Noch rund fünf Monate – dann, im März 2016, vor Ostern wird das Hotel Kettenbrücke am Zollrain neu eröffnet. «So, wie es aussieht, werden wir diesen Termin einhalten können», sagen Werner Eglin und Stefan Wetzel von der Hotel Kettenbrücke AG übereinstimmend.

Verzögerungen gab es in den Anfängen des Projekts, nachdem Eglin und Wetzel 2009 das Objekt gekauft hatten mit dem Ziel, daraus zu machen, was es einst war: ein renommiertes Hotel, genauer: ein Vier-Sterne-Hotel am nördlichen aareseitigen Zugang zur Altstadt.

Seit die beiden vom Denkmalschutz als erhaltenswert bezeichneten Kopfbauten mit grossem Aufwand statisch gesichert worden sind und mit dem Bau richtig begonnen werden konnte, läuft es gut. Der Rohbau wurde im Sommer fertiggestellt, der Innenausbau kommt planmässig voran.

Tag der offenen Baustelle

Zeit also, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie sich Hotel dereinst präsentieren wird. Am kommenden Samstag von 10 bis 16 Uhr laden die Bauherren deshalb zu einem Tag der offenen Tür beziehungsweise der offenen Baustelle.

Ein wenig Fantasie ist freilich schon noch vonnöten, denn beim Innenausbau ist vieles erst erahnbar. Bis zum Samstag, sagt Stefan Wetzel vom Badener Architekturbüro Atelier West, soll aber eines der auf drei Stockwerke des neuen Mitteltrakts verteilten 24 Hotelzimmer so weit hergerichtet werden, dass man einen konkreten Eindruck der Ausstattung erhält.

Sicher wird ein Bett hineingestellt. Und eine spontane Idee von Werner Eglin: Im Restaurant, das sich, wie einst, ebenerdig in der alten Kopfbaute Nord befindet, soll schon einmal ein weiss gedeckter Tisch die aktuelle Baustellenatmosphäre auflockern. Und zwar im östlichen, wintergartenartigen Teil des Restaurants, wo sich der Blick auf die Aare und den Jura öffnet.

70 bis 80 Plätze soll das Restaurant bieten und dreigeteilt sein in Bistro, zentrales Restaurant und «Wintergarten». Die Karte ist nach Stefan Wetzels Worten aber überall die gleiche. Im Restaurant, verrät er, werde die Ausstattung eher klassisch ausfallen. Man wolle ein wenig bei dem anknüpfen, was hier einmal war.

Die Küche befindet sich ein Stockwerk tiefer. Sie bedient via Lift auch den Festsaal im ersten Stockwerk der nördlichen Kopfbaute und die Seminarräume im obersten Geschoss des zentralen Neubaus.

Nachdem die Direktion bereits gefunden ist, läuft nun die Suche nach dem Küchenchef. Wo will sich die «Kettenbrücke» künftig kulinarisch positionieren – zum Beispiel auf der Gault-Millau-Skala? «Die Erwartungen sind hoch», sagt Stefan Wetzel, «wir wollen sie aber nicht zu hoch schrauben – die Leute sollen kommen und positiv überrascht sein, nicht umgekehrt.»

Und Werner Eglin meint, wer heute eine gute, saubere Küche pflege, liege etwa bei 13 Gault-Millau-Punkten. Das dürfe in etwa von der «Kettenbrücke» erwartet werden. Dann, wenn in der «Kettenbrücke» definitiv wieder weiss gedeckt wird.

Die jeweils nördlichsten Zimmer auf allen drei Hoteletagen sind ein wenig grösser als die andern 21 und verfügen über ein Bad statt einer Dusche. In der Kopfbaute Nord sind zwei möblierte Wohnungen geplant, die von länger bleibenden Gästen, für ein paar Monate vielleicht, gemietet werden können.

«Turmwohnung» im Nordtrakt

Unmöbliert bleibt dagegen die grosse Dachwohnung ganz oben, wo man sich auf einem Wachtturm über der Aare wähnt. Für diese Wohnung wird ein Dauermieter gesucht.

Ob im Erdgeschoss der stadtseitigen Kopfbaute wirklich ein Gewerbe oder eine Praxis einzieht und darüber eine Wohnung entsteht, ist noch offen. Ideal, denkt Werner Eglin mittlerweile, wäre es, wenn das ganze Teilgebäude der gleichen Partei vermietet werden könnte.

Die Lobby im zentralen Eingangsbereich soll nicht nur als Réception genutzt werden, sondern öffentlich zugänglich sein – als Bistro mit Gartenwirtschaft am Zollrain. Weil die Mauer beim Neubau ein wenig zurückversetzt wurde, ist in diesem Bereich ein Stück der alten Mauer der Kettenbrücken-Rampe zu sehen, die in die Aussenmauer des abgebrochenen früheren Mitteltrakts mit dem Tanzsaal integriert war.

Untergeschoss wird vermietet

Über einen separaten Zugang von der Mühlemattstrasse her gelangt man ins Untergeschoss mit dem Gewölbekeller, wo angeblich einst das «Anker»-Bier kühl zwischengelagert wurde.

Hier unten wird sich ein Memberclub einrichten, der nicht von den Kettenbrücke-Betreibern selber geführt wird. Das Ganze wird vermietet an die «Platzhirsch»-Betreiber, die in der «Kettenbrücke», bevor die Badener Investoren diese kauften, schon die «Opium Lounge» führten.

Der Memberclub ist nicht mit dem ehemaligen Club in der Kettenbrücke vergleichbar. Dem Umstand, dass sich das Ausgehverhalten in den letzten Jahren verändert hat, soll das Konzept Rechnung tragen.

Wie dieses im Detail aussieht, wird in den nächsten Wochen und Monaten verraten. «Natürlich sind Immissionen ein Thema und wir wissen, dass dies im neuen Memberclub-Konzept berücksichtigt wird», sagt Werner Eglin. «Da der edle Gewölbekeller nach einem ganz anderen Konzept ruft, wird es definitiv was ganz anderes geben, als es früher mal war – und wir freuen uns enorm darauf», ergänzen die neuen Betreiber Burkart, Berner und Antoniadis.