Ein 28-jährige Kroate, der in Unterentfelden wohnt, wird dringend verdächtigt, die 66-Jährige Hildegard Enz Rivola am 17. Januar an ihrem Wohnort an der Erlinsbacherstrasse in Aarau mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben. Der Beschuldigte sitzt nun in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt. Bisher hat der mutmassliche Täter das Delikt nicht gestanden. 

Das Tötungsdelikt hat die Anwohner betroffen gemacht. Das Quartier oberhalb der Erlinsbacherstrasse ist eine bevorzugte Wohnlage. «Wir sind froh, dass der Täter gefasst ist, so etwas geht nicht spurlos an einem vorbei», sagen Max und Iris Mettler, deren Haus unweit des Tatortes liegt. Trotzdem seien sie nicht beunruhigt gewesen: «Wir wohnen seit 39 Jahren hier. Es war immer friedlich, abgesehen von vereinzelten Einbrüchen».

Aarau/Unterentfelden: Kroate bestreitet Bluttat, Nachbarn sind schockiert über Verhaftung

Kroate bestreitet Bluttat, Nachbarn sind schockiert über Verhaftung (Beitrag vom 14.2.2019)

Einzig die Tatsache, dass es dem Messerstecher gelungen sei, nach der Tat unbemerkt zu verschwinden, habe sie erstaunt. Das Ehepaar kannte die 66-Jährige nicht persönlich. Es scheint allgemein, als sei Hildegard Enz Rivola unter den Nachbarn nicht besonders bekannt gewesen. Dies, obwohl sich die Nachbarn auf der Strasse gegenseitig begrüssen. 

Frage nach dem Motiv 

Im Wohnquartier des Opfers ist man über die Verhaftung erleichtert: «Wir wären aber viel mehr erleichtert, wenn wir wüssten, warum er das getan hat», sagt eine Frau, deren Haus weiter oben am Hang liegt. Sie habe Hildegard Enz Rivola nicht persönlich gekannt. «Unser Haus ist zwar gut gesichert, trotzdem ist mir nicht sehr wohl, wenn ich am Abend alleine zur Garage gehen muss», sagt sie weiter. 

Ein weiterer Anwohner spaziert wenige hundert Meter vom Tatort entfernt mit seinem Terrier. Er sagt, seine Frau sei seit der Verhaftung enorm erleichtert: «Seit es passiert ist, ging sie abends nicht mehr alleine mit dem Hund spazieren.» Die Verhaftung ist auch unter den Spaziergängern entlang der Aare ein Thema.

Viele hier kannten Hildegard Enz Rivola flüchtig, weil sie die Seniorin jeweils mit ihrem Vierbeiner antrafen: «Natürlich ist man erleichtert, Angst hatte ich aber keine. Hier sind immer sehr viele Leute unterwegs», sagt ein Hundehalter. «Ich habe sie jeden Tag etwa zur selben Zeit angetroffen», sagt ein älterer Herr. «Ich bin sehr erleichtert. Obwohl es traurig ist.» Die Flugblätter der Polizei zieren noch immer die Abfallkübel entlang der Aare nach dem Kraftwerk in Aarau. 

Gerüchte um Drogendeals 

Eine Person, die F. P. aus dem weitesten Bekanntenkreis kennt, sagt gegenüber der AZ, bereits vor Jahren sei über den mutmasslichen Täter gemunkelt worden: «Er fuhr immer ein schönes und teures Auto. Die Menschen fragten sich, wie er sich dieses mit dem Lohn eines Heizungsmonteurs leisten konnte.» Es gab auch Gerüchte, er habe Drogen verkauft. «Das ist aber reines Hörensagen.» F. P sei nie besonders sympathisch aufgetreten und meist alleine unterwegs gewesen, sagt der Bekannte. Gegenüber Tele M1 sagen der Bruder und ein Freund des Verhafteten, sie könnten sich nicht vorstellen, dass dieser die Tat begangen haben soll. 

Knapp einen Monat nach dem Tod von Hildegard Enz Rivola bleiben zahlreiche Fragen offen. Ob der mutmassliche Täter vorbestraft ist, teilt die Staatsanwaltschaft nicht mit. Aus ermittlungstaktischen Gründen sagt sie auch nicht, ob aus der Wohnung des Opfers etwas gestohlen wurde, oder ob die Tatwaffe in der Zwischenzeit sichergestellt werden konnte. Ob sich der Messerstecher und das Opfer kannten, ob die Seniorin bei einem Raubmord getötet wurde, oder ob ein anderes Motiv vorliegt, bleibt vorerst im Dunkeln. 

Kantonspolizisten durchsuchen das Gelände um den Tatort an der Erlinsbacherstrasse 40 in Aarau nach Hinweisen zur Täterschaft

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Am Donnerstagabend wurde eine 66-jährige Frau niedergestochen und blutüberströmt vor ihrer Haustüre gefunden. Der Täter ist flüchtig. Die Frau verstarb noch am Abend im Spital.