Auffrischung
Nach Sanierung regnets endlich nicht mehr rein - und so glänzt das Regierungsgebäude innen wieder

Die Regierung tagt jeweils im Regierungsgebäude. Im repräsentativen einstigen Gasthof ist heute die Staatskanzlei daheim. Nach einer Auffrischung glänzt das Gebäude wieder fast wie einst.

Mathias Küng
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Das Aargauer Regierungsgebäude nach der Renovation Die obere Halle des Treppenhauses mit Louis-XV-Kamin und Stukkaturen von 1741. das spätbarocke Deckengemälde zeigt eine allegorische Darstellung des Olymps.
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Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Staatsschreiberin Vincenza Trivigno in ihrem Büro. Auch hier sind die Fenster neu. Auf den Fenstersimsen sind Wasserflecken, weil die Fenster nach 65 Jahren im Betrieb nicht mehr dicht waren.
In diesem Raum tagt jeweils die Kantonsregierung.
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Detailansicht eines bis zum Boden reichenden neuen Fensters im Regierungsgebäude.
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Das Aargauer Regierungsgebäude wieder dicht
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude
Renovationen am Aargauer Regierungsgebäude

Das Aargauer Regierungsgebäude nach der Renovation Die obere Halle des Treppenhauses mit Louis-XV-Kamin und Stukkaturen von 1741. das spätbarocke Deckengemälde zeigt eine allegorische Darstellung des Olymps.

Claudio Thoma

Zurzeit widerspiegeln sich in den Fenstern des Regierungsgebäudes in Aarau stimmungsvoll die Lichter des grossen Weihnachtsbaums auf dem Aargauerplatz - reflektiert vom Glanz neuen Glases. Bis es soweit war, dauerte es etwas. Vor vier Jahren beantragte die Regierung im Grossen Rat einen Kredit zur Sanierung von Dach, Fassade, Fenstern und Elektroinstallationen des Regierungsgebäudes.

Aus Kostengründen wies der Rat damals die Vorlage teilweise zurück. Allein Dachreparatur und neue Fenster hätten über zwei Millionen Franken gekostet. Das war besonders der SVP zu teuer. Der Rat verlangte eine kostengünstigere Lösung und insgesamt eine um eine Million Franken günstigere Sanierung.

Das Regierungsgebäude mit Aargauerplatz und weihnachtlich festlicher Dekoration.    

Das Regierungsgebäude mit Aargauerplatz und weihnachtlich festlicher Dekoration.    

Emanuel Per Freudiger

Dachreparatur war dringend

Das Dach des Gebäudes musste allerdings sofort saniert werden, um weitere Schäden zu verhindern. Es regnete mittlerweile in das historische und denkmalgeschützte Gebäude hinein. Später waren Fassade und Elektroinstallationen dran, und als letztes die Fenster aus dem Jahr 1952. Diese Arbeiten sind jetzt abgeschlossen.

Wasserschaden an einem Deckengemälde im Regierungsgebäude. Grund dafür war das undichte Dach. Es ist nach der Dachreparatur ausgebessert worden.   

Wasserschaden an einem Deckengemälde im Regierungsgebäude. Grund dafür war das undichte Dach. Es ist nach der Dachreparatur ausgebessert worden.   

Claudio Thoma

Viele der 127 Fenster waren beschädigt, Flügel und Rahmen stark verwittert. Sie alle mussten ersetzt werden, derweil die Fensterläden nur einen neuen Anstrich benötigten. Zu beachten war dabei, so Urs C. Meier, Generalsekretär der Staatskanzlei und stellvertretender Staatsschreiber, «dass die kantonale Denkmalpflege klare Vorgaben zur Materialisierung, Verglasung, Fenstereinteilung und Profilierung sowie zu den Beschlägen und Farben gemacht hat.» Die neuen Fenster kosteten 1,4 Millionen Franken. Die Regierung konnte darüber selbst beschliessen. Sie hat eine Finanzkompetenz bis 2 Millionen Franken.

Weil der Kitt und die Rahmen der Fenster asbesthaltig waren, mussten sie unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen ausgebaut und entsorgt werden. Mussten dafür Abstriche bei der Qualität gemacht werden? Meier wehrt ab: «Nein, der Kanton hat den Auftrag in einem Submissionsverfahren ausgeschrieben, und natürlich Qualität verlangt. Der preiswerteste Anbieter erhielt den Zuschlag.» Wenn es so viel günstiger war, kommen die neuen Fenster dann aus China oder aus Tschechien wie im Bundeshaus? Meier: «Nein, den Zuschlag erhielt eine Firma aus dem Kanton Luzern. Die Fenster kommen also weder aus China noch aus Tschechien.»

Massiv Mietzins gespart

Die Erneuerung war anspruchsvoll, sagt Meier mit Blick auf den Denkmalschutz: «Wir konnten im Zuge der Sanierung aber eine Vision verwirklichen, nämlich wieder die ganze Staatskanzlei unter einem Dach zu vereinigen.» Bisher war der regierungsrätliche Rechtsdienst aus Platzgründen ausquartiert. Weil die Staatskanzlei heute als Folge von Spar- und Optimierungsprogrammen weniger Mitarbeitende umfasst, und weil man bei der Raumnutzung enger zusammenrückt, konnte der Rechtsdienst zurückkehren.

An dessen vorherigem Standort in der Laurenzenvorstadt wird nächstes Jahr eine andere Abteilung arbeiten. Diese war vorher in einer zugemieteten Liegenschaft. Weil diese wegfällt, spart der Kanton jährlich rund 140’ 000 Franken Mietkosten, so Urs Meier. Im Regierungsgebäude ist neben der Staatskanzlei auch der Parlamentsdienst untergebracht.

Fenster geschlossen, trotzdem...

Wir nötig auch der Fensterersatz war, zeigt ein Erlebnis von Staatsschreiberin Vincenza Trivigno. Als sie im Sommer 2016 erst einige Tage hier arbeitete und es stark regnete, erschrak sie, als sie aus einer Sitzung ins Büro zurückkam. Unter einem der Fenster hatte sich eine Wasserlache gebildet. Das Fenster war geschlossen. Es war aber undicht. Das ist jetzt Vergangenheit. Meier: «Diese Fenster sind ein Quantensprung, auch energetisch und bezüglich Schallisolierung.» Für ihn steht fest: «Das repräsentative Regierungsgebäude, das wir gern auch Schulklassen und weiteren interessierten Gruppen zeigen, ist für die nächsten Jahrzehnte wieder in einem guten und würdigen Zustand.»

Regierungsgebäude

Aarauer Rathaus war erster Regierungssitz

Das Regierungsgebäude liegt südlich der Aarauer Altstadt an der Oberen Vorstadt. Es entstand zwischen 1811 und 1834 durch den Umbau und die Erweiterung des zuvor dort bestehenden Gasthauses zum Löwen. Vor der Hauptfront an der Nordseite ist der Aargauerplatz. Der hinteren südlichen Fassade zugewandt ist das 1826/28 errichtete Grossratsgebäude, Sitz des Kantonsparlaments. Westlich des Regierungsgebäudes ist das Aargauer Kunsthaus, südwestlich die Kantonsbibliothek.

Aarau hat übrigens zum Start des von Napoleon 1803 geschaffenen neuen Kantons Aargau der Kantonsregierung das städtische Rathaus zur vorübergehenden Benützung überlassen. Das genügte aber rasch nicht mehr. So erwarb der Kanton 1807 das heutige Regierungsgebäude. Weil sich dessen Umbau über 23 Jahre hinschleppte, komplimentierte Aarau schliesslich 1819 die Kantonsregierung aus dem städtischen Rathaus hinaus.

Die Departemente sind längst nicht mehr im Regierungsgebäude. Die Departemente Gesundheit und Soziales (DGS) von Franziska Roth sowie Bildung, Kultur und Sport (BKS) von Alex Hürzeler sind in unmittelbarer Nähe im Behmengebäude, das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) von Stephan Attiger im Buchenhof ebenfalls in Fussdistanz. Einen weiteren Weg hat Markus Dieth, Vorsteher des Departements Finanzen und Ressourcen (DFR). Dieses ist im Telli-Hochaus untergebracht. Im Wielandhaus gleich hinter dem Bahnhof ist das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) von Urs Hofmann. (MKU)