Aarau

Nach dem Brand in der Altstadt: Das sind die Pläne für den «Schlüssel» und das «Schwert»

Nach dem Brand in der Aarauer Altstadt erklärt die Familie Grundmann ihre Pläne mit den zwei Gebäuden. Die Dachstühle hätten eigentlich bloss saniert werden sollen. Nun müssen sie komplett neu aufgebaut werden. Dafür braucht es ein neues Baugesuch.

45 Tage sind vergangen, seit die Aarauer Altstadt nur knapp einer Brandkatastrophe entkam. Der Schaden an den Liegenschaften «zum Schlüssel» und «zum Schwert» (Rathausgasse 6 und 8) beträgt mehrere Millionen. Die beiden im Innern verbundenen Häuser gehören dem Suhrer Familienunternehmen Grundmann Immobilien AG. Mittlerweile, so sagt Alexandra Grundmann, Mitglied der Geschäftsleitung, sei wieder so etwas wie Normalität im Betrieb eingekehrt. Und: Die Grundmann Immobilien AG weiss nun, wie es mit den beiden Liegenschaften weitergeht.

Die Altstadthäuser, in denen sich früher das Möbelgeschäft Strebel befand, wurden gerade zu Wohn- und Büroräumen umgebaut, als der Brand ausbrach. Die Arbeiten hätten im kommenden Frühling abgeschlossen werden sollen. Dieser Termin verschiebe sich nun um mindestens ein halbes Jahr, so Alexandra Grundmann.

Dachstühle müssen komplett neu aufgebaut werden

Von aussen sieht man, dass der Dachstock beider Gebäude praktisch komplett verbrannt ist. Wie sieht es im Innern aus? Laut Alexandra Grundmann sind das vierte und fünfte Obergeschoss durch den Brand stark beschädigt oder komplett zerstört. Auch die Decke des dritten Obergeschosses zeige Brandspuren; die Holzbalken seien teilweise verkohlt und bereits montierte Dämmung und Haustechnikinstallationen geschmolzen. «In den darunterliegenden Geschossen hat es lediglich Wasserschäden, die aber der Gebäudesubstanz und den bereits verbauten Materialien zusetzen», sagt Alexandra Grundmann.

Die beiden Dachstühle hätten eigentlich bloss saniert werden sollen. Nun müssen sie komplett neu aufgebaut werden. Dafür braucht es ein neues Baugesuch. Die Liegenschaftsbesitzerin hat Glück im Unglück, wie Alexandra Grundmann erklärt: «Vor Beginn des Umbaus haben wir detaillierte 3D-Aufnahmen sowie Drohnenaufnahmen beider Gebäude erstellt. Vorher gab es keinerlei Pläne. Nun haben wir eine gute Grundlage.»

Aus der Vogelperspektive: das Ausmass des Brandes in der Aarauer Altstadt am Tag danach. (4. September 2019)

Aus der Vogelperspektive: das Ausmass des Brandes in der Aarauer Altstadt am Tag danach. (4. September 2019)

Was den Innenausbau betrifft, will die Grundmann Immobilien AG am ursprünglichen Projekt festhalten. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss entstehen Büroräume für die Co-Working-Genossenschaft Aarau, die ihren temporären Aufenthalt im ehemaligen IBA-Gebäude an der Oberen Vorstadt verlängern darf.

In den Stockwerken zwei bis fünf sind zehn Wohnungen geplant. «Sieben davon sind barrierefrei und haben einen Lift, sie eignen sich also auch hervorragend für ältere Mieter», sagt Grundmann. «Mitte September hätte die Vermietung der Wohnungen starten sollen – nun verschiebt sich auch dieser Termin nach hinten.» Das Interesse ist schon gross – und durch den Brand nicht kleiner geworden. «Ich habe noch in der Nacht des Brandes ein Mail eines Interessenten erhalten», so Grundmann.

Das Feuer in der Altstadt von Aarau (3. September 2019)

Das Feuer in der Altstadt von Aarau (3. September 2019)

Die Aufräumarbeiten haben begonnen

Kürzlich nutzte die Grundmann Immobilien AG die strassensanierungsbedingte Sperrung der Altstadt, um vor den beiden Häusern einen Kran zu montieren. «Letzte Woche haben nun vor Ort die Aufräum- und Rückbauarbeiten begonnen», so Alexandra Grundmann. Dabei versucht man, so viel historische Elemente wie möglich zu erhalten «Was unbeschädigt ist, wird zur Seite gelegt. Zum Beispiel spezielle Balken des Hauses 8 oder der fast unbeschädigte Dachhimmel von Nummer 6. Wir können diese Elemente wiederverwenden, oder sie dienen als Vorlage für die Rekonstruktion.» Von aussen werden die beiden Häuser künftig mehr oder weniger gleich aussehen wie bisher. Einfach neu. Auch die Giebel werden wieder bemalt.

Ermittlungen zu Brandursache laufen noch

Noch immer unklar ist indes, was den Brand verursacht hat. Die Ermittlungen laufen noch, heisst es bei der Kantonspolizei. Erstellt ist, dass vor Brandausbruch am Dach gearbeitet wurde. Alexandra Grundmann betont: «Wir haben verschiedene Brandpräventionsmassnahmen ergriffen, die laut Feuerwehr und Gebäudeversicherung vorbildlich waren. In den Verträgen mit den Handwerksbetrieben war zum Beispiel ein Rauchverbot mit drin; brand-gefährliche Arbeiten durften nur auf Voranmeldung ausgeführt werden, und am Abend wurde jeweils ein Kontrollgang durchgeführt.»

Just in dem kurzen Zeitfenster zwischen dem Feierabend für die Handwerker und dem Kontrollgang sei das Feuer ausgebrochen. Grundmann: «Für die folgenden Arbeiten haben wir die Massnahmen nochmals verschärft. Doppelt so viele Feuerlöscher, mehr Kontrollgänge, regelmässige Begehungen mit der Feuerwehr.»

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