Es ist genau ein Jahr her seit ein Mitarbeiter der Stadtpolizei verhaftet wurde. Es ging um häusliche Gewalt. Angezeigt hatte ihn seine Frau. Ermittelt wurde wegen mehrfacher Drohung, Nötigung, Beschimpfung und Tätlichkeiten.

Der 50-Jährige soll seine Frau sogar mit dem Tod bedroht haben. Der Polizist sass vier Monate in Untersuchungshaft, weil befürchtete wurde, er könnte nach der Freilassung ein Verbrechen begehen.

Der Aarauer Stadtrat hatte den Polizisten damals vom Polizeidienst suspendiert. Nach Entlassung aus der Untersuchungshaft im Januar wurde er in einer anderen Abteilung der Stadtverwaltung beschäftigt.

Dann die Wende: Die Ehefrau zog die Anzeige zurück. Das Verfahren wurde  eingestellt.

Am Freitagmorgen teilt die Stadt Aarau nun mit, dass die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom August 2014 das Verfahren gegen den Stadpolizisten eingestellt hat. Er sei damit straf- und zivilrechtlich vollständig rehabilitiert.

Der Stadtrat Aarau hat deshalb beschlossen den Polizeibeamten wieder in den Polizeidienst einzusetzen.

Das Opfer von häuslicher Gewalt die Anzeigen zurückziehen kommt häufig vor. Matthias Lüscher, Stellvertretender Stellenleiter Aargauer Anlaufstelle Häusliche Gewalt in Aarau sieht den Hauptgrund darin, dass das Opfer den Mann eigentlich behalten will. Sie habe mit ihm ja eine Existenz aufgebaut, manchmal hätten sie auch gemeinsame Kinder.

Deshalb wolle sie eigentlich «keinen Täter». Diese Ambivalenz, diese Zwiespältigkeit, lasse viele Frauen auch immer wieder Hoffnung schöpfen, dass sich ihr Mann vielleicht doch ändere. Deshalb würden sie immer und immer wieder auf eine neue Chance hoffen.