Wegen der nötigen Sanierung, hiess es im Juni, müssten die bestehenden Mietverhältnisse gekündigt werden. Diese erste Orientierung löste damals Betroffenheit und Ängste unter den Bewohnern der 43 Wohnungen der Alterssiedlung Suhrhard aus. Der Verwaltungsrat der Alterszentrum Suhrhard AG hat inzwischen, wie am Dienstag an einer weiteren Orientierung bekannt wurde, geprüft, welche der Forderungen, die in der Folge an ihn herangetragen wurden, umgesetzt werden können. Fazit: Der Verwaltungsrat hat gewisse Anpassungen an den Plänen vorgenommen. Das erklärte gestern Verwaltungsratspräsidentin Monika Fehlmann.

So soll das Alterszentrum Suhrhard dereinst aussehen.

So soll das Alterszentrum Suhrhard dereinst aussehen.

Ziel der Mieterorientierung war es, wie Fehlmann ausführte, «eine Brücke zu bauen zwischen den Mietern und dem Verwaltungsrat». Für jeden Mieter und jede Mieterin, betonte die Verwaltungsratspräsidentin, stehe während der Sanierung wie nach dem Umbau eine schöne, angemessene Wohnung zur Verfügung. Wenn anderes herumgeboten worden sei, entspreche das nicht den Tatsachen.

Der Verwaltungsrat, sagte Fehlmann, habe sich Gedanken gemacht über den Wunsch der Mieter, während der Sanierung als Gemeinschaft zusammenzubleiben. Konkret: «Wir haben dem Architekten neu den Auftrag gegeben, zu prüfen, ob die Sanierung allenfalls in Etappen vorgenommen werden kann.» Das hätte den Vorteil, dass die Mieter nur innerhalb der Siedlung umziehen müssten – in jenen Gebäudeteil, der gerade nicht von der Bautätigkeit betroffen wäre. «Bauen», gab Fehlmann freilich zu bedenken, «kann man aber nicht ohne Baulärm, Staub und ohne Vibrationen – die Architekten müssen uns sagen, ob das zumutbar ist.»

Wo sollen diese Senioren hin?

Wo sollen diese Senioren hin? (10. Juni 2017)

Sie trauten ihren Augen kaum: 43 Mieter sollen schon bald ihre Alterswohnungen in Buchs verlassen müssen. Der Grund für die Kündigung: Eine Sanierung.

Mit flankierenden Massnahmen und Mietzinsreduktionen würden Immissionen wohl so weit als möglich abgegolten. Bei einer Etappierung müsste nach Fehlmanns Angaben mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren gerechnet werden. Im Juni hatte es noch geheissen, ein Umbau in Etappen mit einem Verbleib eines Teils der Mieter im jetzigen Bau sei «sei aufgrund der Veränderung der Raumverhältnisse im Rahmen dieser Sanierung» nicht möglich.

Die AG würde Wohnungen suchen

Die andere Variante besteht darin, dass die Alterszentrum Suhrhard AG für die Mieter auf dem Markt Wohnungen sucht, sie hinzu mietet und den Mietern in Untermiete weitergibt. Dasselbe ist vorgesehen für den Fall, dass bei einer Etappierung die zur Verfügung stehenden Wohnungen in der Siedlung nicht für alle Mieter ausreichen sollten. Mit Blick auf alle Eventualitäten sollen die Mieter ihre Wünsche in Bezug auf Beschaffenheit und Lage solcher Wohnungen bei der Geschäftsführerin anbringen. Wird die Sanierung in einem Zug realisiert, dürften, wie Verwaltungsratspräsidentin Fehlmann gestern ausführte, 12 bis 13 Monate dafür genügen. Der Verwaltungsrat prüft, wie die Mieterinnen und Mieter beim Umzug ihrem Bedarf entsprechend unterstützt werden können.

Dass eine «Pinselrenovation» nicht genügt, um das 1974 erbaute Gebäude zu sanieren, versuchte Verwaltungsrätin Barbara Keusch den Mietern zu erklären. Keusch machte den Anwesenden auch klar, dass die Architekten derzeit noch beide Varianten «Sanierung Umbau» und «Sanierung Neubau» prüfen. «Entschieden», so Keusch, «ist noch nichts.» Sicher ist dagegen: In Zukunft soll die Siedlung nicht mehr 43, sondern nur noch 36 Wohnungen (Zweieinhalb- und Anderthalbzimmer-Wohnungen) umfassen.

Pflichtangebot ist vom Tisch

«Nach der Sanierung», versprach Monika Fehlmann gestern, «dürfen Sie als bisherige Mieter mit dem bisherigen Dienstleistungsangebot in die neuen Wohnungen einziehen.» Das habe der Verwaltungsrat so beschlossen. Das heisst: Die bisherigen Mieterinnen und Mieter sind nun vom Bezug der für die späteren Neumieter geltenden «Erweiterten Dienstleistungen» auf Dauer befreit. Für sie ändert nichts, ausser dass sie dannzumal in einer sanierten Wohnung leben werden. Allerdings wird es Vertragsanpassungen geben, da es sich nicht mehr um die gleichen Mietobjekte handelt und die Sanierung auch finanziert werden muss. Oberstes Ziel, sagte Barbara Keusch, seien aber weiterhin «für alle tragbare Mietzinsen».

Den Aktionären soll im November eine Machbarkeitsstudie mit einer ersten Grobkostenschätzung vorgelegt werden. Im Januar 2018 möchte der Verwaltungsrat den Auftrag für die Erarbeitung eines Vorprojektes erteilen. Die nächste Information der Mieterinnen und Mieter ist im Februar 2018 vorgesehen. In der zweiten Hälfte des nächsten Jahres sollten die Architekten das Vorprojekt präsentieren können. Bis Ende 2018 möchte der Verwaltungsrat den Auftrag für das Bauprojekt und den Kostenvoranschlag erteilen.

Über den weiteren Zeitplan, insbesondere den Zeitpunkt des Baubeginns wollte sich Fehlmann gestern noch nicht äussern. Klar sei jedoch: «Bis und mit 2019 wird sich nichts ändern. Sie dürfen ganz sicher bis Ende 2019 hier bleiben.»

Keine «Dienstleistungen à la carte»?

Im Verlaufe der Diskussion meldete sich auch die Präsidentin des Vereins Alterszentrum Suhrhard, Heidi Niedermann, zu Wort. Sie sprach von einem «erkennbaren Willen des Verwaltungsrates, Vertrauen zurückzugewinnen». Wichtig sei in erster Linie, dass es keine Kündigungen gebe, dass eine Lösung in Etappen im Vordergrund stehe und dass für Altmieter das bisherige Angebot ohne Pflichtdienstleistungen unbefristet Gültigkeit habe. Das Wohnen im Alter mit «Dienstleistungen à la carte», so Niedermann, sollte aber in Buchs auch in Zukunft möglich sein. Warum die neue Strategie der Verwaltungsrates dies nicht mehr vorsehe, wurde aus dem Plenum gefragt.

Vizestadtpräsidentin Angelica Cavegn Leitner, welche die Stadt Aarau im Verwaltungsrat der Alterszentrum Suhrhard AG vertritt, versuchte aufzuzeigen, wohin der Trend gemäss aktuellen Studien in Zukunft gehen wird: Die älteren Menschen leben möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden, legen dann allenfalls eine Zwischenphase ein, in der sie ein bisschen Pflege benötigen. Wird der Pflegebedarf grösser, wechseln sie schliesslich ins Pflegeheim. Die heutigen Alterswohnungen an der Rohrerstrasse in Buchs sollen dereinst das Bedürfnis nach selbstständigem Wohnen mit leichter Pflege decken. Wobei leichte Pflege im Fall Suhrhard beispielsweise auch den Bezug mindestens einer Mahlzeit pro Tag beinhalten soll.

Spittel als Zukunftsmusik

Das Wohnen im Alter mit Dienstleistungen «à la carte» könnte in unmittelbarer Nähe der heutigen Alterssiedlung unter Umständen eines Tages wieder möglich werden. Auf Anraten des Gemeinderates von Buchs, so Angelica Cavegn Leitner, hat der Verwaltungsrat mit der Orts- bürgergemeinde Buchs Kontakt aufgenommen, um zu klären, was man allenfalls im Spittel in diesem Bereich anbieten könnte.