Oberentfelden
Nach dem Tod von Prinzessin Diana flüchtete ihr Personal Trainer zurück in den Aargau

Im Aargau aufgewachsen, war Jason (48) der Personaltrainer von Prinzessin Diana. Nach ihrem Tod vor 20 Jahren flüchtete er vor den Paparazzi zurück in den Aargau und lebt nun in Oberentfelden.

Katja Schlegel
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«Diana strahlte eine Gelassenheit aus, die mich nachhaltig beeindruckt hat», sagt Jason. Auch 20 Jahre nach ihrem Tod denkt er noch häufig an sie

«Diana strahlte eine Gelassenheit aus, die mich nachhaltig beeindruckt hat», sagt Jason. Auch 20 Jahre nach ihrem Tod denkt er noch häufig an sie

Keystone/Sandra Ardizzone

Vor der Tür lagen Blumen. Viele Blumen. Jason dachte an einen Verkehrsunfall, vielleicht war ein Fussgänger im dichten Verkehr überfahren worden, und schloss die Türen des Fitnessstudios auf. Wie jeden Morgen. Er machte Licht, startete die Computer, sah die Post durch, braute Kaffee, schaltete die Fernseher an. Dann begann das Telefon zu klingeln.

Wildfremde Menschen sprachen ihm ihr Beileid aus und Jason verstand die Welt nicht mehr.
Es war der Morgen des 31. August 1997, der Morgen nach dem Unfall in einem Pariser Tunnel, bei dem Prinzessin Diana, ihr Partner Dodi Al-Fayed und der Fahrer des Wagens starben.
Jason war Dianas Personal Trainer.

Zehn Monate lang hatte er zwei- bis dreimal pro Woche mit ihr trainiert, letztmals zehn Tage vor ihrem Tod, bevor sie mit Dodi nach Sardinien in die Ferien fuhr. Und jetzt stand Jason vor dem Fernseher, sah die Bilder aus dem Tunnel, die Blumenmeere, die weinenden Menschen.

Der pure Zufall

«Ein furchtbarer Moment», sagt Jason. Selbst heute, 20 Jahre nach ihrem Tod, denkt er noch immer viel an Lady Di. Auch die Erinnerungsstücke an sie bewahrt er auf; die letzte Abrechnung für seine Trainingseinheiten, die ihm ihr Sekretariat zugeschickt hat, die persönliche Einladung zur Abdankungsfeier in der Westminster Abbey, das Programm, das jeder Trauergast bekam, Interviews aus der Zeit danach, Dankesschreiben von Zeitungen und Fernsehstationen. Nur gemeinsame Fotos gibt es keine.

Dass Jason Personal Trainer der Princess of Wales wurde, ist purer Zufall. Geboren in England, kommt Jason mit zwölf Jahren mit seiner Mutter, einer Schweizerin, nach Küttigen. Hier macht er die Schule fertig, hier blüht seine Begeisterung für Sport und Musik auf. Mit 19 gewinnt er die DJ-Schweizer-Meisterschaft, er träumt von der grossen Karriere und kehrt dafür zurück nach England. Doch da wartet keiner auf den DJ aus Küttigen.

«Diana's World» Ein Artikel aus der Daily Mail, in der auch Jason zu Wort kam.

«Diana's World» Ein Artikel aus der Daily Mail, in der auch Jason zu Wort kam.

Weil er Geld braucht, macht Jason die Ausbildung zum Instruktor, später die zum Personal Trainer. Er reist auf der ganzen Welt herum, trainiert Supermodels und Spitzensportler, und arbeitet in London in einem Gym gemeinsam mit Dianas damaliger Personal Trainerin. «Irgendwann kam der Anruf aus dem Buckingham Palace, Diana suche einen neuen Trainer, ob ich Interesse hätte.» Jason lacht. «Ich dachte erst, da verarscht mich einer.»

Dass Jason die Prinzessin von Wales trainiert, wissen damals nur seine Arbeitskollegen und seine Eltern. Es herrscht Stillschweigen darüber. Nicht wegen eines Vertrages, es ist Ehrensache. Jason weiss, wie sehr die englischen Boulevardblätter nach süffigen Geschichten lechzen, nach unvorteilhaften Aufnahmen der Prinzessin, und er verachtet sie dafür. Deshalb hält er den Mund, deshalb trainieren die beiden frühmorgens, wenn das Gym noch geschlossen ist. Zu erzählen hätte er einiges, Diana vertraut ihm. «Wir haben viel miteinander geplaudert, über Beziehungen, Kinder, alltägliche Dinge», sagt Jason. Dass sie eine Prinzessin war, habe er in solchen Momenten vergessen. «Diana legte viel Wert auf Normalität, nie hätte sie beispielsweise gewollt, dass ich einen Knicks vor ihr mache.»

Und doch bekommt auch Jason zu spüren, dass Dianas Welt mit Normalität nicht viel zu tun hat. Als sie ihn fragt, ob er ihr einen Film empfehlen könne, und er sie mit den beiden Prinzen in einen Streifen schickt, in dem Brad Pitt einen IRA-Terroristen spielt, spielt die Presse verrückt. «Da habe ich erst gemerkt, wie sehr Diana unter Beobachtung steht, wie viele Fettnäpfchen bei jedem Schritt lauern.»

 Prinzessin Diana hiess mit ledigem Namen Diana Spencer
13 Bilder
 1981: Als die damalige Verlobte von Prinz Charles ihren ersten öffentlichen Auftritt hat, trug Diana das legendäre Abendkleid.
 Hochzeit mit Prinz Charles am 29. Juli 1981 in London: Dianas Schleppe war ganze 7,6 Meter lang.
 Dieses Bild ging um die Welt: Prinz Charles küsst seine Diana.
 "Lady Di" entwickelte sich von der schüchternen Kindergärtnerin zur Königin der Herzen (Archiv)
 Ein Leben in der Öffentlichkeit: Knapp einen Monat nach der Geburt von Prinz Harry posiert die junge Familie im Oktober 1984 vor der Kamera.
 Auch die Amerikaner sind von Diana begeistert: Präsident Ronald Reagan und seine Frau Nancy begrüssen die Prinzessin 1985 im Weissen Haus.
 Prinzessin Diana bei einem Besuch in Australien: Zeitweise galt sie als die meistfotografierte Frau der Welt.
 Diana und Mutter Theresa bei einem Treffen 1992: Die beiden Frauen gelten in England als die grössten Heldinnen des 20. Jahrhunderts.
 Diana war in Grossbritannien überaus beliebt. Bis heute wird sie auch Lady Diana oder Lady Di genannt.
 Skiferien in der Schweiz: Prinz Charles und Diana verbringen 1996 ihren Skiurlaub in Klosters.
 31. August 1997: Prinzessin Diana stirbt bei einem Autounfall. Sie wird 36 Jahre alt.
 Nicht nur England, sondern die ganze Welt trauerte um die Königin der Herzen. Zehn Jahre nach ihrem Tod wird immer noch mit Blumen und Bildern gedenkt.

Prinzessin Diana hiess mit ledigem Namen Diana Spencer

Keystone

Lady Di und ihre Cellulite

Wenn Jason sagt, dass Diana ihn anhaltend geprägt hat, ist das nicht einfach so dahingesagt. «Ich habe keine zweite Person getroffen, die eine so positive Einstellung zum Leben hatte.» Und das, obwohl sie damals, Mitte der Neunzigerjahre, allen Grund dazu gehabt hätte, im Bett zu bleiben und sich die Decke über den Kopf zu ziehen. Die englische Presse zerriss sich das Maul über die Prinzessin; eben war die Scheidung von Prince Charles rechtskräftig geworden, Diana hatte verschiedene Liebhaber gehabt und in einem TV-Interview hatte sie offenherzig über ihre Beziehung zum Königshaus erzählt. Überall und ständig lauerten ihr Fotografen und Journalisten auf, um Material für die nächste Schlammschlacht zu sammeln. «Doch Diana kümmerte das nicht», sagt Jason.

Ein trauriges Erinnerungsstück an Lady Di – die Einladung zur Trauerfeier.

Ein trauriges Erinnerungsstück an Lady Di – die Einladung zur Trauerfeier.

San

Egal wie gross der Druck war, sie habe sich nicht stressen lassen, habe immer einen Grund zum Lachen gefunden. «Diana strahlte eine Gelassenheit aus, die mich nachhaltig beeindruckt hat», sagt Jason. Er erinnert sich an den Moment auf dem Laufband, als im Fernseher vor ihnen ein Foto aufflimmerte, das sie in einem Badeanzug mit Leopardenmuster mitsamt ihrer Cellulite zeigte. Ihm habe der Atem gestockt. «Diana aber lachte nur laut heraus und meinte, wir müssten härter an ihrem Po und den Oberschenkeln arbeiten.»

Nach Dianas Tod stürzen sich die Medien auf jeden, der die Prinzessin in den letzten Wochen und Tagen erlebt hat. Auch auf Jason. Und er erlebt ein bisschen von dem Irrsinn, wie ihn Diana Tag für Tag ertragen musste. Als er sich in Spice-Girl Mel B verliebt, ist das ein gefundenes Fressen für die Boulevardkönige. Eine schmutzige Schlagzeile jagt die andere, bis die Beziehung schliesslich nach einem knappen Jahr daran zerbricht.

Heute ist das alles vorbei und vergessen, er hat das Vergangene abgeschüttelt; deshalb möchte er auch nicht mit seinem Nachnamen genannt werden. Jason hat sein Glück in einem Einfamilienhausquartier in Oberentfelden gefunden, weit weg von London, von Boulevard und Königshaus, mit seiner Frau und den beiden Töchtern, in Aarau arbeitet er in einem Fitnessstudio. Noch sind die Mädchen zu klein, um zu verstehen, dass ihr Vater eine echte Prinzessin gekannt hat. Aber im August will Jason mit ihnen nach London fahren und an einer der Gedenkfeiern teilnehmen. Gemeinsam werden sie ihr eine Blume bringen, Diana, dieser besonderen Frau – der Königin der Herzen.

Meistfotografierte Frau der Welt

Am 29. Juli 1981 heiratet der britische Thronfolger Charles die 20-jährige Kindergärtnerin Diana Spencer. 750 Millionen Zuschauer verfolgen die Zeremonie im Fernsehen. Das Paar bekommt zwei Söhne, Prinz William und Prinz Harry. Doch in der Ehe kriselt es bald, Charles’ Herz schlägt für Camilla Parker Bowles. Prinzessin Diana leidet und die Welt mit ihr. Diana bekommt viel Aufmerksamkeit, gilt als die meistfotografierte Frau ihrer Zeit. Und sie weiss die Aufmerksamkeit zu nutzen, sie setzt sich gegen Landminen ein, sammelt Geld für Leprakranke und Krebspatienten und wehrt sich öffentlich gegen die Königsfamilie, von deren Verhalten sie so enttäuscht ist.

1992 trennen sich Diana und Charles, 1996 wird die Ehe geschieden. Am 31. August 1997 wird Prinzessin Diana (36) bei einem Autounfall in Paris tödlich verletzt. Ihr Freund Dodi Al-Fayed und der Fahrer des Wagens sterben noch auf der Unfallstelle. Stunden später erliegt Diana im Spital ihren Verletzungen. Rund 3 Millionen Menschen sehen den Trauerzug durch London – die Trauerfeier im Fernsehen verfolgen rund 2,5 Milliarden.