Stadtpolizei Aarau
Nach Lockdown startet die Jagd auf Temposünder – Anzahl der Kontrollen verdoppelt sich

Während des Lockdown war die Stadtpolizei nachsichtig. Auf Geschwindigkeitskontrollen wurde verzichtet. Jetzt aber lässt sie keine Gnade mehr walten. Wie die Stadtpolizei in Aarau und den sechs umliegenden Gemeinden im zweiten Quartal 2020 aktiv war.

Urs Helbling
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Ab jetzt werden wieder Kontrollen gemacht: Die Stadtpolizei macht in Aarau wieder Jagd auf Temposünder.

Ab jetzt werden wieder Kontrollen gemacht: Die Stadtpolizei macht in Aarau wieder Jagd auf Temposünder.

Hermann Rauber

Die Wochen nach dem Montag, 16. März, waren für die Automobilisten in der Kantonshauptstadt eine paradiesische Zeit. Es hatte wegen des Lockdowns wenig Verkehr und die Polizei war grosszügig: Sie machte keine Geschwindigkeitskontrollen, liess die Parkwächter nicht ausrücken, schaltete sogar den Fahrverbotsblitzer beim Altstadt-Eingang Zollrain ab.

Doch jetzt hat der Wind gedreht. Im Juni hat sich die Anzahl Geschwindigkeitskontrollen gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2019 nahezu verdoppelt. Laut dem offiziellen Tätigkeitsbericht wurden 2469 Bussen verteilt, und 17 Schnellfahrer mussten bei der Staatsanwaltschaft verzeigt werden. Der Jahresdurchschnitt 2019 lag bei 1100 Bussen respektive 7 Verzeigungen pro Monat.

Keine Vorgabe bezüglich Busseneinnahmen

Holt die Polizei nach, was sie von Mitte März bis Mitte Mai nicht tun konnte? Versucht sie, das Budget trotz Coronapause doch noch zu erfüllen? Nein, erklärt Daniel Ringier, Leiter Abteilung Sicherheit. «Die Stadtpolizei hatte seit meinem Dienstantritt im Jahr 2001 noch nie eine zwingende Vorgabe bezüglich der Busseneinnahmen.» Die Stadtpolizei sei bei den ­Geschwindigkeitskontrollen primär auf die zur Verfügung stehenden personellen Mittel angewiesen.

«Sind diese vor­handen und einsetzbar, gibt es mehr Kontrollen, wenn nicht, weniger», so Ringier. «Zurzeit stehen mir sämtliche Mitarbeitenden hierfür zur Verfügung, sodass die Kontrollen in erhöhtem Masse stattfinden können.» Ringier weiter: «Insbesondere im Poser- und Tuner-Bereich wurden gestützt auf die personellen Möglichkeiten etliche zusätzliche Kontrollen von mir angeordnet und durchgeführt. Es war aus meiner Sicht absolut nötig und wichtig, dass hier wieder vermehrt Druck aufgebaut wird. Es wird auch so bleiben.»

Nach Lockdown viel mehr Nachtruhestörungen

Es ist interessant, was der Tätigkeitsbericht der Stadtpolizei, über deren Aktivitäten in Aarau und sechs Vertragsgemeinden aussagt: So gab es während des Lockdowns nicht mehr Interventionen wegen häuslicher Gewalt: Die Werte liegen zwischen 12 und 14 (der Jahresdurchschnitt 2019 lag bei 12,3).

Nach der Wiedereröffnung der Beizen (nur bis Mitternacht) haben die Interventionen wegen Nachtruhestörungen sprunghaft zugenommen. Im Juni gab es 35 Einträge im Rapportbuch (15 im Jahresdurchschnitt 2019, 21 im wegen des Turnfestes aussergewöhnlichen Vorjahresjuni). Ob sich der Trend der zunehmenden Nachruhestörungen im Juli fortsetzt, kann Ringier nicht ­sagen.

Am 27. April haben die Parkwächter (Verkehrsdienstangestellte) ihre Arbeit wieder aufgenommen. Sie erreichten dabei nach einem eher schwachen Mai (noch wenig Verkehr) im Juni wieder etwa die normale Performance: 1593 Bussen (Jahresdurchschnitt 2019 lag bei 1300). Die Kamera am Zollrain blitzte am Juni 210-mal (Monatsdurschnitt Vorjahr bei 95). Warum mussten derart viele Automo­bilisten 100 Franken Busse zahlen? Es gibt dafür keine offizielle Erklärung. Denkbar wäre ein Zusammenhang mit dem veränderten Verkehrsregime wegen des Kettenbrücke-Neubaus.

Wegen Coronareserve weniger uniformierte Präsenz

Im Jahr 2019 lag der Monatsdurchschnitt der uniformierten Präsenz der Stadtpolizei Aarau bei 2100 Stunden. Im Lockdown-Monat April fiel er auf 1640 Stunden. Hat die Stadtpolizei ihre Aktivitäten zurückgefahren, weil weniger Leute unterwegs waren? Daniel Ringier schreibt dazu: «Der Grund für die stundenmässig verminderten Aktivitäten liegt jeweils in der effektiven Anzahl der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten beim Einsatz im öffentlichen Raum. Die effektive personelle Patrouillenstärke wurde so reduziert, dass eine Rückfallebene vorhanden war, welche notfallmässig hätte eingesetzt werden können.»

Gemeint ist ein Einsatz in der Phase, in der die Stadtpolizei durch Coronafällen in eigenen Reihen geschwächt gewesen wäre. «Ich musste sicherstellen, dass der Dienst während des Lockdowns auch dann noch funktioniert, wenn Mitarbeitende krank geworden wären», so Ringier. «Es galt für mich, die Ansteckungskette frühzeitig unterbinden zu können.

Dadurch wurden von Anbeginn des Lockdowns Distanzen bei den verschiedenen Dienstgruppen strikte eingehalten, nur noch immer dieselben Mitarbeitenden zusammen in den Dienst gebracht und die anderen räumlich getrennt, ins Homeoffice oder in den Pikettdienst geschickt.» Glücklicherweise, so Ringier blieb die Stadtpolizei bis heute von Coronafällen verschont.