Aarau
«Nach nur drei Tagen war alles im Kasten»

Vier Jahre lang liess sich die Aarauer Jazz- und Chanson-Combo «Sugar and the Josephines» Zeit mit neuen Aufnahmen. Jetzt ist das neue Album da, taufrisch und knusprig.

Katja Schlegel
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Sugar und ihre Josephine: Lukas Roos, Thomas Blättler, Marion Weik, Steven Parry, Benno Ernst, Roberto Di Martino und Beni Schlapbach (v.l.).

Sugar und ihre Josephine: Lukas Roos, Thomas Blättler, Marion Weik, Steven Parry, Benno Ernst, Roberto Di Martino und Beni Schlapbach (v.l.).

Marc Bachmann

Mit Blick auf blühenden Löwenzahn und weidende Pferde, im Studio hoch über dem Fricktal. So hat die Aarauer Jazz- und Chanson-Combo «Sugar and the Josephines» ihr drittes Album aufgenommen. «Nach nur drei Tagen war alles im Kasten, so beflügelnd war die Idylle», sagt Sängerin Marion Weik.

Der Löwenzahn ist längst welk, das Album «La Rumba Senza Te» aber ist taufrisch. Erst vor ein paar Tagen feierten «Sugar and the Josephines» Plattentaufe im Restaurant Weinberg in Aarau, mit fast 100 Gästen, knallvoll war der Saal. Und das neue Album mit drei Eigenkompositionen sowie verschiedenen Covern kam so gut an, dass am ersten Abend gleich 60 CDs verkauft wurden.

In Hütten und Ballsälen

Aus dem Aarauer Kulturleben sind Sugar und ihre Josephines nicht mehr wegzudenken. Seit zwölf Jahren spielen sie in Sterne-Hotels und Waldhütten, auf Dächern und Seen, in Kellern und Ballsälen, tanzen an Geburtstagen und auf Hochzeiten. «Wir sind die Band, die selten probt und oft spielt», sagt Weik und lacht.

Das war mit ein Grund, dass sich die sieben Musiker – die fünf Stammmusiker Marion Weik (Gesang), Steven Parry (Klavier und Gesang), Benno Ernst (Gitarre und Gesang), Thomas Blättler (Bass) und Beni Schlapbach (Trompete und Flügelhorn) sowie die zwei Gastmusiker Lukas Roos (Klarinette) und Roberto Di Martino (Drums) – ins Studio zurückzogen. «Ein neues Projekt gibt neuen Ansporn, es beflügelt. Und es gibt uns als Band die Möglichkeit, uns wieder einmal gegen innen zu wenden und gemeinsam an etwas zu arbeiten», sagt Weik. Das Projekt an sich war aber nicht Auslöser allein: Es war ganz einfach an der Zeit, ein neues Album zu bringen. «Vier Jahre nach Gründung der Band haben wir 2009 das erste Album veröffentlicht, vier Jahre später das zweite – und jetzt sind wieder vier Jahre um», sagt Marion Weik.

Keine Ermüdungserscheinungen

Entstanden ist ein Album mit verschiedenen Coverversionen und drei Eigenkompositionen, eine von Marion Weik, zwei von Steven Parry. Drei Stücke sind diesmal sogar ganz ohne Gesang. «Da gehört das Scheinwerferlicht ganz allein den Musikern», sagt Weik. Insgesamt sei das Album enorm vielfältig, rund und warm, verspielt und humorvoll. «Und es wirkt reifer, man hört uns an, dass wir uns in den letzten vier Jahren weiterentwickelt haben.»

In Eigenregie entstanden nicht nur drei Stücke, sondern das ganze Album. Steven Parry hat es aufgenommen, produziert und gemastert, gestaltet hat es Benno Ernst. Selbst die neuen Fotos im Waldmeier hat mit Marc Bachmann ein ehemaliges Bandmitglied gemacht, die Website aktualisiert hat Thomas Blättler. Und wie schon beim zweiten Album hat Parry auch jetzt ein paar akustische Spielereien einfliessen lassen. Das Motorengeknatter eines alten Autos zum Beispiel, dazu viel Echo und Federhall. Ausserdem hat er die Aufnahmen über ein analoges Band laufen lassen. «So tönen die Stücke alle leicht knusprig», sagt Marion Weik. «Das passt genau zu unserem Genre.»

Zwölf Jahre gemeinsames Musikmachen, zwei Auftritte pro Monat, manchmal bis zu sechs Stunden am Stück wie am Aarauer Maienzug – doch Ermüdungserscheinungen sind keine sichtbar. «Bis jetzt ist es uns nie verleidet», sagt Marion Weik. Vielleicht liege es an den zahlreichen zusätzlichen Formationen, in denen die Instrumentalisten noch spielen, wohl auch bei der unterschiedlichen Zusammensetzung, in der «Sugar and the Josephines» jeweils auftreten, mal nur zu zweit, mal zu siebt. Und ganz sicher liegt es an der unbändigen Freude an der Musik aus den Zwanzigerjahren, an den Chansons von Edith Piaf oder den Songs von Ella Fitzgerald, der Königin des Jazz. Ihr ist denn auch ein Stück gewidmet, als persönliche Hommage. Marion Weik: «Ella hat mich bereits als Teenager fasziniert, sie lässt mich bis heute nicht los. Ihr einen Song zu widmen, hat mir viel bedeutet.»

«La Rumba Senza Te» ist ab sofort im Plattenladen «Dezibelle» in der Aarauer Rathausgasse, auf sugarandthejosephines.ch oder cede.ch erhältlich.