Aarau
Nach «Schützen»-Brand: Gastbetrieb zieht vorläufig in Waldhaus um

Das Waldhaus Gehren in Erlinsbach wird am Donnerstag als Alternative zum geschlossenen Gasthof «Schützen» eröffnet. Nach dem Brand vor vier Tagen muss Vieles neu organisiert werden. Wirt Hans Schneider erhält Unterstützung von vielen Seiten.

Toni Widmer
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Am Montag die Schlüssel übernommen, am Donnerstag wird eröffnet: Bernadette Huber und Hans Schneider vor dem Waldhaus Gehren. to

Am Montag die Schlüssel übernommen, am Donnerstag wird eröffnet: Bernadette Huber und Hans Schneider vor dem Waldhaus Gehren. to

Vier Tage nach dem Kabelbrand im Verteilerkasten ist der Gasthof Schützen in Aarau noch immer von beissendem Gestank erfüllt. Eine spezialisierte Firma ist mit der Reinigung beauftragt. Böden, Wände und Decken, Tische und Stühle, Geschirr, Bestecke und Gläser – alles muss geputzt und behandelt werden.

«Auch meine Leute legen sich mächtig ins Zeug und helfen, wo sie helfen können. Darauf bin ich stolz. Es ist ein Zeichen für das gute Betriebsklima im Haus. Ich war immer bestrebt, das Personal fair zu behandeln. Davon darf ich jetzt profitieren. Die Angestellten lassen mich nicht im Stich», sagt «Schützen»-Wirt Hans «Hausi» Schneider.

Gekocht wird dezentral

Auch Familie Schneider gönnt sich keine Pause. Tochter Manuela, Gattin Ruth und Patron Hans organisieren, koordinieren und legen überall dort Hand an, wo es nötig ist. Bereits sind alle Catering-Bankette gesichert, die über die Festtage bestellt sind. Gekocht wird dezentral: in der Pferderennbahn in Aarau und der Vianco-Arena in Brunegg. Das verrusste Catering-Geschirr ist in einem gemeinsamen Sondereinsatz in der «Bärenmatte» in Suhr gewaschen worden. «Das Ausmass des Schadens ist gewaltig. Doch jammern und wehklagen bringt nichts», sagt Schneider, «wir schauen vorwärts. Ab 8. Januar kann die Durchführung aller Bankette, Tagungen und Sitzungen im ‹Schützen› wieder garantiert werden.»

Waldhaus Gehren als Alternative

Mit ungebrochenem Elan und behördlicher Nachsicht macht das «Schützen»-Team schier Unmögliches möglich. Am Donnerstag, 13.Dezember, wird das Waldhaus Gehren auf dem Waffenplatzgelände in Erlinsbach als vorläufige Alternative eröffnet. Hans Schneider stand mit dem Kanton Aargau kurz vor dem Abschluss der Kaufverhandlungen, als es im «Schützen» brannte. Mittlerweile ist das Geschäft perfekt, das Waldhaus gehört per 1. Januar 2013 ihm.

Der Kanton hat sich kulant gezeigt und einen Kraftakt ermöglicht: «Am Montag haben wir das Lokal zum ersten Mal betreten, ab Donnerstag können die Gäste kommen», erklärt Bernadette Huber. Die langjährige «Schützen»-Mitarbeiterin und Sängerin der Staufberg-Musikanten wird das Waldhaus bis 1.Januar führen und dann von Andrea Salm abgelöst.

Das Waldhaus war über zwei Jahre geschlossen. «Wir haben bereits neue Lampen montiert, Küche und Lagerräume auf Vordermann gebracht, Restaurant und Saal frisch gestrichen. Es gibt noch viel zu tun, aber am Donnerstag sind wir bereit», sagte Huber am Montag. Das Restaurant verfügt über 100 Sitzplätze, in einem geheizten Zelt finden weitere 50 Personen Platz. Vorläufig bis Ende Januar ist sieben Tage durchgehend offen, Weihnachten und Silvester werde ein «schönes, bezahlbares Menü» angeboten. Reserviert werden kann ab sofort.

Von einmaliger Lage fasziniert

Gekauft haben die Liegenschaft, die mit 20 Aren Land vom Waffenplatzgelände abparzelliert worden ist, Hans und Ruth Schneider privat. «Wir haben dazu die Waldhaus Gehren AG gegründet», erklärt er. Grund für den Kauf sei die einmalige Lage: «Ein Haus an einem so schönen Platz muss man kaufen, wenn man die Gelegenheit dazu hat», sagt Schneider.

Und selbstverständlich hat der erfahrene und umtriebige Gastronom auch mindestens tausend und eine Idee zur künftigen Nutzung des baulich gut erhaltenen Lokals. «Selber führen werden meine Frau und ich das Waldhaus sicher nicht. Zumal wir uns nach und nach aus dem Gastgewerbe zurückziehen. Die Gasthof Schützen AG inklusive Immobilien, erklärt der Patron, werde per 1.Januar 2014 an Tochter Manuela und Sohn Peter übergehen. Sicher werde er selber vorerst noch mitarbeiten, aber lediglich mit einem beschränkten Pensum.

Das Waldhaus werden er und seine Frau der Gasthof Schützen AG verpachten. Der vorgezogene Start ist ein Probelauf: «Wir können uns vorstellen, das Waldhaus längerfristig als eigenständige Beiz zu betreiben», sagt Schneider. Es gäbe auch Varianten. Beispielsweise die Vermietung als Eventlokal für private Anlässe. «Ideen haben wir viele», sagt er und ist froh, dass er seinen Stammgästen nur 7Tage nach dem «Schützen»-Brand eine Alternative bieten kann.

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