Finanzen
Nach drei guten Jahren: Stadt Aarau rechnet im Budget 2021 mit einem Defizit

Die Stadt Aarau belässt den Steuerfuss, verzichtet auf ein Sparprogramm und nimmt ein Defizit in Kauf.

Urs Helbling
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Hanspeter Hilfiker und der Stadtrat Aarau rechnen mit roten Zahlen.

Hanspeter Hilfiker und der Stadtrat Aarau rechnen mit roten Zahlen.

Chris Iseli

Die erste grosse Gemeinde präsentiert ihr Budget 2021. Der Aarauer Stadtrat hat bereits in den letzten Wochen angetönt, in welche Richtung es etwa gehen könnte: Er will unbedingt verhindern, dass die wegen Corona leidende Wirtschaft weiter geschwächt wird – und gibt darum Geld aus. In einer Medienmitteilung heisst es:

Der Stadtrat hält trotz Covid-19-bedingten Steuerausfällen in den Jahren 2021 und 2022 an seinen finanzpolitischen Zielen und geplanten Investitionsvorhaben fest und verzichtet darauf, dem Einwohnerrat ein Sparbudget zu unter- breiten.

Und die Konsumenten sollen bei Laune gehalten werden, indem man ihnen nicht zusätzliche Steuern aufbürdet. Der Steuerfuss bleibt bei 97 Prozent. Das, obwohl die Steuereinnahmen von natürlichen Personen 2021 um 4,5 Millionen Franken sinken werden. Und auch die Firmen werden 1 Million weniger zahlen. Die Stadt ist hier nicht so exponiert, weil ihre wichtigsten juristischen Steuerzahler, die Banken, bisher kaum unter Corona leiden.

Das Vermögen sinkt auf 3969 Franken pro Kopf

Gleich viele Ausgaben bei weniger Einnahmen: Nach drei guten Jahren wird Aarau gemäss dem am Dienstag vorgelegten Budget erstmals wieder erröten und ein Defizit von fast 5 Millionen Franken schreiben – bei einem Gesamtumsatz von 137 Millionen Franken. Es sind rund 21 Millionen Nettoinvestitionen geplant, die zu gut der Hälfte selber finanziert werden können. Die grössten Brocken sind der Bau der Alten Reithalle und die Sanierung der Sportanlage Winkel in Rohr. Letztere ist noch nicht vom Einwohnerrat genehmigt, und das aller Voraussicht nach schwierige Baubewilligungsverfahren steht noch bevor. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eingestellten 2,4 Millionen Franken nicht benötigt werden, ist gross.

Läuft alles so, wie das der Stadtrat angedacht hat, so sinkt das Pro-Kopf-Vermögen im kommenden Jahr auf 3969 Franken (minus 170 Franken).

Mehr Jobs für die Polizei, mehr Lohn in den Heimen

Auf dem Papier steigt die Zahl der Stellen um fast 15 auf 446,1. Allerdings gibt es hier einen administrativen Effekt, weil zehn Ortsbürger-Jobs in die Einwohnergemeinden verschoben werden. Die Stadtpolizei bekommt 1,6 zusätzliche Stellen (aufgrund des Bevölkerungswachstums seit 2003 müssten es 3,85 sein).

Dank der zusätzlichen Jobs können die vier Aussendienst- Gruppen, die im Schichtdienst auf Streife sind, von je fünf auf sechs Mitarbeitende vergrössert werden. Angestrebt werden 30'000 Kontrollen, 4000 mehr als dieses Jahr. Grössere Aufstockungen gibt es auch beim Werkhof (plus 1,7 Stellen) und im Baubewilligungswesen (plus 0,6 Stellen). Für das städtische Personal soll es keine Lohnerhöhung geben. Einzige Ausnahme: die spezialfinanzierten Pflegeheime Herosé und Golatti (je individuell plus 0,5 %).