Aarau

Nach dem Wakkerpreis-Lob: Das sind die unschönen Seiten der Stadt Aarau

Die Kantonshauptstadt hat den Wakkerpreis gewonnen. Ist sie also ein einziges Bijou? Nein: Es gibt auch einige Orte, die nicht Wakkerpreis-tauglich und nichts Besonderes fürs Auge sind.

Einen Tag nachdem die Stadt mit Lob für ihre Entwicklung überhäuft wurde, hängt eine bleiche Nebeldecke über Aarau. Was an sonnigen Tagen nicht schön ist, ist nun hässlich.

Wir müssen deshalb nicht lange suchen, um in Aarau Orte zu finden, die nie und nimmer einen Wakkerpreis verdient haben. Orte, wo Aarau trotz der ehrenvollen Auszeichnung noch an sich arbeiten muss. Wir finden Verdichtungen, aber eben nicht «qualitätsvoll verdichtet», wie der Schweizer Heimatschutz schrieb. Sodass man sich unwohl fühlt in der Nähe. Hier will man im Sommer sein Sandwich über Mittag lieber nicht essen: Rund um den City-Märt, entlang der Bahnhofstrasse auf deren südlicher Seite und rund um den Gais-Kreisel.

An diesen Stücken der Bahnhofstrasse (siehe Fotos) und in der Igelweid ist nicht ein einzelnes Gebäude schuld an der Hässlichkeit – es ist die Masse der Häuserfront, die man nicht versteht. Baustoffe, Grautöne und Fensteraufteilungen stehen wild nebeneinander und doch schafft es kein Haus, sich zu behaupten. Das Wirrwarr verschmilzt zu einer abweisenden Mauer. Hier trifft wohl zu, was ein Leser geschrieben hat: «Aarau empfinde ich wie eine alte Frau, die sich dauern liften lässt. Das Gesicht wird zubetoniert.»

Sterile Klötze

Schlicht und geordnet stehen hingegen die drei neuen Gebäude um den Gais-Kreisel. Doch hier sind die Fassaden so glatt, die Winkel so scharf, dass die Bauten sterile Klötze werden. Nichts ist verspielt, es gibt keine Verzierungen oder farbliche Schönheiten fürs Auge. Auch hier kein Ort, um das Sandwich zu essen.

Die Unförmigkeit ist es, welche den «Aarauerhof» und die Markthalle schwer verdaulich macht. Gross und grau steht das Hotel schon zu lange am Bahnhof. Auf der anderen Seite des Platzes der Bau mit den braun-grünen Platten, der auch nach der Fassadenrenovation nicht schöner geworden ist. Chance verpasst. Vielleicht war das Problem auch unlösbar.

Ebenfalls nicht schöner ist der Färberplatz geworden, seit die Markthalle draufsteht. An sich kein hässlicher Bau, versperrt die Halle den Platz und ist so dunkel und leer, dass man sie nicht betreten will. Erst wenn hier Sandwiches gegessen werden, ist der Ort tatsächlich «qualitätsvoll verdichtet». Im Frühling wird auch ohne Wakker-Preis-Leporello klar werden, wo in der Innenstadt gute Architektur steht: Dort, wo die Leute verweilen.

Aarau erhält den Wakkerpreis 2014: Impressionen

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