«Der Geruch ist schon abartig», sagt Roland Nussbaum und verzieht das Gesicht. Eine Mischung aus Russ, Gülle und Schwefel liegt in der Luft. Es ist nicht einfach für den Bauern, dessen Wohnhaus direkt neben der Brandstätte steht, tagtäglich die Zerstörung zu sehen. «Das kann einem schon aufs Gemüt schlagen», sagt der 53-Jährige.

Vor eineinhalb Monaten, in der Nacht auf den 24. Februar, brach auf dem Aemethof in Densbüren ein Feuer aus. Die Scheune brannte komplett nieder – mit ihr die Photovoltaikanlage der IBAarau im Wert von mehreren hunderttausend Franken.

Ein Glück, dass die Feuerwehr schnell zur Stelle war: Weder Mensch noch Tier kam zu Schaden, ein Übergriff der Flammen auf die benachbarten Häuser konnte verhindert werden. Der Sachschaden allerdings war gross; er kann noch immer nicht genau beziffert werden.

Lodernde Flammen in Densbüren.

Lodernde Flammen in Densbüren.

Ein harter Schlag für die vierköpfige Betriebsgemeinschaft Synfarms, welcher der Aemethof gehört. Eines der Mitglieder ist Roland Nussbaum. Sechseinhalb Wochen nach dem Unglück zieht er Bilanz: «Die Solidarität war extrem – jeder half, wie er konnte.» Er lobt den Gemeindeammann, der nachts um zwei Uhr auf dem Platz stand, die Bauern, die sofort 30 Viehwagen bereitstellten und die Dorfbewohner, welche die Feuerwehrmänner bekochten. «Es war alles perfekt durchorganisiert», sagt Nussbaum. Obwohl er, der Hausherr, selber gar nicht vor Ort war: Nussbaum weilte auf einer Kreuzfahrt in der Dominikanischen Republik.

570'000 Franken für Neubau

Jetzt aber ist Roland Nussbaum da und hat die Fäden in die Hand genommen. In absoluter Rekordzeit wurde das Baugesuch für den Wiederaufbau ausgearbeitet. Bis am 7. Mai liegt es auf der Gemeindeverwaltung von Densbüren öffentlich auf, die Bauprofile sind schon aufgestellt.

570'000 Franken kostet die neue Scheune. Roland Nussbaum überwacht erste Arbeiten, die eben begonnen haben. Fünf bis sieben Handwerker sind im Einsatz. «Jetzt gilt es, Gas zu geben», sagt Nussbaum. Zwar hätten sie eine Ertragsausfallversicherung, aber die zahle nicht ewig. Das ehrgeizige Ziel: Bis im August soll der Hof wieder betriebsbereit sein.

Noch tiergerechterer Stall

Roland Nussbaum will jetzt nach vorne blicken: «Es nützt nichts zu jammern, die Welt falle auseinander. Wir sehen den Brand auch als Chance.» Als Chance, verschiedene Sachen besser zu machen, als sie in der 30-jährigen Scheune waren. Beim Neubau soll der Heustock dreimal grösser werden, dafür werden die Silos nicht ersetzt – insgesamt wird der Stall noch tiergerechter. Zudem wird das neue Gebäude zwei Meter höher als das bisherige. Ansonsten soll die Scheune praktisch unverändert und zum selben Gebrauch wieder aufgebaut werden – auch die 520 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage. Die IBAarau hat gegenüber der «Neuen Fricktaler Zeitung» entsprechende Pläne geäussert.

Ob es ihn belastet, dass die Brandursache noch immer nicht geklärt ist? Roland Nussbaum winkt ab. «Ich würde eher sagen, dass es mich entlastet, weil verschiedene Brandursachen ausgeschlossen werden konnten.» Nämlich Brandstiftung in jeglicher Form, sei es durch Familienmitglieder oder Handwerker. «Es ist erleichternd, dass es keine Schuldzuweisungen gibt.» Roland Nussbaum hat aber schon seine Vermutungen, worin die Ursache liegen könnte: «Wir müssen realistisch sein: Das war keine normale Scheune, da hatte es sehr viel Technik drin.» Die Scheune sei das «Herz und Hirn» des Betriebs gewesen, so Nussbaum weiter.

«Seit dem Brand haben wir weder Strom noch Wasser im Stall.» Aus diesem Grund können die 120 Kühe der Synfarms im Moment nicht auf dem Aemethof leben: Am Tag nach dem Brand wurden sie nach Chur gebracht, auf einen der grössten Bauernbetriebe der Schweiz. «Ein absolutes Glück», sagt Nussbaum. Hätte er keinen Platz für die ganze Herde gefunden, wäre ihm vielleicht nichts anderes übrig geblieben, als die Kühe zu verkaufen. «Dann hätten wir nach Wiederaufbau neue Tiere kaufen müssen. Es dauert Jahrzehnte, bis eine Herde zusammenfindet.»