Aarau

«Nachhaltig entwickeln»: Die Stadt Aarau soll ohne Einzonungen wachsen

Das Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Tellistrasse sieht eine Umgestaltung der Kreuzung Girixweg/ Tellistrasse zu einem Kreisel vor. Die Querbarkeit der Fahrbahn für Fussgänger und Velofahrer soll verbessert werden. Bäume unterstreichen den Alleecharakter. zvg/Visualisierung

Das Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Tellistrasse sieht eine Umgestaltung der Kreuzung Girixweg/ Tellistrasse zu einem Kreisel vor. Die Querbarkeit der Fahrbahn für Fussgänger und Velofahrer soll verbessert werden. Bäume unterstreichen den Alleecharakter. zvg/Visualisierung

Stadtrat und Planer holten bei den Einwohnern erste Meinungen zum Raumentwicklungs-Leitbild ein. Grosses Interesse fanden die Pläne für die Bahnhofstrasse und das Telli-Quartier.

Am Ende der Veranstaltung gab es Applaus. Galt er dem Raumentwicklungs-Leitbild (REL), das am Dienstagabend im Kultur- und Kongresszentrum KuK vorgestellt wurde, oder war er eine höfliche Geste gegenüber Stadtrat Lukas Pfisterer und den Stadtplanern, die das Entwicklungsleitbild präsentierten? Die Frage blieb unbeantwortet.

Soviel ist jedoch sicher: Der mit dem REL eingeleitete Prozess – er soll mit Rechtssetzung der Bau- und Nutzungsordnung und dem Zonenplan im Jahr 2017 abgeschlossen werden –, wird nicht nur Applaus, sondern auch Kritik ernten und Widerstände auslösen. Erst recht dann, wenn es ans Eingemachte geht, um Besitzstände, Gewohnheiten und Bedürfnisse der Quartiere und ihrer Bewohner.

Wünsche, Anregungen, Kritik können bereits im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens (siehe auch az vom 11.1.) angebracht werden. Es läuft bis zum 28. Februar. Das Entwicklungs-Leitbild kann unter www.aarau.ch/revision_nutzungsplanung heruntergeladen oder beim Stadtbüro bezogen werden, ebenso der Fragebogen, mit dem die Aarauerinnen und Aarauer ihre Meinung äussern können.

Parks, Gärten, Freiräume

«Wir wollen die Stadt nachhaltig entwickeln», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech, als sie die rund hundert Einwohnerinnen und Einwohner begrüsste. «Wir wollen nicht nur bauen, sondern auch nicht bauen, Parks, Gärten und Freiräume soll grosse Beachtung geschenkt werden.» Was Stadtrat und Planer unter «nachhaltigem Entwickeln» verstehen, erläuterten Felix Fuchs, Kurt Schneider (Leiter Stadtentwicklung), Marco Salvini (Projektleiter Stadtentwicklung) und Daniel Rudin (Projektleiter Verkehr).

Mit der Revision des Zonenplans soll Wohnraum für 25 000 bis 30 000 Einwohner geschaffen werden, und zwar innerhalb des bestehenden Baugebiets ohne neue Einzonungen. Dies sei möglich, ohne dass die Lebensqualität in den Quartieren geschmälert werde, sagte Felix Fuchs. Er ortet nicht ausgeschöpfte Potenziale schwerpunktmässig in der Aarenau, wo bereits gebaut wird, im Torfeld Süd, wo eine rechtskräftige Planung vorliegt, in der Telli, im Torfeld Nord und im Kasernen-Areal.

Telli wird zweites Stadtzentrum

«In der Telli soll ein zweites Stadtzentrum entstehen», sagte Fuchs, «die heute sehr extensiv genutzten Industrie-Areale haben hohes Verdichtungspotenzial.» Die Tellianer interessierte am Informationsabend vor allem eines: Was passiert mit der Telli-Strasse? «Noch im ersten Quartal 2014 wird der Erschliessungsplan öffentlich gemacht», versprach Fuchs. In der Botschaft zur Volksabstimmung über die Ostumfahrung Sauerländertunnel und das kantonale Projekt für den neuen Staffeleggzubringer war den Tellianern bereits 1991 versprochen worden, dass die Tellistrasse zu einer Quartiersammelstrasse abklassiert und umgestaltet würde.

Im Dezember 2010 wurde die Staffelegg-Strasse eröffnet. Im selben Jahr war ein Gestaltungsplan für die Tellistrasse vorgestellt worden. Vorgesehen waren unter anderem Abschnitte mit Mittelstreifen, die eine Querung erleichtern, ergänzende Baumreihen, die den Eindruck einer Allee vermitteln, und ein Kreisel bei der Kreuzung Girixweg/Tellstrasse (Telli-Zentrum). In wenigen Wochen, erklärte Felix Fuchs, werde der Erschliessungsplan, der die Bau- und Strassenlinien definiert, in die Vernehmlassung geschickt.

Potenzial für Wohnraum

Eine spezifische Frage betraf das Areal Erlinsbacherstrasse, wo im westlichen Teil eine Wohnnutzung ermöglicht werden soll. Felix Fuchs stellte richtig, dass es sich hier nicht um eine Einzonung, sondern um eine Umzonung (Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in Wohnzone) handle. Die Bewohner der Erlinsbacherstrasse hatten sich gegen den geplanten Abbruch ihrer Häuser gewehrt. Der Abbruch wird zum Teil mit der Kraftwerkserneuerung begründet (Platz für Bauinstallationen). «Die Wohnsituation ist in diesem Areal nur beschränkt zukunftsfähig», sagte Fuchs, «das Potenzial an Wohnraum wird nicht ausgenutzt.» Das Areal gehört der IBAarau.

Wohlwollend wurden die Pläne für die Aufwertung der Bahnhofstrasse aufgenommen. Sie soll zu einem Boulevard umgestaltet werden: Die Busspur wird aufgehoben, in der Mitte der Strasse erleichtert ein Mittelstreifen das Queren. Der Versuchsbetrieb wird im Frühling gestartet. Gute Erfahrungen habe man mit dem Aargauerplatz gemacht, sagte Fuchs. Ebenso mit der Pförtnerung, die von Schönenwerd auf das Stadtgebiet von Aarau verlegt wurde, nachdem das Projekt noch immer beim Solothurner Verwaltungsgericht hängig ist.

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