Aarau
Neue Brücke ist wie die alte

In der Telli wurde der 106-jährige Steg über den Frey-Kanal ersetzt

sabine Kuster
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Neue Brücke ist wie die alte

Neue Brücke ist wie die alte

Am neuen Moosbrüggli in der Telli wächst kein Moos. Doch sonst sieht es aus wie das alte: aus Beton, leicht gebogen, mit halbrunden Öffnungen in den massiven Seitenwänden. «Die Brücke hat den Tellibewohnern gefallen», sagte Markus Goldberger der Suisseplan Ingenieuren, «da muss man das Rad nicht neu erfinden.» Ausserdem habe so ein Architekt gespart werden können.

Stadtammann Marcel Guignard weihte das neue alte Moosbrüggli gestern ein und sagte, er hoffe, dass die Brücke bald wieder Moos ansetze und so ihren besonderen Namen wieder verdiene. «Vielleicht kommt das Moos zurück. Vielleicht aber auch nicht», sagte Guignard schmunzelnd mit Blick auf die glatte Betonfläche. Denn bereits das Dach des Kunsthauses Aarau, auf dem das vorgesehene Moos einfach nicht wachsen will, habe gezeigt, «dass die Natur offenbar wenig Kunstverständnis hat.»

In nur einem Monat ersetzt

Die 11,5 Meter lange Brücke führt über den Frey-Kanal ins Summergrien, bekannt als Telliwald. Das Moosbrüggli ist die viel genutzte Verbindung für Spaziergänger, Jogger und Velofahrer. Eine Handvoll Anwohner waren zur Einweihung gekommen und applaudierten. Sie waren froh, dass die Brücke innert nur eines Monats hatte ersetzt werden können.

Das alte, 106-jährige Moosbrüggli hatte abgerissen werden müssen, weil der Beton und vor allem die stählernen Bewehrungen stark angegriffen waren. Dies wurde schon 1997 festgestellt. Die Brücke konnte seitdem mit maximal 10 Tonnen befahren werden. Nun ist sie wieder für die schweren Forstfahrzeuge bis 40 Tonnen offen.

Später Entscheid

Statt einer neuen Brücke hatte man zwischenzeitlich eine Furt für die schweren Fahrzeuge geplant. Das Projekt wurde jedoch auf Eis gelegt und erst dieses Jahr sprach die Ortsbürgergemeinde, der das Land gehört, den Kredit von 210000 Franken für einen Neubau.

Die Baufirma Rothpletz, Lienhard + Cie AG aus Aarau hatte die je 15 Tonnen schweren Seitenwände der neuen Brücke vorgefertigt und per Kran eingesetzt. Die Fahrbahn wurde anschliessend vor Ort betoniert. Dabei sorgte eine vorübergehend unter die Brücke montierte Plattform dafür, dass kein Beton in den Kanal fiel. Denn frischer Beton macht Wasser alkalisch – dies wäre für die vielen Fische im Frey-Kanal tödlich gewesen.

Der Name Frey-Kanal kommt übrigens von der gleichnamigen Schokoladenfabrik, welche den Wasserlauf früher zusammen mit anderen industriellen Betrieben in der Umgebung nutzte.