Montagmittag: Hanspeter Thür (Grüne) ist zusammen mit Stephan Probst von seinem Wahlkampfteam unterwegs, um Plakatständer einzusammeln. 40 Stück standen in den letzten Wochen an den Strassen. Jetzt werden sie nicht mehr benötigt. Der 68-Jährige ist in den Stadtrat gewählt. Mit dem fünftbesten Ergebnis – noch vor der Bisherigen Franziska Graf-Bruppacher (SP).

«Ein gutes Gefühl»: Hanspeter Thür räumt ab.

«Ein gutes Gefühl»: Hanspeter Thür räumt ab.

Hat er mit diesem Ausgang gerechnet? «Ich war sehr skeptisch», sagt der Jurist. Und jetzt, wo es geschafft ist? «Ein wunderbares Gefühl – man gewinnt immer gerne. Es ist ein Super-Ergebnis.» Und: «Wir haben eine gute Kampagne gemacht. Dass es so gut herauskommen würde, habe ich nicht gedacht.»

Er habe sich 1995 zum letzten Mal an einem Wahlkampf beteiligt. «Es ist schon eine andere Welt heute», sagt der ehemalige Nationalrat. Heute geht es nicht mehr ohne eigene Homepage. «Dann gab es Personen, die von einer Facebook-Seite sprachen.» Nicht mit dem ehemaligen eidgenössischen Datenschützer. Aber: «Leute haben für mich eine Fan-Seite gemacht.» Thür selber betrieb auch Strassenwahlkampf. Er war vier Mal an der Igelweid präsent. Mit jeweils sechs bis sieben Leuten.

Viele Spenden

Ein Plakatständer nach dem anderen wird demontiert und verschwindet im Mobility-Auto. Die Zeit eilt. Die Ständer müssen zum Vermieter nach Lenzburg gebracht werden. Die Ständer waren, so empfindet es Hanspeter Thür, relativ teuer. Er beginnt über Geld zu reden. «Meine Kampagne hat 25'000 Franken gekostet.» Die Unterstützung aus seinem Umfeld sei beeindruckend gewesen – auch finanziell. Thür spricht von einem «beträchtlichen Spendeneingang um die 10'000 Franken».

Wie kamen die «naThürlich»-Plakate zustande? «Ich hatte kein Werbebüro, sondern scharte ein paar Freunde um mich», sagt Thür. Plötzlich habe jemand mit Wortspielen begonnen und schliesslich habe der Grafiker, ebenfalls ein guter Freund, gesagt, das müsse man zur Marke machen. «Wir waren ein tolles Team von zwei Handvoll Leuten.»

Am Sonntagnachmittag gabs eine kleine Party im Hause der Thürs. Erst um 16.30 Uhr kam der erlösende Telefonanruf von Regina Jäggi (SVP). Die abtretende Stadträtin hat als Leiterin des Wahlbüros die Kandidaten über den Wahlausgang informiert. Anschliessend habe er für seine Enkel Ballone aufgeblasen und sei mit seinen Leuten in die Stadt gelaufen, wo man zusammen mit der SP gefeiert habe.

Demnächst Schulteroperation

Und jetzt? Im Kampf ums Vizepräsidium hat Thür mit 2705 Stimmen das beste Resultat gemacht. Der zweitplatzierte Werner Schib brachte es auf 1434 Stimmen. Weil keiner der beiden das absolute Mehr erreichte, kommt es am 26. November zu einem zweiten Wahlgang. Thür wird wieder dabei sein. Und auch Schib. Letzterer teilte bereits am Sonntagabend mit, er habe als «bürgerlicher Mitte-Kandidat sehr gut abgeschnitten».

Nach dem 26. November wird der neue Stadtrat die Ressorts verteilen. Viel hängt davon ab, ob Hanspeter Hilfiker die Wahl als Stadtpräsident schafft. Dann wäre das Ressort «Kultur und Sport» frei, das zu Thür, dem aktuellen Projektkoordinator «Alte Reithalle», passen würde. Die bisherigen Stadträte erklären, sie hätten keine Wechselgelüste. Damit bliebe «Hochbau und Raumplanung» sowie die «Öffentliche Sicherheit und Entsorgung». Thür sagt: «Ich bin flexibel.»

Doch vor der Ressortverteilung hat der neugewählte Stadtrat ganz andere Sorgen: Es steht eine Schulteroperation an. Die hatte Thür wegen des Wahlkampfes verschoben.