1909 war der Obstgarten eine «Mädchen-Anstalt», später ein Männerheim für Alkoholkranke. Heute ist er eine Institution für psychisch beeinträchtigte Menschen. Etwa 20 Prozent sind Frauen. Die meisten Betreuten haben irgend eine Form von Alkohol- oder Suchtmittelabhängigkeit. Seit 1978 wird der Obstgarten von der Heilsarmee betrieben. Bisher allerdings nur als Mieter. Denn die Liegenschaft gehört der Aargauischen Evangelischen Frauenhilfe (AEF). Doch das änderte sich nun: Nach jahrelangen, anspruchsvollen Verhandlungen wird der Gebäudekomplex per Ende Jahr verkauft. Für 3,1 Millionen Franken. «Wir können den Obstgarten flexibler entwickeln, wenn wir Besitzer statt nur Mieter sind», erklärt Marco Innocente, Geschäftsleiter Institutionen Ost bei der Heilsarmee.

23,5 Vollzeit-Jobs

Der Obstgarten ist schon heute beachtlich gross. Seit 2013 ist er zweigeteilt: Einerseits das Wohnheim am alten Standort, andererseits der Aussenposten Bibersteinerstrasse 4 (gegenüber dem Hotel Blattmann) mit den Tagesstruktur-Plätzen, die sinnvolle Beschäftigung anbieten.

Das Wohnheim hat 34, die Tagesstruktur 45 Plätze. Aktuell sind 13 Betreute der Tagestruktur «Externe». Sie wohnen nicht in der Institution. Der jüngste Obstgarten-Betreute ist 25 Jahre, der älteste 64 Jahre alt.

Für die Betreuung und den Betrieb stehen 23,5 Stellen (à 100 Prozent) zur Verfügung. Der Leiter Heinrich Bourquin ist schon seit 20 Jahren im Amt.

Modernisierungsbedarf

«Der Obstgarten hat innerhalb der Heilsarmee einen wichtigen Stellenwert», erklärt Innocente. Doch er ist – was das Wohnheim anbetrifft – nicht mehr ganz zeitgemäss. Die Wohnformen haben sich verändert. Statt Einzel- oder Zweierzimmer werden Wohngruppen als optimaler angesehen. Und es gibt unter den Institutionen durchaus einen Konkurrenzdruck. Wer kein zeitgemässes Angebot hat, läuft Gefahr, Probleme zu bekommen. Etwa, weil seine Plätze nicht mehr nachgefragt werden.

Vor diesem Hintergrund sind die Entflechtungsbestrebungen im Obstgarten zu verstehen. «Es waren partnerschaftliche Verhandlungen zwischen der Evangelischen Frauenhilfe und der Heilsarmee. Beide Parteien wollten den bisherigen Betrieb des Obstgartens am jetzigen Standort sichern», betont Innocente.

Wie es mit dem Obstgarten genau weitergehen wird, kann der Heilsarmee-Vertreter noch nicht sagen. Nur so viel: «Wir werden sicher an der Infrastruktur Anpassungen vornehmen.» Die Planungsphase, die rund drei Jahre beanspruchen dürfte, beginnt jetzt. «Es geht um namhafte Investitionsbeträge», erklärt Innocente. Also um Millionen von Franken. Für Innocente ist klar: «Ziel ist es, ein marktfähiges Angebot für die nächsten 25 Jahre zu schaffen.»

Wenn alles optimal läuft, ist der Ausbau in fünf Jahren fertig. Also 2021/22. Fest steht: Es sind für die Obstgarten-Erneuerung keine Zonenplanänderungen notwendig.

Gerne höhere Platzzahl

Liessen sich die Betriebskosten der Institution etwas reduzieren, wenn sie vergrössert würde? Offensichtlich ja, denn Innocente sagt: «Wir würden die Platzzahl im Obstgarten gerne etwas erhöhen.» Aber: «Eine Expansion ist nur dann ein Thema, wenn auch der Sozialdienst des Kantons Aargau zur Überzeugung kommt, dass wir zusätzliche Plätze schaffen sollten.» Es muss also noch viel verhandelt werden, bis der Obstgarten so ist, wie es die Heilsarmee gerne hätte.