Aarau
Nach dem Brand in der Altstadt: Das sind die Pläne für den «Schlüssel» und das «Schwert»

Nach dem Brand in der Aarauer Altstadt erklärt die Familie Grundmann ihre Pläne mit den zwei Gebäuden. Die Dachstühle hätten eigentlich bloss saniert werden sollen. Nun müssen sie komplett neu aufgebaut werden. Dafür braucht es ein neues Baugesuch.

Nadja Rohner
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Was heute noch komplett verbrannt ist...

Was heute noch komplett verbrannt ist...

...soll zu einer hellen, modernen Dachwohnung werden.

...soll zu einer hellen, modernen Dachwohnung werden.

45 Tage sind vergangen, seit die Aarauer Altstadt nur knapp einer Brandkatastrophe entkam. Der Schaden an den Liegenschaften «zum Schlüssel» und «zum Schwert» (Rathausgasse 6 und 8) beträgt mehrere Millionen. Die beiden im Innern verbundenen Häuser gehören dem Suhrer Familienunternehmen Grundmann Immobilien AG. Mittlerweile, so sagt Alexandra Grundmann, Mitglied der Geschäftsleitung, sei wieder so etwas wie Normalität im Betrieb eingekehrt. Und: Die Grundmann Immobilien AG weiss nun, wie es mit den beiden Liegenschaften weitergeht.

Die Altstadthäuser, in denen sich früher das Möbelgeschäft Strebel befand, wurden gerade zu Wohn- und Büroräumen umgebaut, als der Brand ausbrach. Die Arbeiten hätten im kommenden Frühling abgeschlossen werden sollen. Dieser Termin verschiebe sich nun um mindestens ein halbes Jahr, so Alexandra Grundmann.

Brand in der Aarauer Altstadt
29 Bilder
Am Dienstagabend brach im Dachstock eines Gebäudes in der Aarauer Altstadt ein Brand aus. Zwei Liegenschaften wurden weitgehend zerstört. Der rasche Einsatz der Feuerwehr konnte eine Katastrophe jedoch verhindern.
Weil an den Dächern der beiden betroffenen Häuser gerade Bauarbeiten liefen, standen sie leer. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.
Der Brand in der Aarauer Altstadt brach in einem Dachstock aus und griff danach auf andere Gebäude über.
Der Brand brach kurz nach 17 Uhr aus.
Bereits um 19 Uhr hatten die Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle.
Bis am nächsten Morgen hatte die Feuerwehr aber immer wieder Glutnester zu bekämpfen.
Die Ursache des Feuers ist bislang ungeklärt.
Ebenfalls ungeklärt ist das Ausmass des Schadens.
Die Ecke Kirchgasse/Rathausgasse wurde grossräumig abgeriegelt, Brandwachen wurden errichtet.
Die Feuerwehr Aarau wurde von Erlinsbach, Küttigen und Zofingen verstärkt.
Insgesamt standen rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz.
Eine Katastrophe, nämlich das Übergreifen des Feuers auf andere Altstadthäuser, konnte verhindert werden.
Neben zwei Autodrehleitern und mehreren Tanklöschfahrzeugen wurden auch Atemschutzcontainer sowie ein mobiler Grosslüfter genutzt.
Das Grossaufgebot der Feuerwehr wurde im Verlauf des Abends nach und nach zurückgefahren. Brand in der Aarauer Altstadt, 3.9.19
Eine Brandwache blieb aber noch bis Mittwochmorgen.
Am nächsten Tag zeigten sich dann die Ausmasse der Feuerbrunst.
Die Flammen frassen sich durch den gesamten Dachstock.
Bei dem Feuer handelte es sich um den grössten Brand in der Altstadt seit Jahren.
Auch Nachbarliegenschaften wurden teilweise in Mitleidschaft gezogen, primär durch Wasser oder Russ.
Der Brandherd lag mitten in der Aargauer Altstadt.
Die betroffenen Gebäude wurden weitgehend zerstört.
Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker schrieb auf Facebook von einem «Horrorszenario».
Das ganze Ausmass der Zerstörung – hier in der Ansicht von der Stadtkirche her.
Am Tag danach roch es in der Altstadt noch immer nach Rauch.
Auch am Donnerstagmorgen lag ein verkohlter Geruch in der Luft.
Die Feuerwehr prüft derzeit jede Wohnung einzeln auf ihre Bewohnbarkeit.
Das Gebäude vor dem Umbau. Es handelte sich um eines der grössten Umbauprojekte seit Jahrzehnten in der Aarauer Altstadt. Die Kosten für den Umbau beliefen sich gemäss Baugesuch auf rund 4,5 Millionen Franken.
Müde, aber zufrieden: Feuerwehrkommandant David Bürge gestern Nachmittag in der Rathausgasse.

Brand in der Aarauer Altstadt

Dachstühle müssen komplett neu aufgebaut werden

Von aussen sieht man, dass der Dachstock beider Gebäude praktisch komplett verbrannt ist. Wie sieht es im Innern aus? Laut Alexandra Grundmann sind das vierte und fünfte Obergeschoss durch den Brand stark beschädigt oder komplett zerstört. Auch die Decke des dritten Obergeschosses zeige Brandspuren; die Holzbalken seien teilweise verkohlt und bereits montierte Dämmung und Haustechnikinstallationen geschmolzen. «In den darunterliegenden Geschossen hat es lediglich Wasserschäden, die aber der Gebäudesubstanz und den bereits verbauten Materialien zusetzen», sagt Alexandra Grundmann.

Die beiden Dachstühle hätten eigentlich bloss saniert werden sollen. Nun müssen sie komplett neu aufgebaut werden. Dafür braucht es ein neues Baugesuch. Die Liegenschaftsbesitzerin hat Glück im Unglück, wie Alexandra Grundmann erklärt: «Vor Beginn des Umbaus haben wir detaillierte 3D-Aufnahmen sowie Drohnenaufnahmen beider Gebäude erstellt. Vorher gab es keinerlei Pläne. Nun haben wir eine gute Grundlage.»

Was den Innenausbau betrifft, will die Grundmann Immobilien AG am ursprünglichen Projekt festhalten. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss entstehen Büroräume für die Co-Working-Genossenschaft Aarau, die ihren temporären Aufenthalt im ehemaligen IBA-Gebäude an der Oberen Vorstadt verlängern darf.

In den Stockwerken zwei bis fünf sind zehn Wohnungen geplant. «Sieben davon sind barrierefrei und haben einen Lift, sie eignen sich also auch hervorragend für ältere Mieter», sagt Grundmann. «Mitte September hätte die Vermietung der Wohnungen starten sollen – nun verschiebt sich auch dieser Termin nach hinten.» Das Interesse ist schon gross – und durch den Brand nicht kleiner geworden. «Ich habe noch in der Nacht des Brandes ein Mail eines Interessenten erhalten», so Grundmann.

Die Aufräumarbeiten haben begonnen

Kürzlich nutzte die Grundmann Immobilien AG die strassensanierungsbedingte Sperrung der Altstadt, um vor den beiden Häusern einen Kran zu montieren. «Letzte Woche haben nun vor Ort die Aufräum- und Rückbauarbeiten begonnen», so Alexandra Grundmann. Dabei versucht man, so viel historische Elemente wie möglich zu erhalten «Was unbeschädigt ist, wird zur Seite gelegt. Zum Beispiel spezielle Balken des Hauses 8 oder der fast unbeschädigte Dachhimmel von Nummer 6. Wir können diese Elemente wiederverwenden, oder sie dienen als Vorlage für die Rekonstruktion.» Von aussen werden die beiden Häuser künftig mehr oder weniger gleich aussehen wie bisher. Einfach neu. Auch die Giebel werden wieder bemalt.

Ermittlungen zu Brandursache laufen noch

Noch immer unklar ist indes, was den Brand verursacht hat. Die Ermittlungen laufen noch, heisst es bei der Kantonspolizei. Erstellt ist, dass vor Brandausbruch am Dach gearbeitet wurde. Alexandra Grundmann betont: «Wir haben verschiedene Brandpräventionsmassnahmen ergriffen, die laut Feuerwehr und Gebäudeversicherung vorbildlich waren. In den Verträgen mit den Handwerksbetrieben war zum Beispiel ein Rauchverbot mit drin; brand-gefährliche Arbeiten durften nur auf Voranmeldung ausgeführt werden, und am Abend wurde jeweils ein Kontrollgang durchgeführt.»

Just in dem kurzen Zeitfenster zwischen dem Feierabend für die Handwerker und dem Kontrollgang sei das Feuer ausgebrochen. Grundmann: «Für die folgenden Arbeiten haben wir die Massnahmen nochmals verschärft. Doppelt so viele Feuerlöscher, mehr Kontrollgänge, regelmässige Begehungen mit der Feuerwehr.»