Aarau

Neu fünf Wochen Ferien für alle Angestellten der Stadt

Für Wochenend- und Nachteinsätze erhalten die städtischen Angestellten (hier die Männer vom Werkhof) künftig höhere und einheitliche Zuschläge. (Archiv)

Für Wochenend- und Nachteinsätze erhalten die städtischen Angestellten (hier die Männer vom Werkhof) künftig höhere und einheitliche Zuschläge. (Archiv)

Dem Aarauer Einwohnerrat wird am kommenden Montag das neue Personalreglement vorgelegt. Damit will die Stadt «zukünftig Anstellungsbedingungen anbieten, die der Situation auf dem Arbeitsmarkt gerecht werden», schreibt der Stadtrat in der Botschaft zur Einwohnerratssitzung.

«Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend deutlich zum Arbeitnehmermarkt, der Fachkräftemangel ist bereits heute spürbar und nimmt weiter rasch zu.» Man wollte das Image der Stadt Aarau als Arbeitgeberin verbessern und stärken, schreibt der Stadtrat.

Das bedeutet unter anderem: mitarbeiterfreundliche Arbeitszeiten, zehn Tage Vaterschaftsurlaub, 16 Wochen Mutterschaftsurlaub, die Möglichkeit eines Sabbaticals, Lohnzuschläge bei Nacht- und Wochenendeinsätzen. «Mit der vorgeschlagenen Totalrevision wird eine insgesamt kostenneutrale Einführung des neuen Personalrechts angestrebt», so der Stadtrat.

Bei der Vernehmlassung zum neuen Reglement sind Anfang Jahr insgesamt 32 Eingaben eingegangen.

Was ist wichtig?

Die folgenden Punkte sind teilweise neu, teilweise schon im alten Reglement festgehalten. Sie alle geben ein Bild davon, wie die Stadt als Arbeitgeberin auftritt.

  • Es gilt die 42-Stunden-Woche (8,4 Stunden täglich), bei Mitarbeitenden in Schlüsselfunktionen wird die Vertrauensarbeitszeit eingeführt.
  • Der Vaterschaftsurlaub dauert 10 Tage, der Mutterschaftsurlaub 16 Wochen (gesetzlich: 14 Wochen).
  • Der Beamtenstatus entfällt.
  • Anstellungen oder Kündigungen dürfen auch per Mail oder SMS ausgesprochen werden.
  • Es ist neu geregelt, was «Whistleblower» dürfen: «Wer in guten Treuen Unregelmässigkeiten oder strafrechtlich relevante Verhalten verwaltungsintern meldet oder der zuständigen Strafverfolgungsbehörde anzeigt», verletze seine Schweigepflicht nicht.
  • Gestrichen wird die bisherige Übergangsrente: Die Förderung von vorzeitigen Pensionierungen entspreche nicht mehr der heutigen Arbeitsmarktsituation. Das spart etwa 80'000 Franken pro Jahr.
  • Die 21- bis 45-jährigen Angestellten haben bisher 22 Tage Ferien pro Jahr. Neu sollen es 25 sein. Dadurch, so heisst es in der Ratsbotschaft, entstünden rechnerische Mehrkosten von rund 115'000 Franken. «Es ist jedoch davon auszugehen, dass dies in den meisten Fällen ohne Stellenerhöhung intern kompensiert werden kann.» Bisher erhalten 45- bis 55-Jährige bereits 25 Tage Ferien, alle unter 21 Jahren oder über 55 Jahren haben 30 Ferientage zu gut.
  • Neu eingeführt wird die Möglichkeit eines «Bildungsurlaubs». Es wird «auf Gesuch hin, zulasten ihrer zeitlichen Gutschriften, ein Sabbatical zur persönlichen oder beruflichen Weiterentwicklung gewährt». Ein solches dauert maximal drei Monate. Der Stadtrat erklärt, dies bringe beiden Parteien Vorteile: «Für die Mitarbeitenden bringt es einen Perspektivenwechsel und dient der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Die Arbeitgeberin kommt dagegen effizientere und zufriedenere Mitarbeitende.
  • Mit einem neuen Zulagensystem bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeiten sollen die Zulagen bei allen Mitarbeitenden vereinheitlicht werden. Höhere Kosten entstehen durch die Erhöhung der Zulagen bei der Stadtpolizei und in den Pflegeheimen von heute 6.50 Franken auf künftig 7.50 Franken pro Stunde. Bei der Polizei ergibt das rund 30'000 Franken Mehrkosten, bei den Heimen 120'000 Franken. Und: «Die Einführung der Zeitzulage von 10 Prozent für Nachtarbeit erfordert bei der Stadtpolizei ein Zusatzpensum im Umfang einer 60-Prozent-Stelle», heisst es in der Vorlage.
  • Die Entwicklung der Lohnbänder richtet sich nach dem Allgemeinen Nominallohnindex des Bundesamts für Statistik. Der Stadtrat kann eine Anpassung auf den nächsten Jahresbeginn vornehmen, wenn sich dieser Index um mindestens 3 Prozent verändert hat.

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