Das Hotel Argovia am Aarauer Apfelhausenweg, aus früheren Zeiten auch als «Helvetia» und als «Goldige Öpfel» bekannt, steht seit einem Glimmbrand im Mai 2016 leer. Die Rauchentwicklung hatte dem eh schon in die Jahre gekommenen Hotel – das Haus wurde 1930 gebaut – den Todesstoss versetzt. Ein halbes Jahr nach dem Brand teilte die Besitzerin, die ZFV-Gastronomiegruppe aus Zürich, mit, dass sich eine Sanierung nicht lohne. Mit den 16 Zimmern des kleinen Stadthotels könne nicht genügend Wertschöpfung erzielt werden, um diesen ausserordentlichen Aufwand zu finanzieren.

Das Gebäude, dem man den Brand von aussen nicht ansieht, soll also abgerissen werden. An seiner Stelle plant die Liegenschaftsbesitzerin ein neues Haus. Grösser, höher. Die Lage ist gut: nahe am Bahnhof, gleich gegenüber dem Kasernenareal mit der Alten Reithalle, die zu einem Kulturlokal umgebaut wird (sobald die Submissionsbeschwerde, die das Projekt derzeit blockt, vom Tisch ist).

Ein erstes Baugesuch für den Abriss und den Ersatzneubau des «Wohn- und Geschäftshaus Argovia» lag im November 2017 auf. Doch es gab, so sagte die ZFV-Gastrogruppe später gegenüber der AZ, zahlreiche Einsprachen aus der Nachbarschaft. Auch die Stadtbildkommission war mit den Plänen nicht restlos glücklich. Also zog die Liegenschaftsbesitzerin das Gesuch zurück und ging nochmals über die Bücher.

Bis zum 26. August liegt nun beim Stadtbüro die zweite Version auf, die auch bei der Stadtbildkommission auf Zustimmung stösst. Geändert hat unter anderem die Anzahl und Grösse der Wohnungen: Es sind nun 14 (vorher 13), und sie haben alle zwei oder drei Zimmer. Die Wohnungen befinden sich in den Etagen zwei bis sechs.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind auch in der zweiten Version des Baugesuchs Büros vorgesehen, wobei auf Anregen der Stadtbildkommission das 1. OG so gestaltet wird, dass es auch zu Wohnungen umgenutzt werden könnte. Neu haben die Wohnungen Loggias, im ersten Baugesuch waren es noch Balkone. Es gibt ein extensiv begrüntes Flachdach; geheizt wird das Gebäude mit Fernwärme. Es ist eine Kanalisationsumleitung nötig.

Zürcher Frauenverein hat weiteres Projekt in Aarau

Die Kosten für den Abbruch und die Altlastensanierung (Asbest) betragen laut Baugesuch 100'000 Franken, für den Neubau rund 5 Mio. Franken. Die Bauzeit wird auf ein Jahr veranschlagt.

Das «Argovia» hatte seinen letzten grossen Auftritt 2014 als Schauplatz in der SRF-Serie «Der Bestatter» (es wurde dort «Hotel Adria» genannt). Das echte Hotel gehörte ursprünglich dem «Bund abstinenter Frauen Aarau» und hiess zunächst «Helvetia». In den 1979er-Jahren wurde es zum «Goldige Öpfel», 2005 zum «Hotel Argovia». Vor über 50 Jahren übernahm der Zürcher Frauenverein (ZFV) die Liegenschaft und den Hotelbetrieb.

Es ist nicht das einzige Projekt für die ZFV-Unternehmungen auf dem Platz Aarau. Denn der Gruppe gehört auch das Sorell Hotel Aarauerhof am Bahnhofplatz, ein weitaus grösseres Haus. Auch hier ist ein Ersatz für das Anfang der 1970er-Jahre von Stararchitekt Justus Dahinden gebaute Hotelgebäude vorgesehen: Im März präsentierte die Bauherrin eine Projektstudie für einen 30-Mio.-Franken-Neubau; ein Hotel mit rund 80 Zimmern, Seminarräumen und einer Rooftop-Bar. Ein Baugesuch wurde für frühestens Ende Jahr in Aussicht gestellt, abhängig auch von der Rechtskraft der neuen Aarauer Bau- und Nutzungsordnung.