Schulweg Suhr
Nach tödlichem Unfall: Tempo 30 soll waghalsige Schüler bremsen

Seit dem tödlichen Unfall einer Schülerin ist das Thema «Schulwegsicherheit» vor allem in Suhr brandaktuell. Die Gemeinde hat Ideen zur Verbesserung.

Katja Schlegel
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Seit dem tödlichen Unfall einer Schülerin Mitte März ist das Thema «Schulwegsicherheit» brandaktuell.

Seit dem tödlichen Unfall einer Schülerin Mitte März ist das Thema «Schulwegsicherheit» brandaktuell.

Chris Iseli

(20. Mai 2015)

Mitte März ist das furchtbare Unglück passiert: Eine 14-jährige Schülerin wurde beim Fussgängerstreifen beim Bahnübergang Helgenfeld auf ihrem Velo von einem Lastwagen erfasst und dabei so schwer verletzt, dass sie noch auf der Unfallstelle starb.

Noch ist nicht klar, wie es zum Unfall gekommen ist. Aber das Unglück hat die Diskussion um die Schulwegsicherheit neu angeheizt.

Mit dem Problem beschäftigt hat sich auch der Gemeinderat, der die Situation von einem Verkehrsplaner hat analysieren lassen. Am Infoforum am Montag hat Gemeindepräsident Beat Rüetschi Verbesserungsvorschläge präsentiert.

Ein Dauerbrenner ist die Situation im Dorfzentrum. Läuten die Schulglocken, wird es rund um die Schulanlage Dorf brenzlig: Achtlos fräsen die Schüler mit ihren Velos über die Tramstrasse in die Mittlere Dorfstrasse, kurven quer über den Fussgängerstreifen.

Er beobachte aus seinem Büro regelmässig haarsträubende Situationen, sagte Rüetschi, da nütze auch alle Aufklärung und Zurechtweisung durch die Polizei nichts.

Tresorraum im Weg

Die scheinbar einfachste Lösung – die Schüler aus der Mittleren Dorfstrasse durch die Unterführung auf das Schulgelände zu lotsen – ist keine Option. Dazu müsste die Unterführung verbreitert werden. «Das ist viel zu teuer», sagt Rüetschi.

Auch kämen solchen Plänen allerhand unterirdische Installationen in die Quere, nicht zuletzt die einstigen Tresorräume der NAB. Ideen, die Schülerströme aus dem westlichen Dorfteil nicht nur gebündelt über die Mittlere Dorfstrasse, sondern auch via Bachstrasse-Winkelweg auf das Schulgelände und von der Oberen Dorfstrasse über den Postweg in den Mühleweg zu führen, wurden ebenfalls verworfen:

Am Winkelweg müsste die Gemeinde Land kaufen, was laut Rüetschi eher unmöglich sei. Und am Postweg müsste die Parkierungsordnung erneuert werden. «Der Verkehrsexperte empfielt uns, bei der Mittleren Dorfstrasse als Schulweg zu bleiben», sagte Rüetschi.

Knackpunkt ist und bleibt die Tramstrasse. Sicherheit könnten beispielsweise Signalanlagen, ein Kreisel, eine Tempo-30-Zone oder ein Lotsendienst bringen. Weil die Tramstrasse aber eine Kantonsstrasse ist, kann die Gemeinde nicht handeln.

«Wir haben dem Kanton die Lösungsansätze geschildert», sagte Rüetschi. Der Gemeinderat priorisiert die Tempo-30-Variante. So würden nicht nur der Verkehr auf der Tramstrasse, sondern auch waghalsige Schüler gebremst. Unabdingbar sei, die Mittlere Dorfstrasse zu einer Begegnungszone zu machen. So gälte Tempo 20 als Höchstgeschwindigkeit und Fussgänger hätten gegenüber dem Verkehr Vortritt.

Eine weitere Verbesserung bringt die Verlegung des Veloständers, der heute auf dem Gelände des künftigen Schulhauses «Vinci» steht. Dieser soll neu auf der Tiefgarage zwischen «Vinci« und der TBS aufgebaut werden.

So soll verhindert werden, dass die Schüler aus der Mittleren Dorfstrasse schnurgerade über die Tramstrasse auf die Veloständer zufahren. Ein zusätzlicher Ständer soll entlang dem Mühleweg entstehen.

Noch mehr Handlungsbedarf

Handlungsbedarf gibt es nicht nur rund ums Schulareal. Weitere heikle Punkte hat der Gemeinderat im Knoten Langmattweg/Helgenfeldweg/Ringstrasse/Obertelweg, beim Feuerwehrmagazin an der Buchserstrasse, am Galeggenweg oder an der Bernstrasse West auf der Höhe des Helgenfeldweges ausgemacht, da, wo der tödliche Unfall passiert ist.

Dieser Übergang wird laut Rüetschi in Zusammenhang mit der Sanierung der Kantonsstrasse Bären-Kreuz neu gestaltet und mit einem Lichtsignal versehen. Weiter wird auf der Ringstrasse Tempo 30 eingeführt.

Die Situationen im Kreuzungsbereich Langmattweg/Helgenfeldweg wird neu beurteilt, sobald der Radweg nach Oberentfelden gebaut ist. Auch die Kreuzung beim Feuerwehrmagazin an der Buchserstrasse wird überprüft. Noch keine Lösung liegt für den Galeggenweg auf dem Tisch, weil sich die Situation relativ kompliziert zeige.

Ein Votant merkte bezüglich des Galeggenwegs an, wegen der Bautätigkeiten seien Lastwagen ein grosses Problem. Dagegen liesse sich nicht viel ausrichten, sagte Rüetschi. Man habe die Bauherren zwar angewiesen, die Lastwagen nicht über den Galeggenweg zu schicken.

«Aber es ist und bleibt eine Gemeindestrasse, die jeder befahren darf.» Ähnlich sieht es bei den Quartierstrassen aus, die von findigen Autofahrern als Schleichwege missbraucht werden und die Anwohner auf die Palme bringen.

Alle Quartiere mit Fahrverboten zu belegen, wie dies in anderen Gemeinden gemacht wird, sei keine Option, so Rüetschi.

Zwar habe er Verständnis für den Ärger der Anwohner. «Aber hier nützen Fahrverbote nichts. Die Veränderung muss in den Köpfen der Autofahrer stattfinden.»

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