Schon wieder sind alle Salatköpfe im Garten gleichzeitig erntereif. Schon wieder hat man einen Geschenkkorb mit Pasta und Panettone erhalten, obwohl man Weizen nicht verträgt. Und schon wieder hat man sich von den «Aktion»-Klebern im Laden verführen lassen, schon wieder mehr eingekauft, als man essen kann. Wohin damit, wenn das Ablaufdatum näher rückt?

Viele noch essbare Lebensmittel landen im Grüncontainer oder im Hauskehricht. Florian Gyger (Rombach) und Emin Khateeb (Rotkreuz) wollen das ändern. Die beiden 24-jährigen Softwareentwickler haben die App «Foodshelf» lanciert, auf der man seine übrig gebliebenen Lebensmittel bequem weitervermitteln kann.

Silberzwiebeln und Katzenfutter

Das funktioniert so: Man stellt ein Foto und einen Kurzbeschrieb des Lebensmittels auf die App. Aktuelles Beispiel: ein Glas Silberzwiebeln. Mittels GPS oder durch Hinterlegung der Adresse weiss die App, dass sich das Glas 1,5 Kilometer entfernt von der AZ-Redaktion befindet. Die genaue Adresse sieht jedoch niemand. Wer Lust auf die Zwiebeln hat, klickt auf die Schaltfläche «Nachricht» oder «Anrufen». So wird der Kontakt mit dem Besitzer der Zwiebeln hergestellt.

Die Übergabe erfolgt – wie in guten alten Zeiten – persönlich, danach wird das Inserat gelöscht. Geteilt werden darf alles, was mit Essen zu tun hat – im Moment findet man in Aarau auch «Selina Katzenfutter» darauf –, die Lebensmittel-Richtlinien müssen jedoch eingehalten werden. Lebensmittelverkäufe sind nicht erwünscht.

Die App ist nicht für Grossverteiler oder Restaurants gedacht. «Wir fokussieren auf Privathaushalte», sagt Florian Gyger. «Statistisch gesehen fällt dort fast die Hälfte der Foodwaste-Menge an.» Zwar gibt es mancherorts öffentlich zugängliche Kühlschränke, wo man seine Lebensmittel deponieren kann. «Eine digitale Lösung hat sich in der Schweiz bisher noch keine etabliert.»

Wegwerfen ist gratis, die App auch

Entstanden ist die Idee vor über einem Jahr, als die beiden am «Climathon 2016» teilnahmen. Das ist ein 24 Stunden langer Hackathon (Veranstaltung, an der Software entwickelt wird) zum Thema Klimawandel, der zeitgleich in vielen Städten stattfindet. «Innert 24 Stunden mussten wir eine Lösung finden, um eine Umweltsituation zu verbessern», so Emin Khateeb. Sie erhielten das Thema Foodwaste – und entwickelten einen Prototyp für «Foodshelf». Im Oktober 2017, ein Jahr später, ging die App live.

Sie steht für iOS und Android-Handys zur Verfügung und wurde insgesamt rund 200 mal runtergeladen. Das ist noch nicht besonders viel, deshalb ist das Angebot an Lebensmitteln auf der App noch sehr überschaubar. Gyger und Khateeb wollen nun Hotspots aufbauen; also Zonen, in der die App intensiv genutzt wird. In Aarau zum Beispiel.

Noch ist das Ganze ein «reines Hobbyprojekt», wie Khateeb sagt. Zur Deckung der Kosten, etwa für Marketing oder den Server, setzen die beiden Freunde auf Spenden. «Wir wollen keinen finanziellen Gewinn draus ziehen, es geht um den Zweck», betont Gyger, der seine Informatik-Lehre bei Swisslog in Buchs gemacht hat. «Lebensmittel wegwerfen, kostet nichts – deshalb soll unsere App auch nichts kosten», fügt Khateeb an. Die beiden sind gespannt, wie die App bei den Nutzern ankommt. Ideen für die Weiterentwicklung wären genug da – zum Beispiel für eine automatische Bilderkennung.