Seit 2009 wachsen die Tomaten im Gewächshaus des Gemüsebaubetriebs von Gerald Holliger in der Quellmatte in Unterentfelden nicht mehr an Stöcken auf dem Boden, sondern hors-sol in Kokostorf. Grund dafür ist ein Virus, der 2008 rund 80 Prozent der Ernte vernichtet hat. «Der Virus ist nicht gesundheitsschädigend», sagt Gerald Holliger.

Doch werde wegen des Virus die Tomate nicht mehr schön rot und die Blätter weisen Flecken auf. «Das macht die Tomate unverkäuflich.» Weil der Virus hoch ansteckend ist, hätte der Boden unter anderem sterilisiert beziehungsweise das Erdreich komplett ausgewechselt werden müssen. Doch selbst das hätte eine Neuinfektion nicht ausgeschlossen.

Mit der Umstellung auf Hors-sol entstand eine planungsrechtlich widerrechtliche Situation: Das Areal hätte von der Landwirtschaftszone in eine Intensivlandwirtschaftszone umgezont werden müssen. 2010 forderte der Gemeinderat Unterentfelden Gemüsebauer Holliger auf, ein Umzonungsbegehren einzureichen, was dieser auch tat. Bis zur Rechtskraft wollten der Kanton und der Gemeinderat diesen widerrechtlichen Zustand tolerieren.

Keine weiteren Gewächshäuser

Im Laufe des Nutzungsplanungsverfahrens der Gemeinde beschloss der Grosse Rat aber im kantonalen Richtplan, dass anstelle eines Nutzungsplanes bei «planungspflichtigen Vorhaben zu bestehenden Landwirtschaftsbetrieben» ein Gestaltungsplan erarbeitet werden kann. Dieser Gestaltungsplan liegt jetzt öffentlich auf, das Mitwirkungsverfahren läuft noch bis zum kommenden 27. Mai.

«Mit dem Gestaltungsplan ändert sich an der heutigen baulichen Situation nichts. Der Gestaltungsplan ermöglicht lediglich eine Statusänderung», sagt Gemeindeschreiberin Susi Campadelli. Er hält fest, dass weitere Gewächshäuser nicht möglich sind. Auch müssen sämtliche Bauten und Anlagen, die nicht mehr für den ursprünglichen Zweck gebraucht werden, entfernt werden.

Der ökologische Ausgleich, also die Vorgabe, dass mehr als 15 Prozent der von der Bautätigkeit betroffenen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden, hält der Gemüsebaubetrieb bereits ein.

Reizthema «Hors-sol»

Beim Thema «Hors-sol» dürften sich einige Unterentfelder an das Jahr 2003 erinnern: Bereits damals wollte Gemüsebauer Holliger eine Intensiv-Landwirtschaftszone für eine «freiwillige» Hors-sol-Produktion ausscheiden. Nach einem heftigen Abstimmungskampf erreichten die Gegner aber den Verbleib in der Landwirtschaftszone.

«Der Gemeinderat hat deshalb die Notwendigkeit der Hors-sol-Produktion in einem zusätzlichen Gutachten abklären lassen», sagt Campadelli. Dieses habe bestätigt, dass die Rückkehr zu einer sogenannten «bodennahen» Produktion nicht ohne immense Investitionen möglich sei.