Tier-Messi
Nach Pferde-Drama: Jurassischer Bauer geht leer aus

33 Pferde hat der Pferde-Messi aus Gränichen bei Bauer Michel Prêtre in Boncourt JU eingemietet. Vom Besitzer erhielt der Bauer kein Geld – weder für Unterkunft, Pflege und Futter. Und das bis heute.

Pascal Meier
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Der jurassische Landwirt Michel Prêtre fühlt sich vom Gränicher Pferdezüchter hintergangen.

Der jurassische Landwirt Michel Prêtre fühlt sich vom Gränicher Pferdezüchter hintergangen.

Pascal Meier

Bauer Michel Prêtre fühlt sich von einem Pferdezüchter aus Gränichen über den Tisch gezogen. Dieser hatte im vergangenen Spätherbst 33 Pferde auf seinem Hof in Boncourt JU eingemietet und sich aus dem Staub gemacht.

Prêtre geriet in Existenznot und die Pferde drohten zu verwahrlosen. Unterkunft, Futter und Pflege kosteten 10 000 Franken pro Monat. Erst als das jurassische Veterinäramt dem Besitzer aus Gränichen die Beschlagnahmung androhte, beauftrage dieser per Vollmacht einen Kollegen, die Pferde zu verkaufen. Laut Vollmacht, die der az vorliegt, soll Michel Prêtre einen Teil des Erlöses erhalten. Dessen Ausgaben waren beim Verkauf der Tiere im März auf 40 000 Franken angewachsen.

Die Pferde konnten inzwischen für rund 20 000 Franken verkauft werden – vom Erlös aber hat Michel Prêtre keinen Rappen gesehen. Der Gränicher Pferdezüchter bezahlte zwar die Rechnungen von Tierärzten und Veterinäramt, überwies aber Prêtre die restlichen 14 000 Franken nicht. Das Geld liegt nun auf dem Konto seinen Anwalts. Der Pferdezüchter verweigert die Auszahlung an Prêtre, sein Kollege ist nach dem Verkauf der Pferde von diesem Mandat zurückgetreten. «Ich wurde ein zweites Mal über den Tisch gezogen», sagt Prêtre. «Das ist ein Skandal.»

Veterinäramt vergab Mandat

Der noch grössere Skandal ist für Michel Prêtre das Vorgehen des jurassischen Veterinäramtes. Dieses hat den Fall bereits als erledigt abgehakt – obwohl Prêtre noch auf sein Geld wartet. «Ich verstehe die Welt nicht mehr», sagt der Landwirt. «Das Veterinäramt selbst hat das Mandat für den Verkauf der Tiere dem Kollegen des Pferdezüchters vergeben, der nun die Abmachungen nicht einhält.»

Das stimmt. Am 27. Februar hatte Kantonstierärztin Anne Ceppi den Mann mit dem Verkauf der Pferde beauftragt; dies auf Wunsch des Gränicher Pferdezüchters. Der Entscheid liegt der az vor. Grundlage dazu war die erwähnte Vollmacht zwischen den beiden Männern, die unter anderem eine Auszahlung des Verkaufserlöses an Michel Prêtre vorsieht. «Das hiess für mich, dass ich Geld bekomme», sagt Prêtre. «Was nützen Abmachungen, wenn sie nicht eingehalten werden?»

Die jurassische Kantonstierärztin Anne Ceppi hält dazu fest: «Unsere Aufgabe war lediglich, einen Platz für die Pferde zu finden.» Deshalb habe man das Mandat für den Verkauf erteilt. «Wir haben nicht die Kompetenz, über die Verwendung des Erlöses zu entscheiden.» Dies sei eine private Angelegenheit zwischen Michel Prêtre und dem Pferdebesitzer aus Gränichen. «Wir bedauern die Situation von Herrn Prêtre, für uns ist der Fall aber erledigt.»

Ermittlungen im Jura und Aargau

Der Fall des Gränicher Pferdezüchters beschäftigt auch die Justiz. Im Kanton Jura sind mehrere Anzeigen gegen den Mann hängig, unter anderem von Landwirt Michel Prêtre und einer Tierschutzorganisation. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch im Aargau sind die Behörden aktiv geworden: Nachdem das Veterinäramt im Februar auf dem Hof in Gränichen 12 vernachlässigte Pferde und 23 Hunde beschlagnahmte, laufen polizeiliche Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat noch kein Strafverfahren eröffnet, wie diese auf Anfrage mitteilt. Der Gränicher Pferdezüchter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (pi)

Michel Prêtre bleibt damit der juristische Weg, um seine zivilrechtliche Forderung geltend zu machen. Er überlegt sich, einen Anwalt zu nehmen.

Spenden von 27 000 Franken

Über den Tisch gezogen fühlt sich auch Yardena Malka. Sie ist Präsidentin der Tierschutzorganisation «Pferde in Not», die für den Kollegen vom Gränicher Pferdezüchter unentgeltlich Käufer für die Pferde gesucht hatte. «Wir wollten den Tieren und Michel Prêtre helfen», sagt Malka. «Weil Michel nun kein Geld erhält, fühlen wir uns betrogen.»

Ganz leer geht Michel Prêtre trotzdem nicht aus. Der Fall der 33 Pferde hatte in den Medien und in Tierschutzkreisen ein derart grosses Echo ausgelöst, dass Spenden in der Höhe von rund 27 000 Franken in Form von Geld, Heu und Stroh eingingen. Einen Teil von Prêtres Ausgaben können so gedeckt werden. Prêtre ist dankbar, hält aber fest. «Die Spenden sollen nicht vergessen machen, dass ein übles Spiel mit Tieren und Menschen getrieben wurde.»

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