Aarau
Nach dem zerstörerischen Brand: Nun erstrahlen die Altstadthäuser in neuem Glanz

Ein Brand im Herzen der Aarauer Altstadt beschädigte im September 2019 zwei Häuser in der Rathausgasse stark. Nun sind die Sanierungen weit fortgeschritten – ein Einblick.

Nadja Rohner
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Neue Wohnungen nach dem Altstadtbrand in Aarauer Altstadt
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Der Brand brach am 3. September 2019 nach 17 Uhr aus und verwüstete die Häuser an der Rathausgasse 6/8.
Der Dachstock musste komplett neu aufgebaut werden.
Blick ins Innere einer Wohnung, in der Flammen letztes Jahr grosse Verwüstung hinterlassen haben.
Noch ist vieles in Plastik eingepackt aber die Sanierungen schreiten zügig voran.
Der Blick aus einer neu renovierten Wohnung an der Rathausgasse 6/8 in der Aarauer Altstadt.
Auch die Küche wird neu gemacht.
Blick in die «Werkstube» in der Rathausgasse 6/8.
Hier steht schon der grösste Teil der neuen Küche.
Die Giebel sind wieder bemalt.

Neue Wohnungen nach dem Altstadtbrand in Aarauer Altstadt

Visualisierung: ZVG

Vor einem Jahr entging die Aarauer Altstadt haarscharf einer Katastrophe: Am 3. September, kurz nach Feierabend, fing das Dachgeschoss der im Innern verbundenen Häuser Rathausgasse 6 und 8 Feuer. Später werden die Brandermittler herausfinden, dass eine Zigarette oder Ähnliches Auslöser gewesen war.

Fassungslos schauten die Aarauerinnen und Aarauer zu, wie die Flammen aus den oberen Geschossen der gerade im Umbau befindlichen Häuser schossen. Wie sie sich rasend schnell durch die farbigen Giebel frassen und auf die angebauten Nachbarliegenschaften überzugreifen drohten. Die Stützpunktfeuerwehr Aarau konnte – unterstützt von den Kolleginnen und Kollegen aus Erlinsbach, Küttigen und Zofingen – das Schlimmste verhindern.

Brand in der Aarauer Altstadt
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Am Dienstagabend brach im Dachstock eines Gebäudes in der Aarauer Altstadt ein Brand aus. Zwei Liegenschaften wurden weitgehend zerstört. Der rasche Einsatz der Feuerwehr konnte eine Katastrophe jedoch verhindern.
Weil an den Dächern der beiden betroffenen Häuser gerade Bauarbeiten liefen, standen sie leer. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.
Der Brand in der Aarauer Altstadt brach in einem Dachstock aus und griff danach auf andere Gebäude über.
Der Brand brach kurz nach 17 Uhr aus.
Bereits um 19 Uhr hatten die Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle.
Bis am nächsten Morgen hatte die Feuerwehr aber immer wieder Glutnester zu bekämpfen.
Die Ursache des Feuers ist bislang ungeklärt.
Ebenfalls ungeklärt ist das Ausmass des Schadens.
Die Ecke Kirchgasse/Rathausgasse wurde grossräumig abgeriegelt, Brandwachen wurden errichtet.
Die Feuerwehr Aarau wurde von Erlinsbach, Küttigen und Zofingen verstärkt.
Insgesamt standen rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz.
Eine Katastrophe, nämlich das Übergreifen des Feuers auf andere Altstadthäuser, konnte verhindert werden.
Neben zwei Autodrehleitern und mehreren Tanklöschfahrzeugen wurden auch Atemschutzcontainer sowie ein mobiler Grosslüfter genutzt.
Das Grossaufgebot der Feuerwehr wurde im Verlauf des Abends nach und nach zurückgefahren. Brand in der Aarauer Altstadt, 3.9.19
Eine Brandwache blieb aber noch bis Mittwochmorgen.
Am nächsten Tag zeigten sich dann die Ausmasse der Feuerbrunst.
Die Flammen frassen sich durch den gesamten Dachstock.
Bei dem Feuer handelte es sich um den grössten Brand in der Altstadt seit Jahren.
Auch Nachbarliegenschaften wurden teilweise in Mitleidschaft gezogen, primär durch Wasser oder Russ.
Der Brandherd lag mitten in der Aargauer Altstadt.
Die betroffenen Gebäude wurden weitgehend zerstört.
Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker schrieb auf Facebook von einem «Horrorszenario».
Das ganze Ausmass der Zerstörung – hier in der Ansicht von der Stadtkirche her.
Am Tag danach roch es in der Altstadt noch immer nach Rauch.
Auch am Donnerstagmorgen lag ein verkohlter Geruch in der Luft.
Die Feuerwehr prüft derzeit jede Wohnung einzeln auf ihre Bewohnbarkeit.
Das Gebäude vor dem Umbau. Es handelte sich um eines der grössten Umbauprojekte seit Jahrzehnten in der Aarauer Altstadt. Die Kosten für den Umbau beliefen sich gemäss Baugesuch auf rund 4,5 Millionen Franken.
Müde, aber zufrieden: Feuerwehrkommandant David Bürge gestern Nachmittag in der Rathausgasse.

Brand in der Aarauer Altstadt

Doch das Ausmass der Schäden durch Feuer und Wasser war gross. Insgesamt, so ist mittlerweile klar, liegt die Schadenssumme bei 3,2 Millionen Franken, verteilt auf 14 unterschiedlich stark betroffene Gebäude.

Der Innenausbau ist in vollem Gange

Der Brandgeruch, der letzten September tagelang in den Altstadtgassen gehangen hatte, ist längst weg. Stattdessen riecht es am Eingang zur Baustelle irgendwie nach – neu. «Nach Innenausbau», präzisiert Alexandra Grundmann. Sie ist Geschäftsleitungsmitglied der Suhrer Grundmann Immobilien AG, welcher die Häuser gehören.

Am 1. November sollen sie bezugsbereit sein, genau sieben Monate nach dem ursprünglich vorgesehenen Datum. «Sechs Monate sind Brandverspätung, ein Monat Coronaverspätung.» Dass es nicht mehr sind, liege unter anderem an der enormen Flexibilität der beteiligten Unternehmen sowie an der unkomplizierten Zusammenarbeit mit Stadt und Gebäudeversicherung, so Grundmann.

Glücklicherweise wurden kurz vor dem Brand noch Drohnenaufnahmen und Vermessungen durchgeführt, so dass die komplett zerstörten Dachstöcke relativ einfach rekonstruiert werden konnten. Sogar die Dachverzierungen und die Giebel sind schon wieder da, prächtig bemalt wie früher, man sieht kaum einen Unterschied.

Grosse Feiern konnten nicht stattfinden

Corona hat der Bauherrschaft auch anderweitig einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Die Einladung zur Aufrichte habe ich zweimal geschrieben – und zweimal landete sie wieder im Papierkorb», sagt Grundmann. Auch Tage der offenen Tür hätte die Liegenschaftsbesitzerin gerne durchgeführt, und ein Fest für die Nachbarn, deren Geduld durch diese Grossbaustelle mitten in der Altstadt stark beansprucht wurde. Aufgrund der Coronasituation verzichtet die Familie Grundmann darauf, diese vorgesehenen Feierlichkeiten abzuhalten.

Vom Feuer ist fast nichts mehr zu sehen

Nun ist das Bau-Ende absehbar, wie sich auf einem Rundgang durch die Häuser zeigt. In den unteren Stockwerken sind beim Brand vor allem Wasserschäden entstanden. Deshalb mussten beispielsweise bereits verlegte Unterlagsböden mühsam wieder herausgespitzt und ins Freie getragen werden.

Heute ist vom Feuer praktisch nichts mehr zu sehen. Hier hängen schon die Deckenlampen, dort liegen die Böden unter der Schutzabdeckung. Die Nasszellen sind gefliest, die Küchen fast überall eingebaut. Der Innenausbau kommt sehr modern daher. Da und dort finden sich dennoch Hinweise auf vergangene Tage, etwa ein historischer Türbogen oder ein altes Fenster, beides überraschend bei den Bauarbeiten gefunden und in die Planung integriert. Die Bruchsteinwand im auf ganzer Gebäudehöhe offenen Treppenhaus hätte Alexandra Grundmann gerne roh belassen; doch durch den Brand war sie so brüchig geworden, dass es nicht ohne Verputz ging.

Der Brand in der Aarauer Altstadt am 3. September 2019:

Die Wohnungen können besichtigt werden

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss wird ein CoWorking einziehen (popupworkaarau.ch, Start am 13. November). Die dazugehörige Kaffee-Bar ist schon montiert – künftig werden auch Passanten hier einkehren können. Neben verschiedenen Arbeitsplatz-Formen (Sitzungsräume, offene Flächen, ruhige Ecken) hat das CoWorking einen Aufenthaltsraum mit Küche. Es ist barrierefrei, genauso wie sieben der zehn Wohnungen in den oberen Geschossen. Sie können ab November bezogen werden.

Erste Besichtigungen haben stattgefunden, vier Wohnungen sind schon reserviert. Alexan­dra Grundmann stellt eine gute Nachfrage fest; vielleicht auch, weil die Häuser jetzt eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Schon in der Brand-Nacht hat Grundmann ein Mail eines Interessenten erhalten.

Die zehn Wohnungen haben 1,5 bis 3,5 Zimmer oder sind grosse Lofts. Fast alle weisen ungewöhnliche und individuelle Grundrisse auf, vier ziehen sich über zwei Stockwerke, in einer schläft man auf einer Empore mitten im Raum. Aus dem erstaunlich hellen Dachgeschoss zeigt sich eine der schönsten Aussichten der Altstadt. Die Preise bewegen sich zwischen 1280 und 3370 Franken. Bald wird also in der Rathausgasse optisch nichts mehr an den Grossbrand erinnern – den Aarauern und auch der Familie Grundmann wird er aber noch länger im Gedächtnis bleiben.

Die Liegenschaftsbesitzerin hatte alles getan, um den Brand zu verhindern. So enthielten die Werkverträge beispielsweise ein Rauchverbot, und brandgefährliche Arbeiten mussten vorangemeldet und speziell begleitet werden. Dass trotzdem etwas passiert ist, bezeichnet Alexandra Grundmann als «Unfall»: Gerade bei einem grossen Umbau mit alter Bausubstanz in Holz bleibt durch den Faktor Mensch wohl ein Restrisiko bestehen.

Wer mutmasslich mit seiner Zigarette den Brand ausgelöst hat, wird wohl nie ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren sistiert. Der Schaden wurde vollständig durch die Versicherung übernommen.

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