Aarau
Nach KBA und «Bleifrei» feierte auch der «ZOO» seine letzte Party

Das Lokal ZOO im Untergeschoss des «Rolling Rock» muss dem Stadion weichen. Rund 350 Partygänger feierten ein letztes Mal bei Minimal und Deep House.

Seraina Ummel
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Gute Stimmung im ZOO: Rund 350 Partygänger feiern ein letztes Mal bei Minimal und Deep House.

Gute Stimmung im ZOO: Rund 350 Partygänger feiern ein letztes Mal bei Minimal und Deep House.

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Schwere, tropisch-feuchte Luft hängt im Saal. Die mit Graffiti verschmierten Wände schaffen es kaum, die wummernden Bässe abzudämpfen. Grelle Lichtstrahlen durchschneiden den Nebel. Es scheint eine gewöhnliche Samstagabendveranstaltung im Club ZOO zu sein. Doch schon auf dem Hinweg lassen die hohen Kräne und ausgebaggerten Erdhaufen erahnen, dass die Disco auf unsicherem Fundament steht. Wieder muss ein Club im künftigen Aarauer Stadiongebiet Torfeld weichen.

Rund 350 Partygänger feierten ein letztes Mal bei Minimal und Deep House im ZOO. Für Clubmanager Dominic Zimmerli ist es der letzte Einsatz in dem von ihm im März 2012 eröffneten Club. Seit Sommer diesen Jahres sei bekannt, dass das Lokal im Keller des Rolling Rock abgerissen werden müsse. Doch als «grausamer FC Aarau Fan» habe er ein lachendes und ein weinendes Auge.

Zimmerli ist für das neue Stadion, zählt munter Gründe auf, die für den Bau sprechen, während er backstage gleichzeitig ein letztes Mal ein ZOO-Bier nippt. An fast jedes Heimspiel sei er gegangen, um 20 Uhr an den Match, drei Stunden später eröffnete er den Club.

«Mir wird etwas fehlen»

Dabeisein, «wenn dann alles plattgewalzt wird», möchte er natürlich. Pragmatisch meint er: «Ein Törli geht zu, ein neues entsteht.» Viel Zwiespalt schwingt in diesem Satz mit.

Im Club drin schaut Sicherheitsmann Tiago für Ordnung auf der Tanzfläche. Auch er ist seit Eröffnung des Lokals Teil vom ZOO-Team. «Als Aarauer wird mir nach der Schliessung etwas fehlen». Man wisse kaum noch, wo man feiern gehen könne. Sagt es und blickt mit ernster Miene nachdenklich über die feiernde Menge.

Diese scheint die letzte Nacht im ZOO in vollen Zügen auszukosten. Mittlerweile ist die Temperatur im Saal munter weiter gestiegen. Der Rauch und die hämmernden Musikboxen scheinen jedes Sinnesorgan zu benebeln.

Etwas abseitssteht Julian. Auch er findet es schade, dass ab jetzt Schluss sein soll im ZOO. Gute Preise und praktisch keine Schlägereien hätten dem Lokal seinen Charme verliehen.

Die Schliessung des Clubs ist an diesem Abend allgegenwärtig. «Aarau als Stadt soll doch auch etwas bieten können», meint ein Partygänger auf dem Nachhauseweg. Wo auch er in Zukunft feiern gehen wird, ist ungewiss.