von der Kulturkommission verriet, wer die Dorfschreiber-Feder übernimmt: Gabi Kopp (59) aus Luzern.

Seit 30 Jahren arbeitet sie als Cartoonistin und Illustratorin im In- und Ausland. Einen Namen gemacht hat sich die einstige Kindergärtnerin, die in den 80er-Jahren Köchin im Luzerner Restaurant Widder war, auch mit ihren Kochbüchern, die den östlichen Mittelmeerraum und den vorderen Orient im Fokus haben. Was aber hat die Luzerner Rezeptesammlerin mit Suhr am Hut? Nichts, räumte Eli Wilhelm ein: «Sie ist nicht aus Suhr, aber sie wird die Suhrer Köchinnen und Köche anlocken.»

Nach der eher «papierenen» Ära Zimmermann wendet sich die Suhrer Dorfschreiberei also wieder sinnlicheren Gefilden zu. Wie zuvor das Musikerpaar Renata Friederich und Rolf Lenzin wird Gabi Kopp im Jahreslauf zu vier Veranstaltungen einladen. Nur wird die Musik jetzt in der Nase, im Gaumen, im Magen und im Gedärme spielen.

Versprochen hat die Suhrer Kulturkommission «vier jahreszeitliche Koch- und Degustieranlässe». Der erste findet am 11. August in der Badi statt. Dort sollen Suhrer Tomatenrezepte vorgestellt werden. Wer mag, kann für rund zehn Personen kochen. Gabi Kopp werde die Rezepte dann aufnehmen, sagte Eli Wilhelm. Im Herbst lautet das Motto saisongerecht «Wild und Pilze».