Forstwirtschaft

Nachfolge gesichert: Gränichen-Unterkulm bekommt neuen «Revierförster»

Der abtretende Förster und der neue: Markus Wildi (l.) und Luc Schwarb.

Der abtretende Förster und der neue: Markus Wildi (l.) und Luc Schwarb.

Der 29-jährige Aargauer Luc Schwarb wird Markus Wildi im Forstbetrieb ablösen. Durch eine Fusion mit der benachbarten Forstverwaltung Suhr-Buchs soll das Gebiet vergrössert werden.

Dass auf die Stellenanzeige «Revierförster» für den Forstbetrieb Gränichen-Unterkulm der 29-jährige Luc Schwarb an die Gemeindehaustüre klopfte, war ein Glücksfall. Denn Nachwuchs-Förster sind rar. Wie rar, das zeigt die Anzahl Mitstudenten, die zusammen mit Schwarb den Lehrgang Förster HF im Bildungszentrum Wald Lyss gemacht haben. 24 Förster-Anwärter waren es mit ihm, davon vier aus dem Kanton Aargau.

Der junge Mann aus Gipf-Oberfrick wird Markus Wildi ablösen, der sich Ende April mit 63 Jahren pensionieren lässt. Die Einarbeitung wird durch das Coronavirus nicht sonderlich gestört, denn in ihrem Arbeitsgebiet, der 960 Hektaren grossen Waldfläche von Gränichen und Unterkulm (und den zusätzlichen 140 Hektaren Privatwald), ist genug Platz, um Abstand zu halten. «Und in den Wald fährt momentan eben jeder in einem separaten Auto», sagt Markus Wildi. Er ist mit Luc Schwarb zum Gespräch mit der AZ an die Feuerstelle «Weiher» im Gränicher Wald gekommen, wo bereits mehrere Spaziergänger ihr Auto ab­gestellt haben, um dem virusbedingten Stubenarrest kurz zu entfliehen.

Heutige Förster müssen den Wald schmackhaft machen

«Heute hat die Erholungsfunktion des Waldes einen viel höheren Stellenwert, als vor 38 Jahren, als ich als Förster in Unterkulm begonnen habe», sagt Wildi. Sein Nachfolger bestätigt das. In seinem Studium bekam er gelehrt, wie man die Funk­tionen des Waldes der Bevölkerung näherbringt. «Damit die Leute mit mehr Respekt in den Wald gehen und die Bewirtschaftung des Waldes besser verstehen», so Schwarb. So wüssten sie diesen auch zu schätzen und lernen, was sie ihm alles zu verdanken haben.

So sei die Bevölkerung vielleicht eines Tages bereit, mehr für den Wald aufzuwenden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man dereinst mehr für den Wald zahle, weil die Gemeinden für Waldpflege und Wegunterhalt mehr Geld ausgeben müssen. «Als ich 1982 anfing, lag der Fokus darauf, durch den Holzverkauf immer in den schwarzen Zahlen zu bleiben», sagt Wildi. Damals habe man für einen Kubikmeter Fichtenholz aus Schweizer Wald noch bis 240 Franken bekommen.

Seither haben die Preise für heimisches Holz einen Sturzflug erlebt. Billig produziertes Holz aus dem Ausland dominiert den Markt, für den Kubikmeter Fichte von damals würde Markus Wildi nur noch 80 Franken kriegen. Heute landet etwa die Hälfte des Holzes vom Forstbetrieb in Schnitzelheizungen.

Nachfolger Luc Schwarb darf eventuell bald Förster von einem noch viel grösseren Gebiet werden. Schon seit ein paar Jahren wird an der Fusion mit der benachbarten Forstverwaltung Suhr-Buchs gearbeitet. Insgesamt würde das Waldgebiet dann 1700 Hektaren gross. «Bei den tiefen Holzpreisen müssen Forstbetriebe heute eine gewisse Grösse haben», sagt Hans Peter Lüem (FDP), Gränicher Vizeammann und verantwortlich für die Forstwirtschaft. Durch Fusionen, so Lüem, könnten Synergien aufgebaut werden in den Arbeitsbereichen «Arbeiten für Dritte» (Arbeiten für die Einwohnergemeinde, den Kanton oder Private), und Holzvermarktung.

Der Fusion steht etwas im Wege

Eigentlich wäre der Zusammenschluss so weit aufgegleist, dass die Gemeindeversammlungen darüber entscheiden könnten. 2018 hatten die Ortsbürger von Gränichen und die Gemeinde Unterkulm, denen der jeweilige Wald gehört, einer Ausarbeitung zum Zusammenschluss zugestimmt. Wie der Unterkulmer Gemeindeammann Emil Huber (parteilos) sagt, könnten die Wintergemeinde Unterkulm wie auch alle anderen Gemeinden nun über das Geschäft abstimmen.

Doch da gibt es noch ein Problem, das die Fusion so kurz vor dem Abschluss verhindern könnte: Sollte Suhr im Sommer entscheiden, dass es sich dem Zukunftsraum Aarau anschliessen möchte, so würde die Fusion mit alleine Buchs neu beurteilt werden. Deshalb hat der Gemeinderat Buchs den definitiven Entscheid bis zu diesem Zeitpunkt sistiert.

Meistgesehen

Artboard 1