Aarau

Neue Chirurgen in der Hirslanden Klinik

Herzchirurg Thierry Carrel (links) und Klinikdirektor Philipp Keller schauen in ein begehbares Herzmodell.

Herzchirurg Thierry Carrel (links) und Klinikdirektor Philipp Keller schauen in ein begehbares Herzmodell.

Der «Vater» der Aarauer Herzchirurgie, Wolfgang Bertschmann, hört in der Hirslanden Klinik altershalber auf. Auf ihn folgen Thierry Carrel und Lars Englberger.

Kein Stuhl war mehr frei am Freitagabend beim «Fokus Herz» der Hirslanden Klinik Aarau im Kultur- und Kongresshaus KuK in Aarau. Alle wollten sie von Starchirurg Thierry Carrel in die neusten Entwicklungen in der Herzchirurgie eingeweiht werden. Von seinem Chirurgenkollegen Lars Englberger wollten sie hören, was bei einem Herzversagen besser ist: Kunstherz oder Transplantation? Und sie wollten bei der Verabschiedung von Herzchirurg Wolfgang Bertschmann dabei sein, dem «Vater» der Herzchirurgie in Aarau.

Die beiden Chirurgen des Inselspitals Bern, Carrel und Englberger, sind bekanntlich seit Anfang Mai teilzeitlich auch in der Hirslanden Klinik Aarau tätig. Aktuell ist Englberger pro Woche an zwei Tagen, Carrel an einem Tag im Aargau. Ihr Auftritt war gewissermassen ihre Antrittsvorlesung. Tätig sind sie beide schon. So operierte Carrel am Mittwoch zweimal in Aarau, Englberger zweimal am Freitag.

Bertschmann zweifacher Initiator

Ermöglicht hat dies letztlich Herzchirurg Wolfgang Bertschmann. Vor über 20 Jahren hatte die Aargauer Politik nämlich mit Blick auf die Angebote in Zürich, Bern und Basel entschieden, der Kanton brauche keine eigene Herzchirurgie. Das Kantonsspital Aarau erhielt «nur» ein Herzkatheterlabor. Bertschmann fand sich mit dem Verdikt der Politik nicht ab. Er kämpfte und konnte schliesslich in der privaten Hirslanden Klinik vor 22 Jahren eine Herzchirurgie eröffnen, die er dann mit James Habicht vorantrieb.

Wie Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel in ihrer Laudatio festhielt, sorgte Bertschmann «für eine nachhaltige Sicherung der Herzchirurgie». Seither wurden hier 4 000 Patientinnen und Patienten operiert. Dank ihm konnte sich die Klinik immer mehr Richtung spezialisierte Medizin entwickeln, so Klinikdirektor Philipp Keller.

Auf seine Pensionierung hin war Bertschmann mit der Kontaktaufnahme zum Inselspital auch der Initiator für die Nachfolgelösung mit Carrel und Englberger. Das Publikum im KuK – darunter viele Patienten von Bertschmann – dankte ihm mit einer stehenden Ovation.

Carrel zeigte im Vortrag die Fortschritte der Herzchirurgie. Eindrückliche Bilder mit monströsen Herz-Lungen-Maschinen von einst füllten den Bildschirm im KuK– nicht zu vergleichen mit heute. Der Fortschritt im medizintechnologischen Bereich sei heute grundsätzlich unbeschränkt, so Carrel. Was machbar ist, sei recht einfach zu beantworten. An der Gesellschaft sei es aber, zu sagen, ob man alles machen darf. Dazu kommen die Fragen, ob man etwas machen soll oder muss. Ein Beispiel: Soll man einen 88-jährigen Patienten einer Herzoperation unterziehen oder ist die restliche Lebenserwartung so kurz, dass sich dies rein ethisch betrachtet nicht «lohnt»?

Eigentliche Herztransplantationen gibt es mangels Spendern relativ wenig. Daran erinnerte Lars Englberger. Deshalb entwickelte man ein Kunstherz, eine Pumpe, die auf der linken Herzkammer eingepflanzt wird. Eigentlich soll diese die Zeit bis zur erhofften Transplantation überbrücken helfen. Heute weiss man, dass sie über Jahre funktionieren kann. Das muss sie auch, weil die Spenderherzen so rar sind.

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