Suhr

Neue Dorfschreiberin: Architektin löst Musiker-Paar ab

Als neue Dorfschreiberin will Pet Zimmermann letztlich der Frage nachgehen, was Architektur im Betrachter auslöst. zvg

Als neue Dorfschreiberin will Pet Zimmermann letztlich der Frage nachgehen, was Architektur im Betrachter auslöst. zvg

Pet Zimmermann ist die neue Suhrer Dorfschreiberin. Das teilt die Kulturkommission mit. Die Nachfolgerin von Rolf Lenzin und Renata Friederich ist Architektin und Baukulturvermittlerin.

Das Dorfschreiber-Amt, schreibt die Kulturkommission in ihrer Mitteilung, dürfe sich fast schon als Suhrer Tradition verstehen. Seit 2012 amteten eine Comic-Autorin, ein Schriftsteller, zwei Jugend-Reporter, eine Theater-Crew, ein Fotograf und zuletzt ein Musiker-Paar. Auf Rolf Lenzin und Renata Friederich, die jeder Jahreszeit ein Konzert gewidmet haben werden – das letzte findet am 28. April im Huggler-Areal statt – folgt mit der gebürtigen Niederländerin Pet Zimmermann eine Architektin und Baukulturvermittlerin.

Pet – eigentlich Petri – Zimmermann, ist in den Niederlanden aufgewachsen, doch seit fast 40 Jahren lebt sie schon in der Schweiz. Architektur studierte sie an der ETH in Zürich. Seit 1993 gibt es das Architekturbüro Zimmermann Aarau AG, seit letztem Jahr ist es in Suhr im Rüetschihaus daheim. Pet Zimmermann arbeitet nicht nur in Suhr, sie wohnt auch an der Bachstrasse und sie engagiert sich in Suhr – seit 2013 zum Beispiel in der Baukommission.

Bereits zu Zeiten, als das Wort «Baukulturvermittlung» reichlich exotisch klang, war sie an vorderster Front engagiert, es selbstverständlich klingen zu lassen: 2004–2008 war sie Co-Präsidentin der Fachstelle Architektur und Schule der ETH Zürich und hat seither zahlreiche Pilot-Projekte mit Schulklassen und Lehrpersonen zur Sensibilisierung für Baukultur durchgeführt.

Pet Zimmermann war Projektleiterin und Co-Autorin des Lehrmittels «WohnRaum» (2010) für die 7.–9. Klasse. Getestet haben die Unterrichtseinheiten auch Suhrer Klassen, ausgezeichnet wurde das Lehrmittel in Tokio: mit dem Internationalen Preis «Golden Cube Award 2011 – Architecture and Children».

In ihrer 12-monatigen «Amtszeit» werde sich Pet Zimmermann an die Bewohnerinnen und Bewohner von Suhr wenden, «die der Baukultur täglich begegnen und sie benutzen», heisst es in der Medienmitteilung der Kulturkommission. Und Eli Wilhelm, Vizepräsidentin der Kommission, präzisiert: Pet Zimmermann werde «keinen Architekturführer von Suhr» schreiben, «keine herkömmlichen Architekturkritiken». Vielmehr werde die neue Dorfschreiberin «ihre persönlichen Beobachtungen zur gebauten Umgebung» zu Papier bringen. Dadurch, so Wilhelm weiter, werde einerseits Suhr als typische Agglomerationsgemeinde neu wahrnehmbar. Anderseits mache Zimmermann auf diese Weise Mut, «den eigenen Augen zu trauen» – oder sie in der alltäglichen Umgebung überhaupt einmal zu öffnen – und den Gefühlen, die Architektur in der Betrachterin auslöse, Raum zu geben.

Kolumnen im «Suhr Plus»

Ein Jahr lang wird Pet Zimmermann ab Juni 2017 in jedem «Suhr Plus» eine Kolumne zu einem architektonischen oder städtebaulichen Phänomen schreiben. Sie wird dabei von Persönlichem ausgehen – von einer Beobachtung, einer Erfahrung oder einem Erlebnis in Suhr. Weshalb, fragt sie etwa, werde die Umgebung in den Ferien mit anderen Augen wahrgenommen? Und umgekehrt: «Was würden wir entdecken, wenn wir zu Hause die ‹Ferien-Brille› aufsetzten?» Oder sie fragt, weshalb bestimmte Orte und gebaute Umgebungen bestimmte Gefühle in Menschen auslösen.

Reaktionen erwünscht

Pet Zimmermann, stellt die Kulturkommission klar, wünsche sich auf ihre Kolumnen Reaktionen – per E-Mail oder Post. Das können, wie die Kulturkommission schreibt, Fotos, Gedanken oder Geschichten sein – ganz konkret zum beschriebenen Phänomen. So kommt eine Sammlung von unterschiedlichsten Beobachtungen zu jeweils einem Thema zusammen. Am Ende des Dorfschreiber-Jahres entsteht daraus eine vielgestaltige Ausstellung. (uw)

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